Aktuell 24. Januar 2017

Medien 2017: Das Comeback der Homepage?

by Christian Jakubetz

Fragt man die üblichen Verdächtigen nach den Trends des Jahres 2017, fallen zuverlässig ein paar Begriffe: Chatbots. Messenger. Sprachsteuerung. Audio. Käme jemand auf die Idee, auch den Begriff „Homepage“ in die Debatte zu werfen? Vermutlich nein. Könnte aber ein Fehler sein…

Bloomberg will wieder mehr User zurück auf die eigene Homepage holen.
Bloomberg will wieder mehr User zurück auf die eigene Homepage holen.

Zugegeben, der erste Monat dieses neuen Jahres ist dann auch bald schon wieder vorbei. Und angesichts dessen, was Medien gerade mit dem frisch ins Amt eingeführten Donald Trump und seiner Administration erleben, sollte man sich vermutlich eher mit der Gegenwart als mit der Zukunft beschäftigen. Aber weil ja auch bei uns in diesem Jahr Wahlen und ein paar andere Sachen anstehen, kommt hier nochmal eine letzte Vorschau auf das, was Journalisten in diesem Jahr erwarten (es ist auch die letzte Vorschau für dieses Jahr, versprochen). Das Reuters Institute hat seine Jahresvorschau herausgegeben. Darin enthalten sind viele technologische Dinge, aber auch Begriffe, die irgendwas mit Angst und Befürchtungen zu tun haben.

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Viel Neues also, was ja auch immer mit dem bevorstehenden Ende von bestehenden Dingen zu tun hat. Die Homepage beispielsweise ist ein solcher Fall. Sie wird weitgehend totgesagt, weil die Zukunft eher irgendwas mit Social Media und Homeless Media zu tun hat. Wenn dann jemand kommt und sagt, er wolle die Homepage wieder zum Zentrum seines publizistischen Handelns machen – ist der dann hoffnungslos von vorgestern oder schon wieder Avantgarde? Bei Bloomberg jedenfalls ist die Idee bereits in die Praxis umgesetzt. Die ersten Erfahrungen sind sogar ziemlich positiv. Ist sie also gar nicht tot, die Homepage?

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Aber wie das eben so ist in diesem digitalen Journalismus: Kaum kommt ein Trend um die Ecke gebogen, gibt es auch schon jemand, der ihn für tot erklärt. Oder feststellt, dass  es auch den genau gegenteiligen Trend gibt. Während die einen also auf der einen Seite versuchen, der Homepage wieder zu mehr Bedeutung zu verhelfen, schwören die anderen 2017 auf Messenger und Chat-Bots. Die einfache Logik dahinter: Wenn nahezu jeder Smartphone-User einen Messenger hat, dann ist das zumindest potentiell ein guter Kanal, um diese User unmittelbar zu erreichen. Ob´s funktioniert? Fragen Sie doch bitte einfach 2018 nochmal nach.

Comments 7
  • Sehr geehrter Herr Jakubetz, da sind Ihnen die internen Entwicklungen im Bereich der Social-Media-Strategien in den letzten Jahren wahrscheinlich entgangen. Die Konzentration auf die eigene Website des Unternehmens ist das ständige Bestreben eines erfolgreichen Web 2.0-Auftrittes. Führende Kommunikationsexperten, wie z.B. Frau Dr. Ariane Windhorst, haben darauf schon sehr früh hingewiesen. https://goo.gl/HQimhJ
    Wahrscheinlich ist die mangelnde Anerkennung neuer Medien in ihrem Umfeld der Grund für die Nicht-Beachtung der digitalen Veränderungen. Dass daraus jetzt Angst entsteht, ist selbstverschuldet und könnte mit einer umfangreichen „Social-Media-Therapie“ (nicht nur) für ihre Branche schnell behoben werden.

    • Den Kommentar verstehe ich nicht. Diese Seite beschäftigt sich seit sechs Jahren mit den wichtigsten Entwicklungen in den digitalen Medien und naturgemäß auch mit sozialen Netzwerken. Was sollte also an uns vorbei gegangen sein? Wo steht hier etwas von Angst? Und wer ist Dr. Ariane Windhorst?

  • Seit über drei Jahren existiert der strategische Ansatz, dass die eigene Homepage als sicherer „Ankerplatz“ im Mittelpunkt aller digitalen Kommunikation steht. In damals nur von Experten beachteten Aussagen haben u.a. Prof. Thomas Pleil und Frau Dr. Ariane Windhorst auf die Bedeutung hingewiesen. Viele Social Media Manager und PR-Strategen haben darauf hin ihre Aktivitäten ausgerichtet. Heute davon zu sprechen, dass die Homepage wieder mehr an Bedeutung gewinnen sollte ist wirklich etwas zu spät.

    • Der strategische Ansatz ist schon sehr viel älter als drei Jahre. Trotzdem: Schon mal den Begriff „Homeless Media“ gehört?

      Außerdem werde ich gerade den Eindruck nicht los, als dass hier mit Name Dropping ein paar weitgehend unbekannte Namen ein kleines bisschen bekannter gemacht werden sollen. Die von Ihnen hochgelobte Frau Dr. Windhorst bspw. bringt es bei Twitter auf nicht mal hundert Follower. Und die wollen Sie uns jetzt als die Koryphäe digitaler Strategie verkaufen?

  • Uuups, jetzt wird es aber lustig!!!
    Ich freue mich, dass Sie nun erkannt haben, dass der strategische Ansatz schon deutlich älter als drei Jahre ist. Warum verkaufen Sie ihn bzw. die Homepage heute als neuen Trend? Um nichts anderes ging es in meinem ersten Kommentar.
    Beachtlich (oder bezeichnend?) dass ausgerechnet ein über die langen Jahre hinweg durchaus anerkannter Journalist plötzlich die alleinige Followerzahl auf Twitter als Qualitätsmerkmal zur Hilfe nimmt, um Menschen zu beurteilen!
    Was ist dann Donald Trump für Sie persönlich? Ihr Idol? Ihr Held! Ihr Vorbild?
    Ich weiß, ihre Branche ist extremst verzweifelt. Viele ihrer Kollegen wissen nicht, wie sie ihre Existenzberechtigung noch belegen können.
    Dies berechtigt jedoch Niemanden zu Mitteln zu greifen, die persönlich jahrelang verurteilt wurden!!!

    • Piano…Sie haben den Text ofenbar nicht richtig gelesen. Da geht es um die Idee von Bloomberg, Leute wieder vermehrt auf die Homepage zurückholen zu wollen. Das hat nichts damit zu tun, ob ich irgendwas „erkannt“ habe. Wenn Sie meine Arbeit regelmäßig verfolgen würden, wüssten Sie, dass ich die Idee von Medien als reine Zulieferer für andere schon sehr lange eher skeptisch sehe. (https://www.youtube.com/watch?v=wo2wExbyTdg). Für diese Erkenntnisse brauche ich auch nicht die von erwähnten Koryphäen. Was Ihre Bemerkung zu Twitter angeht: Natürlich sagt die Followerzahl noch nicht alles aus, aber zumindest einiges darüber, wie jemand im sozialen Netz wahrgenommen wird. Und da sprechen 80 Follower jetzt nicht gerade dafür dass jemand in der Debatte dort übermäßig relevant ist. Das sagt natürlich, da gebe ich Ihnen recht, noch nichts über dessen potentielle Qualitäten aus. Trotzdem habe ich nach wie vor große Zweifel an Ihrer Darstellung, dass „unsere Branche“ (wer soll das bitte sein?) verzweifelt ist und nun auf die Rettung von eher unbekannten Koryphäen warten muss.

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