Aktuell 22. Oktober 2017

Sind Messenger die Journalisten-Zukunft?

by Christian Jakubetz

Sind soziale Netzwerke an ihren Limits angekommen? Zahlen aus der aktuellen Onlinestudie von ARD und ZDF legen diesen Schluss zumindest nahe. Was auch gar nicht so ungewöhnlich wäre: Zumindest Communities wie Facebook könnten allmählich an ganz natürliche Grenzen des Wachstums stoßen. Messenger wie „WhatsApp“ wachsen dagegen ungebremst weiter.

Messenger
Heimlicher Champion: Alle reden von Facebook und Twitter – aber wirkliches Wachstum passiert gerade hautsächlich bei WhatsApp.

Dabei ist Wachstum eine relative Sache. Oder besser gesagt: immer auch eine Frage, von welchem Niveau eine Plattform gerade kommt. Wenn man beispielsweise bei Facebook von einer erkennbaren Stagnation spricht, dann ist das auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich ist das große Reich des Mark Zuckerberg allen Unkenrufen zum Trotz immer noch der unangefochtene Marktführer. Über zwei Milliarden Menschen sind dort weltweit registriert, in Deutschland ist die Rede von rund 30 Millionen. Da ist es naheliegend, dass keine allzu großen Sprünge nach oben mehr zu erwarten sind.

Anders sieht die Lage beim Journalisten-Liebling Twitter aus. Tatsächlich stagnieren dort die Nutzerzahlen sowohl in Deutschland als auch weltweit. In Deutschland tun sie dies zudem noch auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Zwar ist Twitter in der öffentlichen Wahrnehmung ziemch gut verankert, tatsächlich aber ein reiner Nischenkanal. Anders kann man eine tägliche Nutzung von einem Prozent und eine zumindest wöchentliche Nutzung von zwei Prozent der Online-User kaum bewerten. Zudem spricht aktuell absolut nichts dafür dass sich dieser Status großartig verändern wird. Es ist also im Falle Twitter eher interessant, wen man dort erreicht – und nicht so sehr, wie viele.

„WhatsApp“ ist inzwischen der eigentliche Standard auf dem Smartphone

Beim viel gehypten Snapchat ist die Lage im Grunde ähnlich, allerdings mit mittelfristig besseren Perspektiven. Weil das Publikum, das Snapchat anspricht, potentiell ziemlich jung ist und noch einiges an Wachstum bietet. Allerdings auch mehr an Risiken: Wer weiß schon, wann diese wankelmütige Zielgruppe den Hype satt hat und zum nächsten heißen Ding wechselt? Muss nicht so kommen, ist aber auch keineswegs auszuschließen.

Messenger

So oder so: Auffällig ist, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken in Deutschland generell stagniert, stellenweise sogar minimal zurückgeht. Dafür wächst das Thema Messenger anscheinend unaufhörlich weiter. Im Vergleich zu 2016 verzeichnet WhatsApp auch in diesem Jahr spürbare Zuwächse. Unter den 14-19jährigen kommt der Messenger sogar auf die sagenhafte Quote von 90 Prozent täglicher Nutzung. Wie Journalismus darauf reagieren könnte, ist naturgemäß eine offene Frage, zumal nicht mal sicher ist, ob Menschen in einem Messenger nicht einfach nur kommunizieren wollen. Trotzdem: Angesichts der rasant gestiegenen Bedeutung von WhatsApp wäre es fahrlässig, sich zu diesem Thema nicht intensiv Gedanken zu machen.

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