Aktuell 19. April 2017

Mastodon: Ein neuer Star oder der jährliche Hype?

by Christian Jakubetz

Ein bisher nahezu unbekanntes soziales Netzwerk entfacht gerade einen kleinen Hype: „Mastodon“ wird bereits als Twitter-Killer gehandelt. Wie realistisch das ist, was das neue Netzwerk kann und warum man sich dort aktuell gar nicht anmelden kann…

 

Mastodon Logo
Neuer Hype: Mastodon gilt gerade als ein kommendes neues Netzwerk.

Mit einem kleinen Hang zur Ironie gesegnet würde man sagen: Einmal im Jahr gibt es ein neues soziales Netzwerk, das alles besser machen soll. Eines, das sauberer, schöner, weniger kommerziell, unabhängig ist. Nicht zu den Großkonzernen gehören soll. Und, natürlich: kein Datensauger und keine Dreckschleuder. Mal sieht es aus wie ein neues Facebook, dann wieder wie ein neues Twitter. „Path“ warb damit, dass der Freundeskreis auf 150 beschränkt sei, „Ello“ wiederum wollte ein Facebook in gut sein. Beide sind übrigens, so viel zum Thema Netzwerkeffekt, mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, aus der sie zuvor so blitzartig aufgetaucht waren. Kurz gesagt: Sieht man von Snapchat ab, hat es kein Netzwerk in den letzten Jahren geschafft, eine ernsthafte Konkurrenz für Facebook (mit seinen Ablegern) und Twitter zu werden. Entweder untergehen oder aufgekauft werden, großartig andere Alternativen hat es bisher kaum gegeben.

Der alte Traum vom „guten“ Netzwerk

Der nächste Hype entsteht gerade um ein Netzwerk, das in Deutschland, genauer gesagt in Jena entwickelt wurde. Die Selbstbeschreibung des Netzwerks Mastodon: „Mastodon ist ein freier, quelloffener soziales Netzwerkserver. Als dezentralisierte Alternative zu kommerziellen Plattformen verhindert es die Risiken, die entstehen, wenn eine einzelne Firma deine Kommunikation monopolisiert. Jeder kann Mastodon verwenden und ganz einfach am sozialen Netzwerk teilnehmen.“ Ein Twitter in gut und in etwas ausführlicher sozusagen. Ohne Anzeigen und ohne Tracking. Weswegen es kein Wunder ist, dass im Zusammenhang mit Mastodon gerne darüber gesprochen wird, dass mit diesem Twitter ohnehin nix mehr vorwärts gehe und „Mastodon“ zu einer Alternative werden könnte.

Das mag möglich sein. Ein paar Dinge sollte man aber nicht unterschätzen, wenn es um die Zukunft von Twitter geht. Erstens: Twitter ist fest in der Web-DNA verankert. Twitter ist so sehr eine eigene Marke geworden wie Tempo oder Nutella. Twitter wird auch von großen, analogen Medien regelmäßig ins Geschäft eingebunden. Und selbst wenn Twitter wirklich irgendwann mal das Geld ausgehen sollte, es dürften genügend große Käufer dastehen, die vielleicht kein Geld damit verdienen müssen, wohl aber von einem der bekanntesten Namen der Netzwelt profitieren wollen.

Dazu kommt: Twitter ist international und weltumspannend. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch „Mastodon“ dies einmal werden könnte. Aber es macht die Position von Twitter natürlich deutlich stärker, wenn man sich als ein weltumspannendes Netzwerk präsentieren kann.

Wer trotzdem Lust hat, „Mastodon“ einmal selbst zu testen, wird sich allerdings gedulden müssen. Über den eigenen Server sind momentan keine Neuanmeldungen möglich. Grund, wenig überraschend: zu viel Andrang.

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