Medienwandel 13. März 2014

Die Zukunft von Print: Vorerst dreigleisig

by Christian Jakubetz

Wo findet der klassische Journalismus der Zukunft statt? Auch im Jahr 2014 erhält man darauf noch höchst unterschiedliche Antworten. Nach wie vor in den Zeitungen und ihren digitalen Ableger, sagt die Print-Branche. Im TV sagen die Fernsehleute, während Radiomacher immer noch ihr Medium als zukunftsträchtig sehen. Irrtum, glauben wiederum die Protagonisten der digitalen Szene: Schon jetzt geht nichts mehr ohne das Netz und ohne soziale Netzwerke. Was davon ist jetzt richtig? Paradoxe Antwort: Alle haben ein bisschen Recht. 

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Die jetzt veröffentlichte Basisstudie „Zeitungsqualitäten 2014“ der ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft verweist naturgemäß auf die nach wie vor hohe Reichweite der Verlagsprodukte. Gedruckt, digital und mobil haben die Angebote der deutschen Tageszeitungen demnach eine Reichweite von über 80 Prozent. Die gedruckte Tageszeitung bringt es auf eine Reichweite von täglich 45,5 Millionen, gemeinsam mit den Online-Variationen sind es 56,6 Millionen. Zeitungen kämen dadurch auch auf Mehrfachkontakte durch den gesamten Tag hinweg und würden zudem hohen Einfluss auf die Tagesplanung ihrer Leser nehmen. Zudem verweist das Allensbach-Institut aktuell auch auf ein anderes Phänomen: Für das Lesen längerer Texte bevorzugt eine deutliche Mehrheit immer noch das gedruckte Papier. Selbst in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen sagen 37 Prozent, dass sie lange und komplexe Texte lieber auf Papier lesen, nur 18 Prozent bevorzugen dafür digitale Endgeräte. Je älter die Nutzer werden, desto größer wird die Präferenz für Papier.

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Zudem haben Tageszeitungen trotz aller Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren immer noch eine hohe Vielfalt und Abdeckung aufzuweisen. Aktuell gibt es in Deutschland 355 Zeitungen, davon sind 329 Tageszeitungen. Der Rest entfällt auf Wochen- und Sonntagszeitungen. Die Tageszeitungen bringen es immerhin noch auf eine Auflage von 17,6 Millionen. Eine auf den ersten Blick sehr hohe Zahl. Indes: Vor zehn Jahren waren es laut IVW noch über 25 Millionen. Statistisch gesehen verlieren die Blätter also jedes Jahr mehrere hunderttausend Exemplare ihrer Auflage – und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.

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Das alles ist – man merkt es bereits – sehr interpretationsfähig. Ist die Lage der Tageszeitungen also nur ein bisschen weniger gut als früher, wie Optimisten meinen? Oder befinden sie sich in einem unaufhaltsamen Abwärtstrend? Dabei hilft ein Blick auf die Frage, welche Nachrichtenquellen die Menschen in Deutschland bevorzugen. Will man die Online-Euphorie etwas bremsen, dann kann man aus dem Ergebnis erstmal heraus lesen, dass es immer noch eine knappe Mehrheit ist, die vor allem bei „harten“Themen die klassischen Medien bevorzugt – statistisch, ebenfalls nach Allensbach etwas mehr als jeder Zweite. Allerdings: Den Löwenanteil daran halten immer noch TV und Radio. Zeitungen haben vor allem auf das Fernsehen eine enormen Rückstand, inzwischen aber auch zu den Online-Medien. Beim Thema „Nationale Nachrichten“ beispielsweise sagen 43 Prozent, ihre bevorzugte Quelle hierfür sei das Fernsehen. 31 Prozent lesen solche Nachrichten auf Online-Newssites, 13 Prozent in der Tageszeitung und 10 Prozent präferieren das Radio.

Indes: Genau das zeigt die Problematik der Lage. Schließlich kann es ja auch gut sein, dann die 31 Prozent, die ihre „nationalen Nachrichten“ am liebsten Seiten der Zeitungen verwenden. Das geht aus der Allensbach-Umfrage nicht hervor.  Nachdem es angesichts der Tatsache, dass viele Zeitungen inzwischen ordentlich funktionierende Webseiten haben, sogar wahrscheinlich ist, lässt sich daraus zweierlei ableiten:

  • Es reicht nicht aus, wenn man bei solchen Fragen ausschließlich auf das Trägermedium schaut.
  • Unbestritten müssen Tageszeitungen zunehmend mehr auf digitale Angebet setzen, mit Print alleine kommen sie nicht mehr weit.

Das sind auch die Gründe dafür, warum auch die weiteren Aussagen aus der ACTA-Untersuchung zwar etwas über die Zukunft von gedrucktem Papier sagen, reichlich wenig aber über die der Verlage. Dennoch: Auch ACTA 2013 zeigt, wie sehr das Trägermedium Papier und die Darreichungsform als Tageszeitung zunehmend an Bedeutung verliert. Dazu nur eine Zahl: Inzwischen sagen fast 48 Prozent der 20- bis 29-Jährigen, dass sie für ihre tägliche Information keine gedruckte Zeitung mehr benötigen und ihnen digitale bzw. elektronische Medien ausreichen.

Social Media: Alles, bloß keine Nachrichten

Erstaunlich am Rande: Soziale Netzwerke werden demnach als alles mögliche wahrgenommen, aber nicht als Quelle oder Anlaufstelle für seriöse Nachrichten. Ihre Rolle ist eher die der Meinungsbildner, der Plattformen, in der Nachrichten geteilt und debattiert werden. Aber auch dort ist es wie im echten Leben: Die Zahl der „Influencer“ ist vergleichsweise niedrig. Soll heißen: Es sind einige wenige, die den Ton und die Themen vorgeben. Sie haben aber dafür in den sozialen Netzwerken eine hohe Reichweite.

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