Digitales Leben, Medienwandel 5. April 2018

Freie Journalisten: Ein ständiger Kampf ums Überleben

by Christian Jakubetz
Freie Journalisten
Freie Journalisten ist Deutschland: Eine neue Studie nennt ihre Lage „häufig prekär“. (Foto: Jakubetz)

Die Nachricht ist eigentlich gar keine: Freie Journalisten in Deutschland brauchen für ihren Job schon ein großes Maß an Idealismus. Geld dagegen sollte ihnen im Regelfall nicht als oberste Motivation dienen – von dem verdient der freie Journalist in Deutschland nämlich nicht allzu viel. Eine neue Studie, die jetzt von der Fachzeitschrift „Journalistik“ vorgestellt wurde, zeigt das überdeutlich: Demnach verdienen rund 28 Prozent der Freien in Deutschland weniger als 1800 Euro.

Besonders hoch ist der Anteil dieser Geringverdiener vor allem in Lokalmedien. Dort verdient über die Hälfte (52,4 Prozent) weniger als 1800 Euro – brutto, wohlgemerkt. In größeren und überregionalen Medien sinkt dieser Anteil spürbar ab.  Ebenfalls – leider – bemerkenswert: Bei den weiblichen Freiberuflerinnen ist der Anteil der Geringverdienerinnen deutlich höher als bei ihren männlichen Kollegen. Bei den freien Journalistinnen sind über ein Drittel (35,4 Prozent) unter der Grenze von 1800 Euro. Bei den Männern sind es hingegen „nur“ 23,3 Prozent.

Im letzten Universalcode-Podcast hat der freie Journalist Ralf Heimann ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert – und dabei zum Thema „Nebentätigkeiten“  gesagt: „Wenn mir jemand erklären kann, wie das ohne solche Sachen wie PR und Auftrags-Texte geht, dann bin ich gerne bereit, mich auf die Diskussion einzulassen.“ Das ganze Gespräch gibt es auch hier.

Das alles hat natürlich Auswirkungen. Weil sich von solchen Honoraren schlecht ein Leben bestreiten lässt, nimmt die Zahl derer, die noch Nebentätigkeiten außerhalb des Journalismus haben, seit Jahren konstant zu. Aktuell sind es laut Studie über 36 Prozent, die sich Geld noch außerhalb des Journalismus dazu verdienen. Müßig zu erwähnen, dass die allermeisten freien Journalisten mehr als einen Auftraggeber brauchen, um über die Runden zu kommen.

Und noch eine Auswirkung, die vor allem interessant ist, wenn man das Zurückgehen des Journalismus bei gleichzeitigem Vordringen der PR beklagt: Die Zahl der freien Journalisten in Deutschland hat sich in den vergangenen 25 Jahren ungefähr halbiert. Die Studie geht aktuell noch von rund 9000 Freien in Deutschland aus.

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