Aktuell 22. März 2017

Bragi – der kleine Mann im Ohr

by Christian Jakubetz

So viel Audio im Netz war noch nie – kein Wunder, dass sich auch beim Thema Kopfhörer so einiges tut. Apple war mit seinen kabellosen EarPods Vorreiter. Das Münchner StartUp Bragi hat jetzt mit seinen Headphones einen mindestens ebenbürtigen Konkurrenten an den Start gebracht.

Bragi Headphones
Komplett kabellos: Bragi Headphones.

Im vergangenen Jahr sorgte Bragi mit seinen „The Dash“ genannten Kopfhörern für Aufsehen. Komplett drahtlos und mit etlichen Gimmicks, die es eigentlich unmöglich machten, nur noch von Kopfhörern zu sprechen. 300 Euro waren (und sind) dafür allerdings auch ein sehr stolzer Preis. Im Gegensatz zu den überladenen „Dash“-Modellen hat Bragi bei den neuen „Headphones“ deutlich abgespeckt, meistens ist das sogar ziemlich vorteilhaft. Die Bluetooth-Verbindungen halten jetzt ordentlich stabil, die Bedienung ist ohne die Gestensteuerung einfacher geworden. Daneben haben die Headphones vieles nicht mehr, was User möglicherweise von den „Dash“-Modellen abgehalten hat. Keinen eingebauten Speicher mehr und als Fitness-Tracker lassen sich die Headphones auch nicht mehr verwenden. Kurz gesagt: Die Headphones sind das, etwas sie sein sollen. Nämlich Kopfhörer. Ob man tatsächlich Kopfhörer auch als (W)Earables braucht, sei dahin gestellt. Jedenfalls ist es ein halbwegs intelligenter Schachzug des Münchner Start-Ups, jetzt auch einfach gute und vor allem kabellose Kopfhörer anzubieten. Vor allem auch deshalb, weil sie preislich deutlich unter den Dash-Modellen liegen.

Tatsächlich ist das ein auffälliger Trend momentan: Seit Apple die Kopfhörer-Buchse beim iPhone 7 eliminiert hat, erleben kabellose Kopfhörer einen echten Boom. Wobei kabellos nicht gleich kabellos ist: Die meisten Modelle haben noch eine Verbindung zwischen den beiden Ohr-Teilen, die meistens irgendwo im Nacken verstaut wird. Ganz ohne jegliche Kabel kommen immer noch die wenigsten Modelle aus.

Das Verschwinden der Kabel hat aber gerade bei Kopfhörern echte Vorteile. Zum Beispiel einen ganz profan technischen: Kabel sind die empfindlichste Stelle und brechen gerne mal. Das ist bei 30-Euro-Modellen nicht so schlimm. Hat man es dagegen mit richtig teuren Kopfhörern zu tun, ist so ein Kabelbruch schon sehr ärgerlich.

Davon abgesehen: Kabel am Körper, das nervt. Nachdem sich das Thema Bluetooth flächendeckend durchgesetzt hat und auch ordentlich funktioniert, spricht eigentlich so gut wie nichts mehr für Kabel.

Die Handhabung

Die Headphones sind denkbar einfach zu handhaben: Sie verbinden sich schnell und zuverlässig (hier getestete Smartphones: iPhone 6, iPhone 7 und Samsung Galaxy 7). Die Steuerung erfolgt über drei kleine Knöpfe auf der rechten Seite; auch sie ist einfach, intuitiv und zuverlässig. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob man Gestensteuerung oder doch die guten, alten Knöpfe besser findet. Die Gestensteuerung ist gelegentlich verwirrend und führt auch mal zu unerwünschten Resultaten. Bei den Knöpfen kann es gerade zu Anfang schon mal passieren, dass man versehentlich zu fest zudrückt. Reine Geschmackssache also.

Telefonieren lässt sich mit den Headphones natürlich auch. Allerdings: Das Mikro ist nur so mittelgut. Für übermäßig lange Gespräche würde sich dann allerdings doch eine andere Lösung empfehlen.

Dafür ist der Klang der Headphones gut. Gemessen an den irgendwie daherscheppernden EarPods von Apple sogar richtig gut. Was man allerdings bei Kopfhörern für 169 Euro auch erwarten darf. Wer es übrigens gerne lauter und mit etwas mehr Bässen mag: Damit können die Headphones eher nicht dienen. Aber Klang ist ja bekanntlich immer auch Geschmackssache…

Allerdings: Bei dem Preis hätte man sich auch ein Case gewünscht, dass die Kopfhörer auflädt. Bei „The Dash“ ist das auch der Fall; bei den Headphones nicht. Laden lassen sie sich nur auf die konventionelle Art.

Fortschritte hat dagegen die Akku-Laufzeit gemacht. Man kommt jetzt auf irgendwas zwischen fünf und sechs Stunden mit einer Ladung; das ist zumindest ordentlich. Kleiner Tipp für Einsteiger übrigens: Die Headphones schalten sich nicht von alleine ab, wenn man sie aus den Ohren nimmt.

Fazit: Totally Wireless dürfte die Technologie der Zukunft sein. Gerade angesichts der steigenden Bedeutung von Audios im Netz trifft es sich gut, wenn es jetzt auch Kopfhörer gibt, mit denen man gerne und komfortabel hört. Auch nach ein paar Stunden fühlen sich die Headphones noch gut an. Wer viel unterwegs ist, komfortabel und dennoch mit ansprechendem Sound hören will, ist mit den Headphones gut beraten.

Bragi, The Headphones, 169 Euro, direkt beim Händler.

Comments 1
  • Da ich selber User bin kann ich das gelesene nur unterschreiben. Das mit dem nicht aufladbaren Case stört im Alltag nicht, da die Akkuzeit wirklich ausreichend ist mit bis zu 6 Stunden.

    Am besten gefällt mir, dass es wirklich noch Knöpfe hat. An das Apple Konzept, alles sprachgesteuert zu machen, egal ob Titelsprung oder Lautstärke, kann ich mich nicht wirklich gewöhnen.

    Es ist eine simple Lösung und wer sich einmal daran gewöhnt hat, der wird schwer wieder zu Kabelkopfhörern zurück können.

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