Software 13. April 2014

Wir sind (manchmal) die Roboter

by Christian Jakubetz

Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Journalisten? Nachdem der sogenannte „Roboterjorunalismus“ jetzt auch in Deutschland vor der Tür steht, dürfte es bald einige Diskussionen geben: Was können Maschinen, was nicht? Und: Wenn Roboter uns jetzt das Texten abnehmen, was ist dann künftig unser Job?

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Das sprichwörtliche in die Tasten hauen – könnte bald überflüssig sein. Software kann zumindest teilweise das Texten übernehmen. (Foto: Jakubetz)

Geredet wird darüber schon lange – und dass es technisch möglich ist, weiß man auch schon länger: Texte sind nicht mehr etwas, für das unbedingt ein Texter benötigt wird. Software ist inzwischen in der Lage, aus Basisinformationen oder auch Daten vollwertige Texte zu erstellen. In den USA ist der Einsatz solcher Programme keine Seltenheit mehr.

In Deutschland hingegen befindet sich der Einsatz von textender Software noch komplett in den Kinderschuhen. Das soll sich jetzt ändern. Inzwischen gibt es eine Firma namens „aexa“, die sich auf solche Software-Lösungen spezialisiert hat. Vorerst ist sie auf kurze Sportberichte spezialisiert. Das aber nicht nur in erstaunlicher Präzision, sondern auch mit unterschiedlich definierbarer Tonality. Soll heißen: Wer eine solche Software einsetzt, kann zumindest bis zu einem gewissen Grad auch entscheiden, wie sich die Texte „anhören“ sollen. Schließlich sind die Anforderungen und Zielgruppen beispielsweise einer Regionalzeitung andere als die eines Sportmagazins.

Daraus ergeben sich möglicherweise interessante Perspektiven – gerade auch für kleinere Lokalredaktionen. Bisher werden dort Sportergebnisse aus den ganzen unterschiedlichen heimischen Ligen nur in Form eher unansehnlicher Zahlenblöcke und Tabellen wiedergegeben. Durch Text-Software ist es denkbar, aus den ganzen Zahlenmengen Texte zu generieren, die einem klassischen Spielbericht schon ziemlich nahekommen. Aber auch andere Varianten sind denkbar: Klassische Meldungen und Nachrichten müssten dann irgendwann nicht mehr von Journalisten getextet werden, sondern könnten maschinell erstellt werden. Keine schlechte Perspektive, bedenkt man, wie viel Zeit in Redaktionen durch das Erstellen von Routinemeldungen verloren geht. Und dass Journalisten irgendwann mal den Betexten von Wetterberichten oder Polizeimeldungen nachtrauern, scheint auch eher unwahrscheinlich.

Dass solche Software-Lösungen irgendwann mal Journalisten ersetzen, muss man vermutlich kaum befürchten. Wohl aber könnten sie eines: den Redaktionen das Leben etwas einfacher machen.

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