Social Media 11. Oktober 2014

Das Foto ist die neue Statusmeldung

by Christian Jakubetz

US-Teens wenden sich von Facebook ab! Auf den ersten Blick klang die Schlageile aus dieser Woche einleuchtend. Auf den zweiten wird klar: Das Zuckerberg-Imperium ist mächtiger denn je. Und: Auch die sozialen Netzwerke folgen dem großen Netztrend – und werden zunehmend ein visuell getriebenes Medium…

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Es gehört inzwischen zu den beliebtesten Übungen der Branche: den baldigen Niedergang von Facebook vorauszusagen. Auf den ersten Blick erscheint das ja auch gar nicht mal so abwegig. Schließlich stößt das größte aller sozialen Netzwerke inzwischen an Grenzen ganz natürlicher Art: Bei rund einer Milliarde Mitgliedern ist der Punkt schnell erreicht, den Ökonomen Marktsättigung nennen.

Und so ist es auch kein Wunder, dass immer wieder Statistiken, Zahlen und Prognosen auftauchen, die das baldige Ende von Facebook nahelegen. So auch in den letzten Tagen: US-Teenager würden sich vermehrt von Facebook abwenden, lautete die Schlagzeile. Tatsächlich bestätigen die Zahlen diesen Eindruck auch:

 

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Demnach also wäre Facebook bei den US-Tenagern nur noch die Nummer 3. Der Rückgang innerhalb von nur einem halben Jahr ist ebenfalls bemerkenswert. Noch im Frühjahr 2014 gaben 72 Prozent der Teenager an Facebook zu nutzen, im Herbst dieses Jahres sind es plötzlich nur noch 45 Prozent.

Das ist eine interessante Entwicklung. Auch wenn es zu kurz greift, sie auf den Rückgang der Facebook-Nutzerschaft zu reduzieren. Tatsächlich lassen sich aus der Statistik einige interessante Trends und Erkenntnisse heraus filtern.

Fotos und Videos dominieren im Netz

Es ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte: Aus der kleinen und nur Insidern bekannten Fotoplattform ist innerhalb der letzten Jahre das unter US-Teenagern beliebteste soziale Netzwerk geworden. Es waren nicht wenige, die sich wunderten, dass Facebook vor Jahresfrist Milliarden auf den Tisch legte, um Instagram übernehmen zu können. Inzwischen hat man eine Ahnung. Zumal sich angesichts dieser Zahlen auch die Aussage,  Facebook verliere Nutzer, wieder relativiert, Zumindest bleiben sie im Zuckerberg-Imperium.

Auffällig am Instagram-Siegeszug ist vor allem eines: Das geschriebene Wort weicht hinter Foto und Video zurück. Das schnell geschossene Selfie, das gepustete Mittagessen, der Blick in den Club, der kleine Clip aus dem Konzert: Das visuelle Medium ist die neue Statusmeldung. Es ist müßig, über de Gründe zu diskutieren. Tatsache ist: ein Bild, ein Mini-Video, ein Hashtag, das reicht der Generation Selfie völlig aus, über ihre aktuellen Befindlichkeiten zu informieren. Zumindest folgt das der Logik, die in der Netzgeneration 2014 durchwegs zu beobachten ist. Kommunikation wird auf sehr kurze Momentaufnahmen reduziert, auf lange und viele Worte wird verzichtet.  Dazu passt auch die Idee des Messengers als solche. Das Emoticon also noch hinzugenommen, heißt das: Social Media wird visuell. Instagram ist der beste Beleg dafür, Zuckerbergs Riecher war wohl mal wieder untrüglich.

Google, der Zwerg

Unterdessen ist die Entwicklung bei Google + exakt umgekehrt. Das Netzwerk war mit großen Erwartungen gestartet worden. Angesichts der Marktmacht des Konzerns waren Befürchtungen der Konkurrenz verständlich. Heute, im Herbst 2014, kann man ohne Übertreibung sagen: Google dümpelt vor sich hin; nur 12 Prozent der US-Teenager geben an, es zu nutzen. Nun kann man sicher lange darüber debattieren, welche Rolle Google + in der Strategie des Konzerns spielen könnte und ob sich dort eben nicht absichtlich das Publikum findet, das sich gerne auch außerhalb des Facebook-Mainstreams bewegt. Sicher ist allerdings: Der befürchtete Facebook-Killer ist Google + nicht geworden, wie so viele davor und danach auch nicht. Das dürfte Google + auch nicht Zukunft nicht mehr werden und vielleicht auch gar nicht mehr wollen. Klar ist: Mit „YouTube“ hat der Konzern dafür die Video-Plattform am Start, die auch in den kommenden Jahren eine dominierende Rolle einnimmt, selbst wenn sie im Bewusstsein der Meisten keine Social-Media-Plattform ist. Aber zumindest auch „YouTube“ ein sehr guter Beleg, dafür, wie visuell das Netz zunehmend wird.

Keine Bewegung in der 2. Liga

Neben der Großen der sozialen Netzwerke gibt es natürlich auch noch eine 2.Liga. Eine, in der sich auch einstige Hoffnungsträger wie Pinterest wiederfinden.  Dort gab es so gut wie keine Verschiebungen. Momentan zeichnet sich nicht ab, dass sich an dieser Situation etwas ändern könnte. Der Abstand zu Liga 1 ist zu groß – und auch im zurückliegenden Jahr hat keiner so zugelegt, als dass sich daraus ein Trend ableiten ließe. Kurz gesagt also: Die 2. Liga ist stabil, man kann ganz gut in ihr leben – aber Aussichten auf einen baldigen Aufstieg gibt es aktuell eher nicht..

Die Gehypten – damals und heute

Auch das gehört zu den Gesetzmäßigkeiten  der sozialen Netzwerke: In regelmäßigen Abständen tauchen Newcomer auf, die als die nächsten großen Facebook-Konkurrenten gelten. Momentan ist es eine Platform namens „Ello“. Funktioniert nur mit Einladung, ist komplett werbefrei – und damit genau das Gegenteil von dem, was Facebook ausmacht. Noch vor wenigen Monaten hatte das Netzwerk gerade mal ein war hundert Mitglieder, inzwischen ist die Rede von tausenden Neuanmeldungen pro Tag. Ob daraus eine dauerhafte Entwicklung wird, muss man allerdings erst einmal abwarten. In den letzten Jahren gab es einige Anti-Facebooks, die genau das, was man am Riesen aus Kalifornien störend finden kann, anders machen wollte. Wie beispielsweise „Path“, bei dem man maximal 150 Freunde adden konnte. Nach einer kurzen Boomphase war es dann schnell wieder mit dem Hype; heute spielt das Netzwerk de facto keine spürbare Rolle mehr. Der Ablauf war bisher jedenfalls immer vergleichbar: Es gibt eine latente Unzufriedenheit mit dem Marktführer, kleine Alternativen drängen auf dem Markt, die vieles anders und besser machen wollen. Doch dann – ist es eben doch die schiere Marktmacht und Masse, die viele davon abhält, Facebook den Rücken zu kehren. Und sich in mehreren Netzwerken gleichzeitig zu tummeln, ist auch im digitalen Zeitalter immer noch eher die Ausnahme denn die Regel.

Klar ist – am Rande bemerkt – auch eines: In einer globalisierten, digitalen Welt spielen nationale Netzwerke ebenfalls keine echte Rolle mehr. Die Netzwerke aus Deutschland jedenfalls taumeln allesamt am Rand der Bedeutungslosigkeit entlang.

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