Mobile 7. August 2016

Resi und die Frage, wie viel Spaß Nachrichten machen

by Christian Jakubetz

Machen Nachrichten Spaß? Und liest man sie lieber, wenn sie in der Form eines Chats präsentiert werden? Fragen, die Chatbots im Allgemeinen und eine neue Nachrichten-App im Besonderen aufwerfen. Erste Antwort: Kommt drauf an…

Momentan gilt das als eines der großen und heißen Themen: Nachrichten-Apps, die als eine Art Chatbot den User in ein Frage-Antwort-Spiel verwickeln. Bei dieser Form des „Dialogs“ kann der User selbst entscheiden, wie viel er zu einem bestimmten Thema wissen will. Obsolet ist damit auch das klassische Nachrichten-Deutsch. Schließlich klingt eine Unterhaltung per se anders, als wenn jemand in der „Tagesschau“ mit sonorer Stimme Nachrichten verkündet.

Das neueste (deutsche) Ding: eine App namens Resi. Sie verspricht „Nachrichten, die Spaß machen“ und befindet sich gerade in der Beta-Phase. Soll heißen, das man aktuell noch einen Einladungs-Code benötigt, um Zugang zu den Nachrichten der App zu bekommen.

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Was bietet Resi?

Nachrichten. Nur anders. Als User wird man von „Resi“ schon mal mit einem saloppen „hey“ begrüßt. Wer klassische Ressorts und die übliche Nachrichten-Sprache sucht, wird lange warten müssen. Auch die Bildsprache ist anders als wie bei gewöhnlichen News. Da tauchen Smileys und GIFs anstelle von „Symbolfotos“ auf Man ahnt also schnell:  Die App möchte vor allem junges Publikum erreichen. Eines, das mit „WhatsApp“ statt der „Tagesschau“ aufgewachsen ist. Und eines, für das das Smartphone das wichtigste Gerät überhaupt ist.

Klar ist angesichts dessen auch: „Resi“ hat seine Schwerpunkte bei den schnellen und aktuellen Nachrichten, Hintergründe, Kommentare, Reportagen und anderes spielen dort keine echte Rolle. Ist ja auch eine Nachrichten-App.

Davon abgesehen ist „Resi“ durchaus subjektiv und sagt schon mal, dass es ihr vor der Vorstellung graue, dass Menschen wie der Politiker XY über die Zukunft Deutschlands entscheiden können. Nachrichten-Purist darf man also nicht sein, wenn man die App nutzen will.

Das Nachrichten-Angebot selbst ist aktuell noch ziemlich überschaubar. Mehr als 10 der 15 Themen gibt es in der jeweils aktuellen Fassung noch nicht.

Wer sind die Quellen?

„Resi“ ist eigentlich ein Kurator. Das heißt, die App verweist gerne ab der zweiten oder dritten Sprechblase auf externe Quellen und verlinkt auch brav dorthin. Das reicht von großen Angeboten wie „Spiegel Online“ und geht weiter bis hin zu den Online-Angeboten von Regionalzeitungen.

Daumen rauf oder runter?

Kommt drauf an. Menschen über 25 werden vermutlich mit dieser Art der Nachrichten-Rezeption, der Ansprache, der Themenauswahl und ungefähr allem anderen nicht sehr viel anfangen können. Man kann sicher auch trefflich darüber streiten, ob Nachrichten eigentlich Spaß machen. Ob sie das sollen, können, dürfen. Bei „Resi“ lässt sich bisher das Bemühen feststellen, Nachrichten so auszuwählen und zu formulieren, dass nicht allzu viel schlechte Laune aufkommt. Dummerweise lässt es sich im Nachrichten-Geschäft aber nicht vermeiden, dass man auch über Tote, Verletzte und Katastrophen berichtet. Da wird es dann schnell schwierig mit dem saloppen Tonfall, den Smileys, den GIFs und dem Anspruch, dass die Nachrichten „Spaß machen“ sollen. Man darf gespannt sein, wie die Macher dieses Dilemma auflösen werden.

