Digitales Leben 25. Januar 2017

Amazon Echo: Küchenradio mit Hirn

by Christian Jakubetz

Fast 25 Millionen „smarter“ Lautsprecher sollen dieses Jahr weltweit verkauft werden – in erster Linie also die Geräte von Amazon Echo in ihren diversen Ausprägungen sowie Google Home. Gemessen an den gerade mal rund 6 Millionen aus dem Jahr 2016 also ein enormer Sprung. Grund genug, sich dieses Gerät mal ein bisschen genauer anzuschauen.

Amazon Echo
Intelligenz im Lautsprecher: Amazon Echo – vermutlich nur der Anfang von vielen solcher Systeme. (Foto: Jakubetz)

Auch bei Amazon haben sie inzwischen gelernt, dass künstliche Verknappung ein ziemlich gutes Marketing-Instrument sein kann. Bis heute jedenfalls kann man „Echo“ und „Dot“ nur mit einer persönlichen Einladung kaufen, was ja irgendwie schon wieder lustig ist: Man dreht die Sache so hin, dass man etwas kaufen darf. Das hat zwar noch nicht zu ähnlich turbulenten Szenen geführt wie bei den Einführungen von Apple-Produkten zu deren besten Zeiten. Immerhin aber dazu, dass man in sozialen Netzwerken schon mal ankündigt, endlich eine Einladung erhalten zu haben. Die Echo-Einladung also als neue Status-Meldung, so weit ist es jetzt schon…

Wenn man dann seine Einladung genutzt hat, kann man wahlweise ein großes Gerät namens „Amazon Echo“ oder eine abgesteckte Version namens „Echo Dot“. Die Unterschiede sind in vielerlei Hinsicht spürbar. Vor allem natürlich beim Preis: Während die große Ausführung 179 Euro kostet, bekommt man die Mini-Variante schon für 59 Euro. Die Dot-Ausführung kann prinzipiell alles, was Alexa auch kann. Allerdings kann man „Echo“ durchaus auch mal als Lautsprecher verwenden. „Dot“ ist eher für die geeignet, die vor allem die smarten Eigenschaften nutzen wollen. Musik oder Hörbücher hören? Wenn man halbwegs unsensible Ohren hat, dann ja.

Was kann Amazon Echo?

„Echo“ ist ein Lautsprecher, der insgesamt sieben Mikrofone integriert hat. Das sorgt dafür, dass das Gerät Sprachkommandos aus allen möglichen Richtungen und auch aus weiterer Entfernung versteht. Damit ist man dann schon beim eigentlichen Kern der Sache: „Echo“ soll eine Art digitaler Assistent sein, der vor allem über die Sprachsteuerung bedient wird. Zwar kann man theoretisch auch die Lautstärke und andere Dinge manuell regeln, aber dann ist der eigentliche Witz an der Sache weg.

Daneben könnte man mit „Echo“ auch sein Auto auf- und zusperren, das Licht regulieren und die Heizung einstellen. Scheitert aber bisher meistens daran, dass man kein smartes Auto, keine smarte Heizung und kein smartes Licht zuhause hat. Kommt aber angeblich alles noch.

Achja, man kann auch bei Amazon einkaufen, wenn man das will.

Der Lautsprecher der großen Variante ist vergleichbar mit solchen, die man für ca. 200 Euro an Bluetooth-Speakern bekommt. Soll heißen: Um in der Küche oder im Büro etwas Musik laufen zu lassen, reicht das vollkommen aus. Eine Hifi-Anlage ersetzt man damit keineswegs. Der kleine „Dot“ scheppert ziemlich.

Wie klug ist Echo?

Schlauer als Apples Siri, das schon. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass Amazon immer noch sehr stark auf vorgefertigte Antworten bzw. Bausteine setzt. Wenn es um etwas Semantik geht (also darum, inhaltliche Zusammenhänge zu erkennen), dann stößt das Gerät schnell an Grenzen. Google ist, was die künstliche Intelligenz angeht, deutlich überlegen. Dumm nur, dass es Google in Deutschland bis auf weiteres nicht gibt und die Debatte von dem her überflüssig ist. Grundsätzlich aber erkennt „Echo“ die Spracheingaben sehr zuverlässig, auch über größere Distanzen hinweg und auch in einem Umfeld mit hörbaren Nebengeräuschen.

Was hat das mit Medien zu tun?

Amazon bietet auch sogenannten „Third Parties“ Platz auf seinem Assistenten. Soll heißen: Auch Drittanbieter können ihre Inhalte über die Lautsprecher vertreiben. In Deutschland gehören dazu u.a. die „Tagesschau“, „Spiegel Online“, die Bahn, Spotify und auch die Amazon-Tochter Audible mit ihren Hörbüchern. Wer also sein „Echo“ nach den wichtigsten Nachrichten des Tages fragt, bekommt die Antworten von einer Redaktion geliefert. Davon abgesehen: Mit den bisherigen Angeboten steht die Entwicklung zu digitalen Assistenten, die auf Sprache reagieren, ständig dazu lernen und vor allem personalisiert sind, gerade erst am Anfang. Vermutlich wäre es also keine schlechte Idee, wenn man als Journalist darüber nachdenkt, welche Formate und Inhalte dafür Sinn machen könnten. Wer einen Platz auf solchen Geräten, bekommt Zugang zu einer ganzen Menge Menschen.

Amazon Echo oder Google Home?

Das bleibt zunächst eine hypothetische Frage. Weil es Google Home in Deutschland bisher noch gar nicht gibt. Das soll sich aber angeblich im Frühjahr ändern. Einen genauen Veröffentlichungstermin gibt es für Deutschland noch nicht. Was die künstliche Intelligenz angeht, ist Google durch seine enorm großen Datenmengen im Vorteil – man kann dort immerhin die Logik und das „Wissen“ der weltweit größten Suchmaschine verwenden. Was den Preis angeht, liegt Google mit rund knapp 130 Dollar deutlich unter dem Konkurrenten von Amazon.

Eine gute Zusammenfassung der Vor- und Nachteile findet sich auch bei Business-Insider.

Comments 1
  • Christian, danke für die Infos! Hast du vor, Echo dauerhaft zu nutzen? Ich bin alles andere als ein Privatsphäre-Paranoiker, habe aber vor allem zu Zeiten von Trump Bedenken, ob es eine gute Idee ist, dass all meine Privatgespräche in Echo-Nähe möglicherweise auf US-Servern landen könnten.

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