Webvideos 6. Juni 2015

Die Medienwelt, ein Periskop…

by Christian Jakubetz

Ein paar einfach zu handhabende Apps, ein halbwegs gutes Smartphone, ein passables, kleines Mikro – und natürlich ein halbwegs funktionierendes Netz: Mehr braucht man nicht, wenn man von überall auf der Welt mit bewegtem Bild berichten will. Nach all den Entwicklungen der letzten Jahre ist es keine sonderlich gewagte These mehr: Journalismus und Journalisten kommen ohne bewegtes Bild nicht mehr aus.

Live vom Gipfel: Wie hier die "Welt", haben sich beim G7-Gipfel etliche Medien am vergleichsweise jungen Thema Livestreaming versucht. (Screenshot: Jakubetz)
Live vom Gipfel: Wie hier die „Welt“, haben sich beim G7-Gipfel etliche Medien am vergleichsweise jungen Thema Livestreaming versucht. (Screenshot: Jakubetz)

Früher brauchte man vergleichsweise monströse Ü-Wägen, Leitungen, Kameras und natürlich auch noch einen Sender. Bewegbild war lange Jahre nicht nur das Privileg des Fernsehens, sondern auch das Aufwändigste und Komplexeste, was man sich im Journalismus vorstellen konnte. Da ging und geht es ganz schnell mal in die Hunderttausende bei den Kosten.

Im Jahr 2015 kann man sich über diese Vorstellung amüsieren. Spätestens seit simple Livestreaming-Apps wie „Periscope“ oder „Meerkat“ auf dem Markt sind und es Smartphones mit hochauflösenden Kameras gibt, ist Bewegtbild als journalistische Darstellungsform Alltag. Videos lassen sich zudem, wenn sie nicht gerade live gesendet werden, inzwischen vergleichsweise simpel bearbeiten. Es gibt Schnittprogramme für das Smartphone, für zuhause und sogar kostenlose Editoren beispielsweise bei YouTube.

Der G7-Gipfel als der Livestreaming-Moment?

Dabei tauchte ja speziell beim Thema Livestreaming die Frage auf, die immer auftaucht, wenn neue Technologien auf den Markt kommen: Wofür soll das gut sein? Als Anfang des Jahres bei der SXSW plötzlich alle von „Meerkat“ sprachen und damit auch streamten, stand zunächst der Spielerei-Effekt im Vordergrund: Menschen streamen irgendwas, damit sie mal ausprobieren konnten, wie so etwas gehen könnte.

Dann gab es die ersten kleineren Momente, in denen Journalisten das Livestreaming halbwegs sinnvoll für sich entdeckten. Beim aktuell laufenden G7-Gipfel in Bayern kommt das Livestreaming zum ersten Mal flächendeckend zum Einsatz: Zeitungen wie die „Welt“ oder Sender wie der BR nutzten die neue Technologie, um Dinge im Bewegbild in die Welt zu bringen, wenn sie gerade passieren. Tatsächlich bietet sich ein Großereignis wie der G7-Gipfel geradezu an: Man kann verlässlich viele gute Bilder machen und man kann User gezielt drauf hinweisen, dass man auch mit Livestreams vor Ort dabei ist. Schließlich macht es ja auch für User keinen Sinn, vor einer App zu sitzen und darauf zu warten, ob irgendjemand etwas Interessantes streamen könnte.

Zumal „Periscope“ gegenüber „Meerkat“ einen entscheidenden Vorteil bietet: Die Videos bleiben für 24 Stunden gespeichert, man kann sie also nachbearbeiten und in einem späteren zusammenfassenden Beitrag verwenden.

Das YouTube in Live

Streng genommen setzt sich mit dem Livestreaming die Emanzipation des Bewegtbilder von der Plattform Fernsehen nur weiter fort. Schon „YouTube“ brachte ja das Fernsehen um sein Alleinstellungsmerkmal als Abspielkanal für Konserven, jetzt verliert es auch seine Alleinstellung für Live-Events. Die simple und kostengünstige Technik wird zudem dafür sorgen, dass auch sehr viel kleinere Events als die im TV live übertragen werden. Zumal man ja keine Millionen Menschen erreichen muss, um dem Kostenaufwand zu rechtfertigen. Dass die Medienwelt damit nochmal ein Stück kleinteiliger als bisher wird, ist quasi als Nebeneffekt unumstritten.

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