Medienwandel 13. Januar 2013

Mediennutzung 2012: Der Glaube an Print schwindet

by Christian Jakubetz

Das Netz wird das Medium der Zukunft – während sich von den klassischen Medien vor allem das Fernsehen gut halten wird. Harte Zeiten dagegen warten auf die Printbranche. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Studie von „Seven One Media“. Dabei können sich Medien auch weiterhin generell auf ein ungebrochen großes Interesse des Publikums verlassen.

Die Zukunft gehört dem Netz - davon ist inzwischen eine überwältigend große Mehrheit überzeugt (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)
Die Zukunft gehört dem Netz – davon ist inzwischen eine überwältigend große Mehrheit überzeugt (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Zumindest so viel ist mal sicher: Wenn es in der Medienbranche in naher und vielleicht auch fernerer Zukunft weiter Probleme mit der Finanzierung geben sollte – an mangelndem Interesse der potentiellen Zuschauer an Medien liegt es nicht. Denn: Die tägliche Nutzung von Medien steigt weiterhin an und hat nach den Ergebnissen von „Navigator 05“ inzwischen die Marke von 10 Stunden am Tag beinahe schon erreicht. Doch von diesem Boom können beileibe nicht alle profitieren. Der Studie zufolge sind es eigentlich nur zwei Mediengattungen, zumindest wenn man nur auf die reine Nutzungszeit schaut: Fernsehen und Internet (Hinweis zur Einschätzung: SevenOne Media ist ein Unternehmen der ProSiebenSat1 Media AG). Den größten Verlierer dieser Entwicklung macht die Studie ebenfalls aus: Printmedien. Sie sind jetzt schon in der täglichen Nutzung weit hinter die elektronischen und digitalen Medien zurückgefallen. Zudem manifestiert sich ihr Bedeutungsverlust auch in einer anderen Zahl: Befragt nach den Medien, denen man in Zukunft eine größere Bedeutung zubilligt, landet das Netz mit enormen Vorsprung auf Platz 1. Stolze 89 Prozent sind überzeugt davon, dass das Netz in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird. Bei (Tages-)Zeitungen glauben dies nur 13 Prozent. Umgekehrt glaubt beinahe jeder Zweite inzwischen an einen künftigen Bedeutungsverlust der gedruckten Zeitung.

Jeder zweite rechnet inzwischen mit einem Bedeutungsverlust für Zeitungen. Dagegen sagen fast 90 Prozent: Das Netz wird weiter an Bedeutung gewinnen. (Grafik: Seven One Media)
Jeder zweite rechnet inzwischen mit einem Bedeutungsverlust für Zeitungen. Dagegen sagen fast 90 Prozent: Das Netz wird weiter an Bedeutung gewinnen. (Grafik: Seven One Media)

In der Studie selbst ist die Rede von einer hohen Anfälligkeit der Printmedien für Substitution. Etwas weniger hochtrabend ausgedrückt heißt das: Alles, was man gedruckt darstellen kann, lässt sich ziemlich mühelos auch im Netz zeigen. Die Notwendigkeit, Bilder und Texte auf Papier zu drucken, existiert de facto schon heute nicht mehr. Mit dem Siegeszug von Tablets, die auch in ihrer Anmutung Büchern und Zeitungen sehr viel näher kommen als es PCs oder Notebooks konnten, dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Die Studie kommt deshalb zu einem für die Printbranche unerfreulichem Ergebnis: „Eine gleichzeitige Existenz dieser beiden Medienformen – ohne erhebliche Verluste für den Printmarkt – ist vor diesem Hintergrund kaum vorstellbar.“

Dagegen lässt sich bei der Fernsehnutzung zunehmend ein Phänomen beobachten, das beiden Mediengattungen zugute kommt: Fernsehen und Internet werden immer häufiger gemeinsam und parallel genutzt. Vor allem mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets werden dadurch zunehmend mehr zu einem „second screen“. Das heißt, dass Interaktion und Kommunikation der User untereinander, möglicherweise auch mit den einzelnen Redaktionen oder Sender über diese zweiten Bildschirme und dort bevorzugt wieder in sozialen Netzwerken stattfinden.  In Zahlen: 59 Prozent geben an, wenigstens gelegentlich TV und Internet parallel zu nutzen.  Eine rasante Entwicklung, in den letzten zehn hat sich die Zahl der Parallelnutzer glatt verdreifacht.

Die komplette Navigator-Studie gibt es hier zum kostenlosen Download.

Nimmt man die 14-49jährigen zum Maßstab, wie es SevenOne Media in der Frage nach der täglichen Mediennutzungsdauer getan hat, dann zeigt sich, dass der (Medien-)Tag in dieser Altersgruppe nur noch von drei Kanälen dominiert wird: TV, Radio, Netz. Das Fernsehen bringt es immer noch auf unangefochtene 205 Nutzungsminuten pro Tag. Im Netz befindet sich diese Altersgruppe demnach 107 Minuten am Tag. Allerdings ist erwartungsgemäß die Kurve nirgendwo so steil nach oben gegangen wie im Netz. Vor zehn Jahren waren es lediglich 30 Netzminuten am Tag. Umgekehrt lässt sich auch bei diesem Thema die Problematik für Zeitungen  erkennen: Seit 2002 haben die Printmedien in Deutschland rund ein Drittel ihrer täglichen Nutzungszeit verloren.

Alle anderen Medien sind weit hinter den „großen Drei“ und bleiben allesamt unterhalb einer täglichen Nutzungszeit von 50 Minuten.

 

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