Digitales Leben 29. Januar 2017

Im Test: Nikon Key Mission 360 Grad

by Christian Jakubetz

 360 Grad – selbst für Journalisten, die auch mal dahin gehen, wo es weh tun könnte? Mit der Nikon Key Mission 360 hat der Kamera-Hersteller gerade ein neues Segment erschlossen. Eine für Journalisten interessante Kamera, die allerdings aktuell noch eine gravierende Schwäche hat…

Ein kleiner Würfel, leicht, kompakt, ein paar Knöpfe – und das war es dann auch schon. Die Nikon will mitgenommen werden und es zudem seinem User so leicht wie möglich machen. Zudem soll sie so robust sein, dass sie buchstäblich auch unter extremen Bedingungen funktioniert. Das haut auch gut hin, die Kamera ist stabil, leicht zu handhaben und liefert am Ende zumindest sehr ordentliche Bilder.

Das Handling der Nikon Key Mission 360

Nikon Key Mission 360
Kompakt, günstig, robust – aber nur bedingt High-End-tauglich: die Nikon key Mission 360. (Foto: Nikon)

An der Key Mission gibt es nicht viel zu erklären. Man schaltet sie mit einem Button ein, ein weiterer ist für Videos da, ein letzter schließlich für Fotos. Zwei Knöpfe für drei Funktionen also; da hält sich das Verwirrungspotential in Grenzen. Die Kamera selbst hat kein Display, man kann sie aber via App mit einem mobilen Device koppeln (sofern die App funktioniert, aber dazu später mehr). Wer sie als Action-Cam einsetzen will, wird sie irgendwo befestigen und dann nicht genau sehen, was er da eigentlich dreht bzw. fotografiert. Ansonsten: Auf ein kleines oder auch größeres Stativ aufsetzen und dann via App bedienen. Das Stativ-Gewinde der Kamera ist das handelsübliche; man braucht also kein spezielles Zubehör. Mitgeliefert werden ein Silikonschutz und zwei verschiedene Objektivschützer (einer davon für Unterwasser-Aufnahmen).

Nicht wundern, wenn man bei Unterwasser-Aufnahmen schwarze Balken im Bild hat. Man kann unter Wasser keinen kompletten 360 Grad-Inhalt aufnehmen, da Bilder im Gegenteil zu Aufnahmen an Land vergrößert werden. Ansonsten hält die Kamera (angeblich, nicht selbst getestet) Stürze aus einer Höhe von bis zu zwei Metern aus und Luft bis zu Temperaturen von – 10 Grad. Unter Wasser schafft sie ohne zusätzliches Gehäuse eine Tiefe von 30 Metern für eine Stunde. Allerdings garantiert Nikon vernünftige Bilder nur bis einer Tiefe von 20 Metern, was aber mehr mit Physik als mit der Kamera zu tun hat.

Die Bildqualität

Nikon verspricht 4 K und UHD. Die Kamera bietet eine Auflösung von 23,9 Megapixel, die Objektive haben eine Brennweite von 8,7 mm. Soweit die Theorie. In der Praxis lassen sich bei genauerem Hinschauen leider immer wieder mal störendes Bildrauschen und gewisse Unschärfen feststellen. Mit den Qualitäten einer guten Spiegelreflex oder auch eines sehr guten Snartphones kommt die Nikon leider nicht ganz mit; immerhin aber liefert sie wiederum deutlich bessere Bilder ab als die Rico Theta S. Vermutlich kann man allerdings bei einem Preis von 500 Euro nicht mehr erwarten, wenn man dann auch noch ein wasserdichtes, stoßfestes und aktionsfähiges Gerät erwartet.

So gesehen: Für den Preis völlig ok, wenn man aber wirklich hochwertige Bilder haben will, dann muss man generell deutlich mehr als 500 Euro ausgeben. Die Frage ist also wie immer, was man damit machen will. Auf einem 5K-Bildschirm kommen die Bilder nicht mehr so richtig gut, aber fürs Netz reichen sie allemal. Weiterer Vorteil: Die Bilder werden schon in der Kamera gestitcht.

Die App

Leider die ganz große Schwachstelle der Nikon Key Mission 360: Die App wirkt so, als hätten irgendwelche Verkaufsmanager die Entwickler gedrängt, ihre Alpha-Version rauszurücken, weil sonst der Start des gesamten Produkts ins Wanken gerät. Das Ding ist mit „unfertig“ noch ziemlich freundlich umschrieben. Komplett untauglich, das trifft es besser. Der theoretische Gedanke ist, dass die App das Smartphone zur Fernbedienung der Kamera macht. In der Praxis scheitert sie meistens schon daran, eine halbwegs stabile Verbindung aufzubauen. Da hat Nikon definitiv noch sehr, sehr großen Nachholbedarf. Und eigentlich müsste man den Laden echt mal fragen, was man sich dabei denkt, so etwas auf den Markt zu bringen.

Die Verarbeitung/Der Schnitt

Mit dem Boom von 360 Grad-Videos sind auch die Software-Hersteller vor ein paar neue Aufgaben gestellt worden. Mittlerweile lassen sich Videos mit den gängigen Programmen schneiden, manche mit Plug-In, manche auch ohne. Unser Test lief mit Adobe Premiere Pro – und der Schnitt war auch nicht komplizierter als mit „normalen“ Dateien. Die Programme sind im Regelfall auch in der Lage, die fertigen Dateien so auszugeben, dass sie später als 360-Grad-Videos erkannt und wiedergegeben werden.

Gemacht werden kann das alles auch mit der kostenlos erhältlichen Nikon Utility Software. Sie reicht zumindest für ein paar grundlegende Bearbeitung aus – wer allerdings professionell Bilder und Videos machen will, stößt damit schnell an seine Grenzen. Vorteil der Software: Sie ist exakt auf die Key Mission zugeschnitten und auch ansonsten ein ausschließliches 360-Grad-Tool. Keine Plugins oder sonstiges notwendig.

Bei Fotos gilt das gleiche: Sie lassen sich mit der mitgelieferten Software bearbeiten, mühelos aber auch mit Programmen wie Photoshop.

Das Fazit

Die Nikon Key Mission 360 markiert ein neues Segment: Sie ist eine 360-Grad-Kamera, die auch für Action-Einsätze geeignet ist. Das macht sie für alle interessant, die mehr wollen als einfach nur ein Panorama zeigen. Allerdings: Solange die App nicht stabil läuft, ist sie leider auch nur eingeschränkt zu gebrauchen. Aber man weiß ja, wie das ist: Ein, zwei Updates später läuft sowas ja dann meistens ganz passabel. Bis dahin kann man sich als Journalist ruhig noch Zeit lassen.

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