Mobile 2. November 2013

Das Tablet steckt die Medien in die Tasche

by Christian Jakubetz

Lange Schlangen, wartende Kunden – und der Tanz um ein goldenes Kalb: Am Samstag war der Verkaufsstart für die inzwischen fünfte Generation von Apples iPad, das diesmal den Namen iPad Air trägt. Was noch vor drei Jahren als eine Gerätegattung für Nerds galt, ist inzwischen auf dem besten Weg, mehrere Branchen zu verändern. Die Computerbranche sowieso – aber auch der Journalismus und die Medien ändern sich. Die Welt wird mobil, der Journalismus auch.

Wie mobile Medien früher waren: Zeitungen. Heute würde hier vermutlich eher ein Tablet stecken. (Foto; Cornelia-Menichelli_pixelio.de)
Wie mobile Medien früher waren: Zeitungen. Heute würde hier vermutlich eher ein Tablet stecken. (Foto: Cornelia-Menichelli/pixelio.de)

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte das Lesen von digitalen Zeitungen ein paar entscheidende Nachteile. Sperrige und wenig aktive E-Paper auf einem erst noch hochzufahrenden Laptop, der dann auf dem Tisch steht oder auf den Knien liegt – das klang nicht wirklich verlockend und war es auch nicht. Irgendwann kamen dann als Zwischending die sogenannten „Netbooks“, eine Art stark geschrumpfter Laptop. Eine auf den ersten Blick gute Idee, die aber ein paar entscheidende Nachteile hatte. Die flachbrüstigen Rechner waren tatsächlich nur für die elementaren Dinge des Netzes geeignet. Und als Geräte für den Medienkomsum waren sie nicht nur wegen ihrer mageren Rechenleistungen wegen kaum geeignet. Die Inhalte blieben immer noch entweder Webseiten oder tote E-Paper, mobiler Medienkosum war also, wenn man so will, immer noch am ehesten durch eine gedruckte Zeitung gewährleistet.

Medien, die man gerne konsumiert

Erst durch Tablets entstanden plötzlich auch digitale Medien, die man gerne konsumierte. Aus den E-Papern wurden Apps, die Redaktionen kamen schnell auf die Idee, das man auf einem Gerät wie beispielsweise einem iPad sehr viel mehr Dinge anbieten muss als einfach ein PDF. Durch Tablets (und Smartphones) sind Inhalte mobil geworden (Journalisten sind es auch, wie hier nachzuschauen ist).

Tatsächlich zeigen auch die neuesten Absatz-Zahlen, dass Journalisten das Thema Tablet unbedingt auf dem Radar haben müssen: Aus dem Nischenprodukt ist schon lange ein Massenprodukt geworden.  Zwar verliert Apple momentan Marktanteile, der Markt selbst aber wächst weiterhin enorm.

Apples Anteil am weltweiten Tablet-Absatz hat einen neuen Tiefstand erreicht.  Nur 29,6 Prozent der weltweit von Juli bis September abgesetzten Tablets kamen aus Apples Designschmiede. Damit fiel Apples Marktanteil erstmals seit Erscheinen des ersten iPads 2010 unter 30 Prozent. Während der weltweite Absatz von Tablets um fast 40 Prozent stieg, stagnierten Apples iPad-Verkäufe bei 14 Millionen Einheiten. Das Wachstum des Gesamtmarktes geht also beinahe ausschließlich auf die gestiegene Nachfrage nach Android Tablets zurück, wobei besonders Samsung und Lenovo starke Zuwächse verzeichnen konnten.

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Die gegenwärtige Situation am Tablet-Markt ist vergleichbar mit der Entwicklung des Smartphone-Marktes in den vergangenen Jahren: Nachdem Apple den Markt mit dem iPad (respektive dem iPhone) revolutioniert hat, dauert es eine Weile bis die Produkte der Konkurrenz eine vergleichbare Qualität erreichen. In der Folge beginnt die Konkurrenz hier wie dort Apple mit niedrigpreisigeren Produkten Marktanteile abzugraben, während der Konzern aus Cupertino weiter den Großteil der Gewinne einfährt.

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