Aktuell 23. Januar 2019

Audios: Auf dem Weg zum Massenmarkt

by Christian Jakubetz

Smartspeaker, Podcasts, Sprachsteuerung: Das Thema Audios ist dabei, zu einem der bestimmendem im Medienjahr 2019 zu werden. Möglicherweise sind die Auswirkungen auf den digitalen Journalismus viel größer, als wir bisher glauben.

Das Reuters Institute zeigt sich bei seinem Ausblick für 2019 sicher: Audios werden ein großes Thema in diesem Jahr. Auf drei verschiedenen Ebenen:

  • Podcasts
  • Smartspeaker
  • Sprachsteuerung/KI

Über 100 Millionen Geräte, in denen Amazons „Alexa“ installiert ist, gibt es mittlerweile weltweit. Bei der Konkurrenz von Google dürfte es nicht sehr viel weniger sein und wenn man dann noch Apples Homepod dazu nimmt, dann kommt man schnell auf eine dreistellige Millionensumme. Man könnte es auch anders formulieren: Smartspeaker sind, ob man sie mag oder nicht, auf dem Weg zum Massenmarkt.

Dazu kommt: Immer mehr Geräte funktionieren mit Sprachsteuerungen, die ständig besser werden. Journalistischer Inhalt wird zunehmend mehr gehört statt gelesen. Und: Digitale Technik macht es möglich, dass die Grenzen zwischen Text und Audio und den verschiedenen Geräten aufgehoben wird. Wer jemals eine Text-to-Speech-Nachricht verfasst hat, weiß im Groben, was das heißen könnte.

Smartspeaker: Wenig wirklich gute Angebote

Deutsche Medienunternehmen (ich schrieb es bereits) sind auf dem besten Weg, mal wieder langsamer als die eigenen Kunden zu sein. Die nämlich verwenden die schlauen Speaker schon seit geraumer Zeit wie selbstverständlich. Gemessen daran ist die Zahl der überzeugenden Skills deutscher Redaktionen überschaubar groß. Die meisten von ihnen sind einfache mp3-Files. Manche lesen Schlagzeilen vor und brechen mittendrin ab, andere sind von sehr überschaubarem Neuigkeits- und Mehrwert. Unübersehbar, dass sich in deutschen Häusern bisher nur wenig mit dem Thema „Smartspeaker“ beschäftigt wird.

In den USA – und dort wiederum Google – ist man weiter. Der Tech-Gigant arbeitet gerade an einer Plattform für kuratierte Audio-News. Ein Google News für Smartspeaker sozusagen (mehr dazu: hier).

Woran es auch in Deutschland mangelt: Durchsuchbarkeit, Auffindbarkeit, Interaktion. Würde jemand hier ansetzen, er könnte erfolgreich sein. Solange Audios weiter nur ein eindimensionales File sind, das man abspielen kann, nutzt man die Möglichkeiten eines Smartspeakers nicht aus.

Podcasts: Deutsche Medien holen langsam auf

Beim Thema Podcasts haben deutsche Redaktionen in den letzten zwei Jahren spürbar aufgeholt. „Spiegel“, SZ, „Zeit“, die ganzen großen Marken setzen inzwischen auf Podcasts. Sie sind im Regelfall mehr als das Anteasern von Themen aus dem Blatt. Der Trend, den insbesondere Zeitungen aus den USA und Großbritannien vorgegeben haben, folgen auch sie: mehr klassische Tages-Aktualität. Podcasts als Morgen-Briefing, als Einstieg in den Tag. Oder auch als Tageszusammenfassung. Podcasts, die damit auch in unmittelbare Konkurrenz zum klassischen Radio treten. Vorbild: „The Daily“ (New York Times).

Auch Regionazeitungen wie beispielsweise die „Schwäbische Zeitung“ haben den Podcast als journalistisch relevantes Format erkannt. Trotzdem, bei Regional-Blättern sind Podcasts immer noch eine Minderheit. Die „Rheinische Post“, die „Schwäbische Zeitung“, der SHZ sind einige Beispiele.

Radiosender – wenig überraschend – haben den Podcast schon lange als einen Kanal für Audio-Inhalte entdeckt. Auch hier gibt es zunehmend Formate, die eigens als Podcast produziert werden. Dass man Radio-Sendungen als Podcast nachhören kann, ist ohnedies schon lange Standard.

Audios für alle Kanäle

Audios haben einen weiteren Vorteil: Aufgrund ihrer geringen Datenmenge und der überschaubar wenigen Formate können sie auf nahezu allen Geräten in allen möglichen Formen und Formaten verteilt werden. Smartspeaker, Smartphones, Computer.

Es gibt Distributionsplattformen wie iTunes, Soundcloud, Google Play. Man kann sie als Podcasts anbieten oder als Standalone-File für Messenger wie WhatsApp.

Erstaunlich, dass diese vielfältigen Möglichkeiten immer noch vergleichsweise wenig genutzt werden. Einen interessanten Ansatz verfolgt neuerdings der NDR, der mit seiner „Nachrichtenlage am Morgen“ ein multikanaliges Info-Format entwickelt hat. Es kann über alle populären Kanäle bezogen werden und trägt auch der Tatsache Rechnung, dass solche Nachrichten zunehmend mehr mobil auf dem Smartphone genutzt werden.

What‘s next? Trends für 2019

Einfachere und bessere Suche: Die Sprachsuche nach Kinoprogrammen oder Prominenten-Geburtstagen funktioniert schon gut. Grund: Die Daten sind sowohl im Umfang begrenzt als auch gut strukturiert.

Die Nachrichtensuche ist ein viel größeres Problem. Die Plattformen wollen, dass die Publisher lesbare Inhaltsausschnitte erstellen, die aktuelle Fragen beantworten. Es ist deshalb zu erwarten, dass Plattformen die Publisher dazu bringen, eine neue Metadatenspezifikation namens „speakable schema“ zu verwenden. Das sollte zu einer viel besseren Sprachsuche im Jahr 2019 führen, bei der es möglich sein wird, Antworten auf Fragen wie „Was ist Brexit?“ und „Was ist das Neueste vom Brexit?“ zu erhalten.

Inhalte über Geräte hinweg: Spracheingaben mit Smartphoneausgaben kombinieren – und umgekehrt. Das geht jetzt schon und dürfte sich verstärken. Beispiel: mit dem Smartspeaker nach dem Kinoprogramm fragen, um dann die Buchung durch eine Nachricht an das Handy abzuschließen. Ebenso kann man möglicherweise Artikel speichern und dann den Speaker bitten, ihn vorzulesen.

(Fotos auf dieser Seite:pixabay.com)


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