Aktuell 12. April 2017

Mobile für den persönlichen Assistenten

by Christian Jakubetz

Bei neun der zehn größten deutschen Nachrichtenseiten dominiert inzwischen die mobile Nutzung. Kein Wunder: Das ist nur der Beginn einer Entwicklung, an deren Ende ein ganz anderes Selbstverständnis von Journalismus stehen dürfte…

Irgendetwas läuft schief, wenn sich Redaktionen heute noch nahezu ausschließlich über ihre Webseite unterhalten. Zumindest dann, wenn es um die klassische Variante dieser Seite geht. Tatsächlich nämlich führt im Jahr 2017 kein Weg mehr an der Erkenntnis vorbei: Journalismus, speziell dann, wenn es um nachrichtengetriebene Seiten geht, ist hauptsächlich eine Sache für mobile Plattformen. Und da, wenig überraschend, in erster Linie für Smartphones.

Infografik: So mobil sind Nachrichten | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wirft man einen Blick auf die Verteilung der Mobilanteile bei den größten deutschen Nachrichtenseiten, dann fällt auf: Je mehr es um klassische Nachrichten geht, desto höher ist der Anteil der mobilen Nutzung. Bei Seiten, die sich auch über Hintergrundstücke, Analysen, Kommentare und zudem viele multimediale Elemente definieren, sinkt dieser Anteil. Unter Deutschlands größten Webseiten ist der Mobil-Anteil bei der „Süddeutschen Zeitung“am niedrigsten. Aber selbst da macht die mobile Nutzung nahezu die Hälfte der täglichen Visits aus (49 Prozent). Ähnlich ist die Verteilung bei „Zeit Online“ (50 Prozent) und der FAZ (51 Prozent mobile Nutzung).

Warum Mobile wichtiger als alles andere ist

Hinter diesen Statistiken steckt allerdings mehr als nur reine Zahlenspielerei. Vielmehr verdeutlichen sie, wohin die Reise in der Mediennutzung geht. Und auch das ist nicht einfach nur eine Frage des Endgeräts. Es geht stattdessen darum, wie Menschen jetzt und in Zukunft kommunizieren und Medien nutzen wollen.

Mobile PDA
Der Vorläufer: PDA´s haben die selbe Idee verfolgt wie heute das Smartphone. (Foto: Stefano Palazzo/CC BY-SA3.0)

Klar ist: Mobilität und Individualität hängen eng zusammen. Smartphones sind mittlerweile das, was man uns Anfang der Nuller-Jahre als PDA verkaufen wollte. Digitale und individuelle Assistenten, 24 Stunden am Tag verfügbar, immer online, ständig auf die eigenen Wünsche konfigurierbar. Ein solcher „Assistent“ ist im täglichen Leben längst zum wichtigsten Ansprechpartner geworden. Zu einem Ding, mit dem man buchstäblich morgens aufsteht und abends ins Bett geht. Nirgendwo werden Menschen verlässlicher erreicht als dort. Und nirgendwo erwarten User umgekehrt mehr en Angebot an umfassenden Nachrichten auf allen denkbaren Kanälen. Zwar zählen auch Tablets zu den mobilen Endgeräten, de facto aber spielen sie nur eine untergeordnete Rolle. Schon alleine deshalb, weil sie gar nicht so mobil sind, wie es ihr Name vorgibt.

Das bedeutet: Allererste Info- und Kommunikationsquelle des digitalen Menschen ist sein Smartphone. Was umgekehrt bedeutet, dass Journalismus immer mobil konsumierbar sein muss. Es ist also vermutlich ein Trugschluss, wenn man davon spricht, eine Webseite mobil optimieren zu wollen. Tatsächlich müsste es eher umgekehrt sein: Mobiler Inhalt, den man dann auch noch für eine „normale“ Webseite optimiert.
Zumal es bei dem Thema auch einen engen Zusammenhang mit Sozialen Netzwerken gibt. Schließlich ist mittlerweile zumindest statistisch nahezu jeder Erwachsene Mitglied in irgendeinem Netzwerk. Information muss also auch primär dorthin. Weil sich Menschen dort verlässlich treffen und weil es (zumindest meistens) auch ein sehr guter Platz ist, um Dinge zu diskutieren. Nirgendwo können sich Journalisten und Nutzer besser austauschen als in sozialen Netzwerken. Aber auch in sozialen Netzwerken ist der Trend unverkennbar: Die mobile Nutzung dominiert. Aus vielen nachvollziehbaren Gründen. Einer davon ist, dass soziale Netzwerke immer auch Echtzeit-Momentaufnahmen des eigenen Lebens sind. Und wie konnte man die anders und besser machen als mit einem Gerät, das man ohnehin immer bei sich trägt?
Personalisiert, mobil und sozial: Anders ist Journalismus kaum mehr vorstellbar; alles andere wird in Zukunft eher in die Nische rutschen.
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