Digitales Leben, Medienwandel 16. Juli 2017

Paid Content: Die deutschen Zahlungsmuffel

by Christian Jakubetz

Die Deutschen sind Geizhälse. Zumindest dann, wenn es um Paid Content geht. In kaum einem Land verspüren die Nutzer so wenig Lust zum Geldausgeben für Journalismus. Besonders fatal: Gleichzeitig sind die Deutschen ziemlich begeisterte Nutzer von Adblockern…

Paid Content
Selbst bei eher kleinen Beträgen sind die Deutschen nicht sonderlich begeistert, wenn sie für Journalismus im Netz bezahlen sollen. (Foto: Jakubetz)

Zahlen die Nutzer denn jetzt potentiell für guten Inhalt oder nicht? Über kaum ein Thema wird in der Branche so viel debattiert. Was ja auch kein Wunder ist, schließlich ist die Frage nach der künftigen Finanzierung die vermutlich wichtigste, wenn es um die Zukunft von Journalismus geht. Dabei spielt Paid Content eine ganz entscheidende Rolle. Und natürlich auch die gute, alte Werbefinanzierung. In Deutschland mögen Nutzer allerdings laut Digital News Report weder das eine noch das andere. Von 35 untersuchten Ländern weltweit kommen die Deutschen beim Bezahlen für journalistische Inhalte auf einen sehr bescheidenen 33. Platz. Umgekehrt sind sie bei der Nutzung von Adblockern überdurchschnittlich engagiert. Dort belegen sie Platz 5.

Paid Content ist auch international noch ausbaufähig…

Das zusammengenommen führt allerdings in ein echtes Dilemma: Wenn man auf der einen Seite für Inhalte nicht bezahlen und auf der anderen Seite keine Werbung auf kostenfreien Angeboten haben will, dann wird es schwierig mit der finanziellen Zukunft von Medien. Damit erzählt man den Medien-Anbietern in Deutschland wohl nichts wirklich Neues. Besser wird die ganze Geschichte dadurch allerdings auch nicht.

Bevor jetzt allerdings das große Lamento über die knickrigen Deutschen ausbricht: Spitzenreiter bei dem Thema ist Norwegen. Und auch dort haben im vergangenen Jahr lediglich 26 Prozent in irgendeiner Form für Inhalte bezahlt. Was wiederum bedeutet: Es gibt bisher kein Land in der Welt, in dem weniger als drei Viertel der Bevölkerung zahlungsunwillig sind. Es gibt also noch einiges zu tun, bis Paid Content eine echte tragende Säule der Journalismus-Finanzierung wird.

Comments 2
  • Paid Content als Strategie für Publisher ist out. Eigentlich hat sie nie wirklich existiert -zumindest wenn es sich um Geld handelt. In dem Augenblick, in dem die großen Medienhäuser kostenlose Informationen ins Netzt gestellt haben, haben sie den Leser zum kostenlosen Konsumieren „erzogen“.Erzeugt von belächelten und schlecht bezahlten Online-Redakteuren wurde über Jahren hinweg eine hochnäsige Unternehmenspolitik betrieben, die sich jetzt gnadenlos rächt. Auf der Strecke bleiben zuerst die jungen Redakteure; dann die Regionalblätter, dann der ein oder andere „Panzerkreuzer“ des letzten Jahrhunderts.
    Jetzt wird über den Erfolg „lamentiert“, statt nach neuen Strategien zu suchen und zu experimentieren.
    Information, die von Behörden, Unternehmen oder Bloggern vor Ort schneller und besser ins Netzt gestellt werden können, werden auch in Zukunft nicht bezahlt.

  • Wie sollen die Nutzer für Inhalte bezahlen, wenn jedes Medium eine eigene Währung einführt? Die einen machen Freemium, die anderen ein Digitalabo, volle Paywall, Micropayment… In der digitalen Welt jedoch gehen die Grenzen eines Titels verloren.
    Jeder Inhalt steht in direktem Wettbewerb zu allen anderen Inhalten. Die möchte ich dann aber auch alle bezahlen können. Das geht derzeit jedoch nicht, weil sich die Medienhäuser nicht auf eine Währung für alle Inhalte einigen können.
    Blendle & Co könnten Abhilfe schaffen, werden von den Medien jedoch kritisch beäugt, weil da jemand mit ihren Inhalten eigenes Geld verdienen will. So werden sicher noch einige Medien wie auf der Titanic eng umschlungen im eisigen Wasser untergehen.

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