Webvideos 14. August 2014

Schau einer an: Warum Videos das Netz verändern

by Christian Jakubetz

Es gibt Zahlen, die ganz banal erscheinen. Aber dennoch sagen sie enorm viel über Entwicklungen aus. Diese hier beispielsweise: Rund drei Viertel aller Internetnutzer in Deutschland schauen sich inzwischen  regelmäßig gestreamte Videos im Netz an. Das entspricht immerhin rund 40 Millionen Menschen.

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Bevorzugte Technologie dabei: Streaming. Nur gut ein Viertel aller Nutzer entscheidet sich für einen vorherigen Download. Das hat eine Studie des Branchenverbands BITKOM ergeben.

Aus diesen dürren Fakten lassen sich einige Schlüsse ziehen. Zum einen: Bewegtes Bild ist möglicherweise der Schlüsselinhalt auch im Netz. Nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für klassischen Journalismus. Zumal auch die Häufigkeit der Videonutzung die Popularität des bewegten Bildes untermauert. 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie mehrfach in der Woche bewegtes Bild aus dem Nutz nutzen. 14 Prozent machen dies sogar täglich.

Zum anderen: Bewegtes Bild wird von Usern aller Altersklassen genutzt. Und es wird wie selbstverständlich erwartet, dass Angebote auch bewegtes Bild beinhalten. Der digitale Graben ist jedenfalls bei vielen andere Themen sehr viel tiefer als bei der Nutzung von Bewegtbild.  Sogar jeder Dritte ab 65 Jahren (34 Prozent) schaut Video-Streams im Netz. Bei den 14-29jährigen liegt die Quote sogar bei sagenhaften 87 Prozent. Spätestens bei dieser Zahl sollte klar sein, wie sehr Videos inzwischen im Online-Alltag angekommen sind.

Klar ist aber zudem: Auch beim Thema Bewegtbild dominiert das, was Kritiker seit langem die „Kostenloskultur“ nennen. Die ganz große Mehrheit jedenfalls bevorzugt wenig überraschend – kostenlose Angebote.  Dabei bevorzugen Streaming-Nutzer kostenlose Videodienste (78 Prozent). Dennoch zahlt bereits fast jeder Sechste (17 Prozent) für kostenpflichtige Angebote. Vor allem Videoportale sind bei Internetnutzern beliebt. Gut jeder Zweite (53 Prozent) schaut Videos über Portale wie Youtube, Clipfish oder Vimeo. Fast die Hälfte der Nutzer (46 Prozent) ruft bereits gesendete Beiträge und Sendungen in Online-Mediatheken von Fernsehsendern ab. Gut jeder Dritte (37 Prozent) sieht zumindest hin und wieder das aktuelle Fernsehprogramm als Livestream über eine Internetverbindung. Jeder Fünfte (19 Prozent) nutzt On-Demand-Portale für Serien und Spielfilme wie Watchever, Maxdome oder Amazon Prime Instant Video.

Man könnte also meinen, dass es zuvorderst die TV-Sender sind, die dieser Paradigmenwechsel betrifft. Was ja auch nicht von der Hand zu weisen ist: Streaming-Angebote verändern unsere Fernsehgewohnheiten dauerhaft“, sagt Dr. Christian P. Illek, Mitglied des BITKOM-Präsidiums. „Per Streaming bestimmen Verbraucher selbständig, wann und wo sie Filme, Serien oder Nachrichten sehen möchten.“ Was wiederum bedeutet, dass Zuschauer mehr und mehr auf das lineare Programm eines klassische Fernsehsenders verzichten können (und werden).

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass bewegtes Bild eben nicht mehr länger ein Privileg der Sender sind. Und auch kein Inhalt mehr, der vom Nutzer ausschließlich dem Medium Fernsehen zugeordnet wird. Wenn aber wiederum der User bewegte Bilder zunehmend mehr als eine Art „unabhängige“ Darstellungsform sieht und demnach eigentlich überall im Netz erwartet, dann heißt das im Umkehrschluss, dass Journalisten ihn auch überall anbieten müssen. Selbst dann, wenn sie beispielsweise bei einer Zeitung und nicht bei einem Sender arbeiten.

 

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