Digitales Leben 7. August 2012

Eine Presseschau via Facebook und Twitter

by Christian Jakubetz

Wenn es um die neuen Ansprüche an den Journalismus geht, dann wird gerne auch vom kuratieren gesprochen. Und von einer Art offenem Journalismus, wie ihn beispielsweise der „Guardian“ vorleben möchte. In Deutschland ist jetzt „Süddeutsche.de“ ein Stück vorangegangen.  „Leser empfehlen auf…“ heißt eine neue Rubrik des Angebots – und die Idee ist so simpel wie ungewöhnlich zugleich: eine Art Facebook-Twitter-Presseschau.

„Presseschau“ bei Facebook und Twitter: das neue Angebot von „Süddeutsche.de“

Stichwort Presseschau: Das kennen Journalisten und Nutzer schon seit langem. Und es gibt vermutlich viele gute Gründe, warum diese Darstellungsform so populär ist. Man blickt über den eigenen Tellerrand, man sieht nach, was die anderen so schreiben und sagen. Inzwischen ist das aber womöglich nur noch eine sehr eingeschränkte Art des Tellerrandschauens. Und ganz zeitgemäß ist sie auch nicht mehr, schließlich besteht das ganze soziale Netz inzwischen aus (Lese-)Empfehlungen. Eine Tatsache, die sich klassische Medien bisher immer noch erstaunlich wenig zu eigen gemacht haben.

Eigene Ideen, Vorschläge, Wünsche an die Social-Media-Presseschau von „süddeutsche.de“? Dann bitte abgeben: @ploechinger (Twitter), gplus.to/ploechinger (Google) oder hallo@sz.de (Mail).

„Süddeutsche.de“ will genau hier ansetzen. Eine Art Presseschau, nahezu in Echtzeit, basierend auf dem, was im sozialen Netz momentan am populärsten ist.  Dazu wird ausgewertet, welche Beiträge momentan die meisten „Likes“ oder andere Empfehlungen erhalten. Einbezogen sind dabei auch ausdrücklich alle Konkurrenten von „sueddeutsche.de“. Wer also wissen will,  was beispielsweise gerade bei „Spiegel Online“, der „Zeit“ oder auch im „Guardian“ besonders viel gelesen und empfohlen wird, bekommt über die Seite sz.de/leserempfehlen einen vollständigen Überblick.

Ein Interview mit Stefan Plöchinger zur digitalen Presseschau finden Sie hier.

Was den Nutzer vermutlich freut, dürfte allerdings im Selbstverständnis zahlreicher deutscher Journalisten und vor allem natürlich Geschäftsführer ein mittlerer Albtraum sein: Direkt auf die unmittelbare Konkurrenz verweisen, noch dazu kostenlos? Würde man denn beispielsweise in der gedruckten FAZ jemals täglich eine Seite finden, auf der es sinngemäß heißt, dieses und jenes sei in den anderen Zeitungen dringend lesenswert? Vermutlich eher nein. Für den Chefredakteur von süddeutsche.de, Stefan Plöchinger, ist das allerdings genau der falsche Denkansatz: Die Befürchtung, man verliere Leser durch verlinken an die Konkurrenz, sei „anachronistisch“ und „Unsinn“.  Vielmehr, so Plöchinger weiter, „sollten wir dafür sorgen, dass Leser guten Journalismus im Netz finden.“ Insbesondere im Netz – denn das Internet lebe nun einmal vom „offenen Journalismus“, wie er vom Chefredakteur des „Guardian“, Alan Rusbridger, genannt wird.

 

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