Social Media 1. Februar 2012

Die SZ bei Facebook: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

by Christian Jakubetz

„Süddeutsche.de“ oder „Süddeutsche Zeitung“? Die SZ hat darüber nachgedacht, wie sie sich bei Facebook präsentiert. Und von Facebook eine klare Maßgabe bekommen: als beides. Eine Mediengroteske aus dem großen Reich eines Social-Media-Giganten…

Wenn Sie das eine nicht mögen, mögen Sie vielleicht ja das andere: die doppelte SZ bei Facebook.

Inzwischen lernt man das ja in jedem gepflegten Voloseminar und an jeder Journalistenschule: Medien und ihre Macher müssen im sozialen Netz vertreten sein und vor allem natürlich beim alles dominierenden Facebook. Und man weiß auch, dass das ja ganz einfach geht. Man legt eine Seite an und man kommuniziert dort ein bisschen mit den Lesern und alles wird gut. Blöd nur, dass Facebook da nicht mitspielt. Wie eine Seite zu heißen hat, was man mit den Usern macht, das entscheidet erst einmal Facebook, der eigentliche Seitenbetreiber hat da nur ein kleines Stück weit mitzureden. Grotesk? Nein. Frag nach bei der „Süddeutschen Zeitung“…

Der Chefredakteur von süddeutsche.de, Stefan Plöchinger, gehört zu denen, denen mal auf keinen Fall ein hohes Maß an Affinität und Verständnis für soziale Netze absprechen würde. Inzwischen fehlt es Plöchinger allerdings an diesem Verständnis, zumindest im Falle Facebook. Dort ist die SZ schon seit geraumer Zeit vertreten. Zunächst firmierte sie – weil die Onlineredaktion damals die Seite ins Leben rief – als „sueddeutsche.de“. Für den Anfang war das auch in Ordnung so, doch dann stellten sich der SZ ein paar Fragen, die sich anderen wahrscheinlich auch gestellt haben (oder noch stellen werden):  Nennt wirklich jemand die „Süddeutsche“ im täglichen Leben „süddeutsche.de“? Oder nennt er sie nicht doch eher „Süddeutsche“ oder einfach nur SZ? Plöchinger jedenfalls bemerkte, dass es „vielleicht kein glücklicher Einfall“ gewesen sei, die Facebook-Seite so zu benennen. Zudem hatte zwischenzeitlich noch ein Leser eine inoffizielle Seite mit dem Namen „Süddeutsche Zeitung“ gegründet und Facebook hatte sicherheitshalber auch noch eine angelegt. Verwirrung also, ein unglücklicher Name der offiziellen Seite noch dazu – keine schöne Social-Media-Bilanz. Aber weil man Fehler ja korrigieren kann, beantragte Plöchinger zum Jahreswechsel bei Facebook eine Umbenennung der offiziellen Seite. Eine Umbenennung auf den Namen, den das ganze Blatt trägt: Süddeutsche Zeitung.

Erstes Kuriosum dabei: Die „Süddeutsche Zeitung“ kann nicht mal eben die Umbenennung ihrer Seite vornehmen. Das muss sie (und müssen alle anderen auch) bei Facebook förmlich beantragen. Im Falle der SZ lehnte Facebook die Umbenennung ab. Über die Begründung des Konzerns staunt Plöchinger jetzt noch: Es könne ja schließlich sein, dass jemand zwar süddeutsche.de möge, nicht aber die „Süddeutsche Zeitung“, weswegen ihm nicht zuzumuten sei, neben der Online-Ausgabe auch die Zeitung zu mögen. Paradox, aber nicht zu ändern.

Der doppelte Universalcode

Auch „Universalcode“ gibt es doppelt bei Facebook. Etwas andere Ausgangslage als bei der SZ, aber ein ähnliches Ergebnis: Als die ersten Planungen für das Buch begannen, war nicht mal im Ansatz klar, dass dieses Buch später mal „Universalcode“ heißen würde. Also nannten wir es – zugegeben sehr ungelenk – „Neues Huch für neue Journalisten.“ Als wir umbenennen wollten, kam das Facebook-Regularium dazwischen. Seiten mit mehr als 100 Fans kann man nicht einfach umbenennen. Wir hätten also alle Fans der Seite bitten müssen, zu einer neuen Seite umzuziehen. Weil aber wiederum kein Mensch auf die Idee käme, bei Facebook unter „Ein neues Buch für neue Journalisten“ zu suchen, gibt es inzwischen noch eine zweite Seite namens „Universalcode“. Die Lösung ist so wie bei der SZ auch: Auf beiden Seiten finden Nutzer identische Inhalte.

 

Immerhin, Facebook gestand der SZ zu, die von einem Leser-Fan gegründete Seite zu übernehmen, weil ja schließlich unbestreitbar war, dass die echte SZ auch den Anspruch auf den Markennamen hat. Plöchinger insistierte allerdings, man wolle schon Kontakt zu dem Mann aufnehmen, ihn möglicherweise sogar bitten, die Seite weiterzumachen. Das kam zwar nicht zustande, dafür aber wurde dem bis dato namentlich unbekannten Leser einfach die Seite genommen und an die SZ abgetreten. Jetzt steht die SZ vor der grotesken Situation, im Besitz von zwei Seiten zu sein, beide gehören ihr, beide werden aktuell mit identischen Inhalten bespielt, obwohl es sich ja letztlich um den Inhalt aus einem Haus, aus einer Zeitung handelt.

Eine Groteske, ganz gewiss. Eine zudem, die für viele Redaktionen in ähnlicher Lage die Frage aufwirft: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Comments 1
  • Die Begründung auf süddeutsche.de liest sich für mich so als wäre das Problem einfach zu lösen gewesen. In den Seiten-Titel hätte einfach nur „Süddeutsche Zeitung“ geschrieben werden müssen. Nicht in den Banner. ( http://www.sueddeutsche.de/kolumne/social-media-groteske-wieso-die-sz-ploetzlich-doppelt-auf-facebook-ist-1.1272331)

    Warum das die SZ nicht macht, ist mir nicht erklärlich. Vermutlich wäre das aus SEO Gründen sogar besser, Weil wenn die Menschen Süddeutsche Zeitung im Internet suchen, wäre es auch nicht schlecht im Seitentitel Süddeutsche Zeitung stehen zu haben.

    Die Probleme bei Facebook sehe ich auch nicht, weil auch hier schon bei der Eingabe von „Süddeutsche“ die bisherige Seite vorgeschlagen wurde. Die meisten Fans werden ohnehin durch Userinteraktionen generiert.

    Ich vermute hinter der Aktion eher eine Werbeaktion. Wenn viele Menschen in kurzer Zeit Fan werden, könnte das einen besseren Schneeballeffekt auslösen. Inaktive Fans könnten durch die Aktion wieder aktiviert werden.

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