Medienwandel 20. März 2015

Tausche Inhalt gegen Daten gegen Geld

by Christian Jakubetz

Inhalte gezielt für soziale Netzwerke produzieren, auf Daten setzen und den eigenen Kanälen weniger Bedeutung zumessen? Spätestens nach der SXSW in Austin und einigen interessanten Thesen des Buzzfeed-Chefs eine Diskussion, die auch für Deutschlands Digital-Journalisten interessant ist.

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Dass die Generation der Millenials zunehmend mehr ihre Inhalte mobil und über Smartphones konsumiert, ist unstrittig. Aber welche Konsequenzen zieht man als Journalist daraus? (Foto: Jakubetz)

 

Wenn es um die Medienzukunft bzw. den Wandel der Branche geht, dann hilft es naturgemäß weiter, wenn man einen Blick darauf wirkt, wie das jüngere Publikum Medien konsumiert. Dieses junge Publikum ist schließlich jenes, das schon in wenigen Jahren den Mainstream ausmachen wird. Und es wird, so viel ist sicher, seine Gewohnheiten nicht wesentlich ändern. So, wie inzwischen die erste komplett mit dem Netz aufgewachsene Generation wie selbstverständlich im Netz lebt, so wird vermutlich die Generation „Social Media“ nicht plötzlich von Facebook oder Instagram lassen wollen. Deswegen stellt sich die Frage: Was erwartet uns eigentlich, wenn der Medienwandel in den kommenden Jahren ähnlich rasant weiter geht?

 Seid froh, wenn jemand zahlt!

Es gibt eine ebenso banale wie gute Nachricht: Das Interesse an Nachrichten, an Reportagen, an alledem, was unter dem großen Label Journalismus zusammengefasst werden kann, ist ungebrochen. Auch in einer Generation, die sich so schön als „Millenials“ bezeichnen lässt, also jene, die irgendwann um die Jahrtausendwende geboren sind und heute zwischen 18 und 35 Jahre alt ist. Eine entsprechende Studie ist inzwischen in den USA veröffentlicht worden. Gut, die USA sind nicht Deutschland. Aber bei allen Debatten, die es momentan über die Zukunft von Medien gibt, ist ja eines noch nie ernsthaft behauptet werden: dass das Interesse am Journalismus als solchen generell nachlassen würde. Das zeigt sich jetzt auch bei der Studie des „American Press Institutes“, deren Ergebnis sich in einem Satz so zusammenfassen ließe: News sind weiterhin wichtig, aber ob jemand dafür bezahlen wird und sie überhaupt noch auf den traditionellen Distributionswegen von klassischen Medien konsumiert werden, kann man zumindest bezweifeln.

Auch in Deutschland übrigens zeigt sich eines sicher: Das Internet und da wiederum das Smartphone im Besonderen ist schon für Kinder und Jugendliche der Kanal schlechthin. Danach kommt erst einmal lange Zeit nichts. Dort wiederum dominieren soziale Netzwerke, Messenger und Videoplattformen.

Statistik: Anteil der Jugendlichen, die folgende Internetdienste nutzen in den Jahren 2013 und 2014 | Statista
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Allerdings: So sehr diese Generation die Tatsache schätzt, dass sie über die Nutzung von sozialen Netzwerken auch Medien-Inhalte mitgeliefert bekommen, so fremd ist ihr der Gedanke, zum einen ständig deren Plattformen zu besuchen und zum anderen dafür womöglich auch noch Geld zu bezahlen. Warum auch, wenn diese Medien-Inhalte nach deren Verständnis quasi in den sozialen Netzwerken schon integriert ist?

Gezielt produzieren für Facebook, Twitter und YouTube?

Neben der Debatte darüber, wer überhaupt noch für Journalismus bezahlen will, kocht angesichts dieser Entwicklung zumindest in den USA gerade auch eine andere Debatte hoch: Muss man angesichts dessen nicht auch noch darüber nachdenken, ob unser bisheriges Verständnis überhaupt noch das Richtige ist? Bei der gerade zu Ende gegangenen SXSW in Austin hat beispielsweise Buzzfeed-Chef Jonah Peretti für einigermaßen viel Aufsehen gesorgt, in dem er die Strategie seines Unternehmens klar benannt hat. Und die lautet kurz zusammen gefasst: Es ist völlig unwichtig, ob der Nutzer die Inhalte auf der Buzzfeed-Seite oder sonstigen originären Plattformen des Unternehmens konsumiert – Hauptsache, er macht es.

Wenn der Nutzer also Buzzfeed-Inhalte bei Facebook oder Twitter konsumiert, dann hat Buzzfeed selbst erst einmal nichts davon. Keine Klicks, keine Besucher auf der eigenen Webseite. Dafür aber bekommt das Unternehmen das, was in der Branche momentan als genauso wichtig und wertvoll gilt: Nutzerdaten. Vor allem solche, die Aufschluss darüber geben, wie ein Inhalt bei den Nutzern ankommt (oder eben auch nicht). Ausgerüstet mit diesem Wissen kann „Buzzfeed“ dann sei Inhalte so optimieren, dass sie dann auch wieder für Werbetreibende noch interessanter werden.

Darüber lässt sich streiten. Und dass das ausschließliche Setzen auf virale Verbreitung und die ausschließliche Anpassung der Inhalte ein Modell ist, das vielleicht für „Buzzfeed“, aber weniger für die „Süddeutsche“ funktioniert, ist auch unstrittig. Trotzdem aber bringt das Buzzfeed-Modell Schwung in eine Debatte, die man führen kann:  Wäre es nicht durchaus sinnvoll, nicht gezielter Inhalte für soziale Netzwerke zu produzieren, wenn sie de facto ohnehin schon zu den größten Newskanälen im Netz gehören? Für viele der „Millenials“ jedenfalls ist der morgendliche Blick zu Facebook ungefähr das, was für Generationen dafür der Griff zur Tageszeitung war.

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