Digitales Leben, Medienwandel 13. April 2018

Paid Content: Jubel auf niedrigem Niveau

by Christian Jakubetz

Inhalte im Netz gegen Geld verkaufen – das bleibt ein zweischneidiges Schwert. Eine neue Studie belegt: Ein eindeutiger Trend lässt sich nach wie vor nicht erkennen. Skeptiker wie Optimisten dürften sich in den neuesten Zahlen gleichermaßen bestätigt fühlen.

Paid Content

Noch bis vor wenigen Jahren musste man kein Skeptiker zu sein, um an eine große Zukunft für Paid Content nicht zu glauben. Zu groß die Auswahl kostenloser Inhalte, zu komplex die Bezahlvorgänge: Nur zwei von vielen Argumenten, die gegen Bezahlinhalte im Netz sprachen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Bezahlen für Journalismus im Netz ist zunehmend akzeptiert.

Die neuen Zahlen des DCI-Institute klingen erst einmal beeindruckend: Zwischen 9 und 10 Millionen Menschen haben in Deutschland im vergangenen Jahr für „Content“ bezahlt. Dabei wurden rund zwei Milliarden Euro für digitale Inhalte ausgegeben. Und: 85 Prozent sind mit ihren „Kauferfahrungen“ zufrieden. So weit, so relativ. Denn auf der anderen Seite stehen diese Zahlen:

  • Nur 15 Prozent aller User haben Geld für journalistische Inhalte ausgegeben. Die weit überwiegende Mehrheit tut es also nicht.
  • Unter den zehn erfolgreichsten Anbietern sind mit „Spiegel Online“ und „Bild.de“ nur zwei Journalismus-Angebote.
  • Klassische „News“ machen nur gut 15 Prozent dieser Umsätze aus.

Auf der anderen Seite ließe sich dagegen halten, dass es vermutlich unfair ist, Anbieter wie „Netflix“ und Journalismus-Angebote in einen Topf zu schmeißen. Man vergleicht ja auch nicht Kinoumsätze mit denen eines Verlags. Und wenn man es machen würde, wäre es weitgehend sinnlos.

Der Mini-Boom für Paid Content: schon wieder vorbei?

Allerdings: Der Mini-Boom des Jahres 2016 scheint schon wieder vorbei zu sein. Die Zahl der Kunden für Paid Content ist 2017 leicht zurückgegangen. Auch für 2018 prophezeien die ansonsten optimistischen Studienmacher keine spürbare Veränderung. Bestenfalls also Stagnation – Durchbruch geht anders. Möglich, dass ein gewisses Potential für solche Inhalte erst einmal ausgeschöpft ist.

Interessant auch: Irgendwas machen die Anbieter von Paid-Content-Nachrichten wohl verkehrt. Nicht nur, dass in diesem Segment die geringste Zahlungsbereitschaft anzutreffen ist. Zudem sind hier so viele User unzufrieden wie sonst nirgends:

Einen Grund für diese Unzufriedenheit nennt die Studie leider nicht. Trotzdem: Wenn fast 10 Prozent der Käufer unzufrieden sind, wäre es interessant zu wissen warum.

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