Digitales Leben 6. Oktober 2013

Journalisten, ins Netzwerk gegangen

by Christian Jakubetz

Erst die „Huffington Post“, jetzt ein neues Autorennetzwerk – liegt die Zukunft des Journalismus vielleicht doch abseits der etablierten Redaktionen und großen Medienmarken? Das neue Portal „Ticula“ will seine Autoren sogar bezahlen. Wie genau es sich am Markt positionieren und durchsetzen will, ist momentan noch ziemlich unklar. Autoren allerdings, so viel ist sicher, können sich seit vergangener Woche noch bis 31. Oktober dort registrieren lassen.

ticula

Es ist anscheinend mal wieder die Zeit für Projekte, bei denen viele Autoren eine große Plattform mit ihren Beiträgen füllen sollen. In Deutschland ist es momentan vor allem natürlich der Ableger der „Huffington Post“, der für reichlich Gesprächsstoff sorgt. Schließlich sollen dem hierzulande von Burda betreutem Ableger eine ganze Rehe von Bloggern zuarbeiten. Unentgeltlich versteht sich. Das Angebot des Branchenriesen lautet: Wir bekommen deine Texte, wir geben dir dafür unsere (noch nicht vorhandene) Reichweite und unseren (noch nicht vorhandenen) guten Namen. Journalismus gegen Aufmerksamkeit und Reichweite, ein Deal, der in den letzten Wochen für einige Kontroversen gesorgt hat.

Zeitgleich begibt sich ein weiteres Projekt in die Startlöcher, das ebenfalls versucht, viele Autoren unter ein Markendach zu bringen. Das neue Autorennetzwerk nennt sich „Ticula“. Gemacht wird es von einem in der Branche durchaus bekannten Mann: Dirk Westphal war Gründungs-Chefredakteur der „Suite 101“, ein inzwischen wieder eingestellter Versuch, aus einem Autoren-Netzwerk eine journalistische Marke zu machen. Im Gegensatz zur „Huffington Post“ will Westphal allerdings keineswegs Texte(r), die ihre Arbeit gegen Reichweite zur Verfügung stellen. Geplant ist stattdessen, ihnen Geld zu bezahlen. Wie viel das sein wird und ob nicht wenigstens in der Anfagsphase wenig bis gar kein Geld fließt, lässt Westphal in einem Interview allerdings sehr offen: „Wir glauben fest daran, dass Journalisten und Autoren mit ihrer Arbeit Geld verdienen sollen. Aber wir müssen uns auch vergegenwärtigen, dass am Anfang der Inhalt steht.“

Zumindest sehr ungewöhnlich ist der inhaltliche Ansatz, den „Ticula“ dabei verfolgen will. Denn dieser Name steht quasi nur als Dachmarke über einer ganzen Reihe von Themenmagazinen, die unter diesem Label entstehen sollen.  Bereits zum Start sind 63 (!) geplant. Nicht ausgeschlossen, dass weitere hinzukommen. Dabei werden ganz bewusst auch Nischenthemen angeboten, wie beispielsweise „Kampfsport“ oder „Energie“.

Wie allerdings konkrete Abläufe aussehen sollen, wer mit von der Partie ist, wie welche Reichweite entstehen soll – das alles ist zumindest noch sehr vage. Klar ist bislang nur, dass aktuell eine „unverbindliche Vormerkphase“ läuft, bei der sich interessierte Autoren bei „Ticula“ registrieren können. Ob sie dann zum Start des Portals auch dabei sind, ist damit nicht garantiert. Westphal will „ziemlich streng sein und im Zweifelsfall den Daumen senken, wenn die Qualität nicht stimmt.“

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