Digitales Leben, Medienwandel 7. April 2017

Die Vertrauenskrise – schon wieder vorbei?

by Christian Jakubetz

Zahlen und Statistiken, das ist eine relative Geschichte. Und wenn es dann auch noch um Prozente geht – dann kann man als Nicht-Mathematiker schon mal die Frage stellen: Ist das jetzt viel oder doch eher wenig? Genauso verhält es sich mit neuen Zahlen zum Thema „Vertrauen in Medien“. Die Uni Würzburg legt nahe, dass die Vertrauenskrise der Medien schon wieder vorbei sei. Das aber lässt sich leicht bezweifeln…

Vertrauenskrise
TV und Radio schaffen es auf die beste Vertrauenswerte, auch gedruckte Presse wird von den meisten als vertrauenswürdig bezeichnet. Sagt zumindest eine neue Studie der Uni Würzburg…(Foto: Jakubetz)

Deshalb erstmal die nackten Zahlen. Im Jahr 2016 ist das Vertrauen in Medien demnach sprunghaft gestiegen. Was verwunderlich ist, weil man zum einen gefühlt den Eindruck hat, dass es angesichts einer satten Vertrauenskrise eher immer weniger wird. Und schließlich gibt es auch Studien, die ziemlich genau das Gegenteil behaupten. Aber gut, zumindest den Erkenntnissen der Uni Würzburg zufolge ist es im zurückliegenden Jahr nach oben gegangen, „Sprunghaft“ sogar, wie die Uni die Ergebnisse ihrer Untersuchung kommentiert. Der gedruckten Presse vertrauen demnach fast 57 Prozent der Deutschen. Radio und Fernsehen bringen es sogar auf knapp 68 Prozent. Das würde bei den Printerzeugnissen einen satten Anstieg von exakt zehn Prozentpunkten im Versuch zum Jahr 2015 ausmachen. Und auch Radio und TV bringen es auf eine Steigerung von rund sieben Prozentpunkten.

Infografik: Medienvertrauen steigt 2016 sprunghaft | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ende der Vertrauenskrise also? Das kann man jetzt erst einmal so hinnehmen, auch wenn die Frage nach den Gründen für diesen rapiden Zuwachs interessant wäre. Diese Gründe haben die Macher der Studie allerdings nicht abgefragt, weswegen sie selbst nur eine ausgesprochen vage Antwort geben: „Offenbar gelang es den Medien zuletzt immer besser, dem von rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen vertretenen Eindruck entgegen zu treten, ihre Berichterstattung sei politisch gefärbt und von oben gesteuert. Der öffentliche Diskurs über die Arbeit und Bedeutung der Medien hat wohl dazu beigetragen, deren Relevanz und das in sie gesetzte Vertrauen zu steigern.“

Nebenbei bemerkt: ziemlich schade, dass es bei derart luftigen Formulierungen bleibt. Da hätten sich eine Menge Journalisten vermutlich sehr gefreut, wenn man ihnen gesagt hätte, was genau sie nun so richtig gemacht haben, dass das Vertrauen massiv wächst. Wäre eine schöne Blaupause für die Zukunft gewesen…

Schwange Fragen, vage Antworten…

Weiterer Kritikpunkt: Die Fragestellung ist vermutlich zu schwammig, um ernsthafte Rückschlüsse daraus ziehen zu können. Wenn man beispielsweise nach „der Presse“ fragt, dann würde man Regenbogenpresse und die „Zeit“, die SZ oder den „Spiegel“ in einen Topf werfen. Ebenso bei Radio und TV: Wie aussagekräftig ist es, wenn man in das Vertrauen von so unterschiedlichen Sendern wie beispielsweise der ARD und RTL II fragt. Kaum vorstellbar, dass jemand beiden Sendern gleichviel Vertrauen entgegen bringt.

Und natürlich bleibt auch eine andere Frage wieder offen: Ist das jetzt alles viel oder wenig? Immerhin würden diese Zahlen, ihre Richtigkeit vorausgesetzt, ja auch aussagen, dass beispielsweise rund 45 Prozent der Deutschen gedruckten Zeitungen nicht trauen. Und auch der Wert von Radio und Fernsehen sorgt für den Umkehrschluss, dass ein Drittel der Deutschen beidem eher misstraut.

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