Foto 3. Januar 2013

Konkurrenz für Instagram & Co.?

by Christian Jakubetz

Schick sieht sie aus, die nicht mehr ganz so neue Oberfläche der App Eyeem. Nach der lautstarken Debatte um die neuen Nutzungsbedingungen von Instagram im Dezember vergangenen Jahres boomt die 2011 gegründete Plattform: Download- und Nutzerzahlen schnellten spürbar nach oben, auf Instagram verkündeten viele Nutzer ihren Wechsel zu Eyeem. Eine interessante Alternative zu Instagram ist die App allemal: Mit vielen Retrofiltern und Bilderrahmen bietet sie ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten. Leider sind die angebotenen Spielzeuge hier wie dort gleichermaßen einschränkend, weil sich die Filter und Rahmen weder individuell anpassen noch dosieren lassen. 

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Screenshot der App Eyeem: Links ein Blick auf “Lieblingsbilder” – die Kollektion der “Likes” – rechts die “Trendings”-Alben.

Die Abkehr vom “Zwang zum Quadrat” eröffnet Smartphone-Knipsern wesentlich mehr Freiheit in der Gestaltung von Bildern: Alle Formate sind möglich, die Bilder werden im Nutzerprofil in einer optisch eleganten Komplettansicht zusammengefasst. Scrollen für den Überblick, Antippen für die vergrößerte Einzelansicht, ein Fingertipp auf das Herzchen beschert dem Bildautor einen “Like”-Klick, direkt nebendran führt der Tipp zum Kommentarfeld. Weitaus komfortabler als bei Instagram sind die Suchfunktionen der App: Nach Usernamen, Tags oder Themen, die Funktionalität lässt keine Wünsche offen für denjenigen, der gezielt nach ähnlichen Bildern suchen oder den wachsenden Bildbestand von Eyeem schlicht durchstöbern möchte.

Trending Topics, die dem Nutzer in wechselnden Alben angeboten werden, ergänzen das Angebot. Wer seine eigenen Bilder nicht nur via Tags auffindbar machen möchte, kann sie auch in Alben sortieren. Praktischer Weise klappt das auch noch nach dem Upload: ein deutlicher Zugewinn an Komfort im Vergleich mit anderen Fotosharingdiensten. Auch die Anbindung an andere Plattformen des Social Web (derzeit tumblr, Twitter, Facebook und Flickr) läuft störungsfrei. Meistens jedenfalls, denn der Ansturm auf Eyeem sorgte beim Testen für allerlei Stirnrunzeln: Offenbar überlastete Server führen gelegentlich zum Stottern des Dienstes – bis hin zur kompletten Zugriffsverweigerung schon beim Log-In.Empfehlenswert ist Eyeem erst ab iPhone 4S. Auf einem iPhone 3GS getestet, läuft die App zwar, aber nur extrem langsam und mit häufigen Abstürzen.

Ein weiterer Pluspunkt für Eyeem: Profiländerungen und Bildbetrachtung, Tagging und Stöbern auf der Plattform, Kommentieren und Like-Klicks funktionieren nicht nur auf den Smartphones von Android über Apple bis Windows. Problemlos und komfortabel ist der Zugriff auf Bilder und Einstellungen auch über den heimischen Rechner und die Website von Eyeem, der Umweg über andere Dienste (wie z.B. webstagr.am oder instagrid.me für Instagram) entfällt. Leider hat die schicke App auch gewisse Mängel: Neben den gelegentlich hakeligen Servern fehlen zwei wesentliche Funktionen, die zum Standard vieler Plattformen im Social Web gehören. Derzeit kann man weder das eigene Profil als “privat” kennzeichnen noch uninteressante oder spammende Follower blockieren. Diese sinnvolle Alternative für Nutzer, die ihre Bilder durchaus öffentlich zeigen möchten, aber nicht jedem Follower spontane Sympathien entgegenbringen, fehlt leider ebenfalls.

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Zukunftspotential hat Eyeem allemal. Ein Bericht von Standard.at legt allerdings eine gewisse Skepsis nahe: Zwar lesen sich die Nutzungsbedingungen weitaus angenehmer und akzeptabler als vieles, was im Web unter “Terms of Service” kursiert. Aber auch Eyeem denkt über ein passendes Geschäftsmodell nach, einen Verkauf von usergenerierten Fotos inbegriffen. Severin Matusek, Community-Manager bei Eyeem, verspricht im Gespräch mit dem Standard: “Wir machen nichts mit den Fotos, was der Nutzer nicht will – und beteiligen ihn am Erlös.” Das spricht – den recht entspannten Nutzungsbedingungen zum Trotz – auch bei Eyeem dafür, Bilder nur mit sichtbarem Wasserzeichen versehen hochzuladen. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein; Papier war geduldig, Websites und Internetwände sind es ebenfalls – und Erlösspannen bei netzbasierten Verkäufen von nutzergenerierten Inhalten sind äußerst variabel. (In manchen Fällen, beispielsweise angesichts von Umsatzbeteiligungen von maximal 20 bis 25% für den Nutzer, ist “variabel” übrigens eine höfliche Umschreibung von “indiskutabel”.)

Weiterführende Links zum Thema:

Eyeem – die Website zur App.
“Eyeem sagt Instagram und Co. den Kampf an” (Standard.at, 29.12.2012)

Heike Rost

(die Autorin ist Fotografin und Journalistin; mehr unter www.heikerost.com).

 

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