Social Media 23. September 2013

Twitter und die Wahl: klein, fein, mächtig

by Christian Jakubetz

Soziale Netzwerke gehören in Deutschland zum medialen Alltag. Dabei gibt es viele große Netzwerke – und ein vergleichsweise kleines, über das allerdings überproportional viel gesprochen wird. Twitter hat auch am Abend der Bundestagswahl eine verblüffend große Rolle gespielt.

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Für Journalisten und Medienmacher ist Twitter inzwischen mehr oder weniger zu einem Muss geworden. Und nicht nur das: Seit Twitter seinen Börsengang angekündigt hat – stilecht via Tweet – ist das Unternehmen auch an der Börse und für die Finanzwelt interessant geworden. Die Bedeutung von Twitter ist allerdings in Deutschland in absoluten Zahlen bei weitem nicht so groß, wie man als Angehöriger der Medienbranche manchmal denken könnte. Laut neuer ARD-ZDF-Onlinestudie nutzen gerade mal sieben Prozent der deutschen Onliner den Kurznachrichtendienst. Diese ohnehin bescheidene Zahl erhält nochmal eine neue Dimension, führt man sich die Nutzungshäufigkeit vor Augen: Die Hälfte der Twitter-User geht demnach seltener als einmal monatlich auf die Seite. Nur sieben Prozent geben an, täglich Twitter zu nutzen.

Lässt sich daraus schließen, dass eine sehr kleine Zahl von Onlinern die öffentliche (Netz-)Meinung überproportional beeinflusst? Immerhin gilt es in vielen Social-Media-Strategien von klassischen Medienhäusern inzwischen als angesagt, regelmäßig Meinungen aus Twitter zu zitieren. Und auch bei der Bundestagswahl am Sonntag abend hat Twitter eine für seine Größenordnung erstaunliche Rolle gespielt: Tweets gab es auf nahezu allen Kanälen zu sehen. Die Prognose ist nicht allzu gewagt, dass es am Wahlabend kein soziales Netzwerk gab, in dem die Wahl derart intensiv und nahezu in Echtzeit diskutiert wurde.

Bereits im Vorfeld der Wahl hatte sich die Debatte um Relevanz oder Irrelevanz von Twitter entzündet. Am Beispiel des TV-Duells zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer hatte der Journalist und Blogger Ole Reißmann eine interessante Rechnung aufgestellt: Zum Hashtag #tvduell habe es zwar die auf den ersten Blick durchaus erstaunliche Zahl von rund 173.000 Tweets gegeben. Eine solche Zahl von Tweets könnten 7000 aktive Diskussionsteilnehmer durchaus zustande bringen. Gemessen daran – laut Reißmann wären das nur noch 0,01 Prozent der in Deutschland Wahlberechtigten – wäre dann die Bedeutung von Twitter eher relativ zu sehen, zumal ja auch ein anderer Aspekt nicht von der Hans zu weisen ist, wie Reißmann schreibt: „Und wer sind diese 7000 überhaupt — sind das nicht zu einem guten Teil Journalisten, Politiker und Werber? Blogger aus Berlin? Es sind Menschen, die dieselben Tools nutzen, eine gemeinsame Sprache sprechen, bestimmte Witze verstehen. Jedenfalls sind sie nicht “das Netz”. (Warum wohl lesen Journalisten lieber Tweets als YouTube-Kommentare im Fernsehen vor?)“

Unbestritten ist allerdings wohl auch, dass speziell für Journalisten das Beinahe-Echtzeit-Medium Twitter bei dieser Wahl eine so große Rolle wie noch nie zuvor gespielt hat.  Erkennbar hat sich der Kanal dabei geändert – zunehmend mehr zu einem Medium, in dem Stimmungen und Strömungen schneller als anderswo erkennbar waren. Und zu einem Medium, das auch für gezielten Informationsaustausch und zur Recherche genutzt wurde.

In diesem Zusammenhang: Mit „tame.it“ existiert eine spezielle Twitter-Suchmaschine. Mit ihr können Inhalte nach Relevanz und Themen durchsucht werde. Im Video erklärt CEO Frederik Fischer, wie das geht – und welche Bedeutung Twitter aus seiner Sicht hat. Weitere Details zu „Tame“ gibt es hier.

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