Technisch ist die App sauber programmiert, die „Chats“ laden schnell, personalisieren lässt sich die App auch. Das alles gilt allerdings im Jahr 2016 durchaus als Standard. Bleibt also dauerhaft nur eine Frage zu beantworten: Sind solche Chatbots tatsächlich die Newscenter der Zukunft – oder am Ende doch nur einer dieser unzählig vielen Hypes, mit denen man im digitalen Zeitalter immer wieder zu tun hat?

Comments 4
  • Lieber Christian,
    vielen Dank für die Kritik. Ein paar kleine Anmerkungen meinerseits:

    „Das Nachrichten-Angebot selbst ist aktuell noch ziemlich überschaubar. Mehr als 10 der 15 Themen gibt es in der jeweils aktuellen Fassung noch nicht.“: Die überschaubare Nachrichten-Anzahl ist aus unserer Sicht keine Schwäche, sondern eine Stärke der App. Sie richtet sich ja explizit nicht an News-Junkies, die jede noch so kleine Volte mitbekommen wollen, sondern an Leute, denen grobe Orientierung reicht und die wissen wollen, worüber ihre Freunde am nächsten Tag reden. Genau diese Leute wollen – so unsere These – nicht mit News zugeballert werden, wie wir Journalisten und Filterbubble-Junkies, sondern eher eine Auswahl aus den wichtigsten Themen mit dem höchsten Gesprächswert. Und ganz ehrlich: Wie viele dieser wirklich „wichtige“ Nachrichten gibt es tatsächlich am Tag? Wir haben uns also ganz bewusst für ein „abgeschlossenes“ Produkt entschieden und sagen dem Nutzer auch mal, dass es im Moment einfach nichts Neues gibt. Psychologisch sollte man dieses Gefühl des „Auslesens“ aus meiner Sicht nicht unterschätzen. Kurz: It’s a feature, not a bug. 😉

    „Bei “Resi” lässt sich bisher das Bemühen feststellen, Nachrichten so auszuwählen und zu formulieren, dass nicht allzu viel schlechte Laune aufkommen.“: Damit habe ich ein bisschen ein Problem. Ich weiß nicht, wie intensiv du die App in den letzten Tagen tatsächlich getestet hast. Aber wir haben über nahezu alle „negativen“ Themen berichtet, die sich da draußen ereignet haben. Und das durchaus auch in sehr sachlichem Ton. Vom Terror in Würzburg, Ansbach, London oder Charleroi, über die Lage in der Türkei, die gestiegene Zahl rechtsextremer Gewalttaten bis hin zu Doping, Doppelmorden, von der Polizei abgehörten Telefonen usw. Will sagen: Es ist definitiv nicht so, dass wir unsere Nutzer nur „bespaßen“. Es geht eher darum, soweit das möglich ist, „harte“ Themen auch so aufzubereiten, dass sie nicht staubtrocken sind. Und wir sind fest davon überzeugt, dass das geht. Das Feedback der ersten paar Tage zeigt auch, dass die Leute gerade diese Herangehensweise erstaunlich positiv bewerten, was ja eigentlich bei all dem Gewese, das zurzeit um „Constructive Journalism“ gemacht wird, auch nicht sonderlich überrascht.

    „Personalisieren lässt sich die App auch. Das alles gilt allerdings im Jahr 2016 durchaus als Standard.“: Man kann in unserer App zum Beispiel einzelne Themen („Putsch in der Türkei“, „Russland bei Olympia“, „Facebook“, „Absturz von MH370“) per Push-Mitteilung abonnieren. Ich kenne keine einzige andere News-App, die das so umsetzt. Bei den meisten gilt in Sachen Push das Gießkannenprinzip. Außerdem: Welches andere News-Angebot schafft es, nicht allen seinen Nutzern identische Informationen vorzulegen, sondern sie tatsächlich dort abzuholen, wo sie wissensmäßig stehen? Wenn ich eine Person, eine Behörde oder ein Gesetz nicht kenne, kann ich bei Resi einfach „nachfragen“. Bei den meisten anderen News-Angeboten, bekommt jeder Nutzer denselben Fließtext vorgelegt – egal, ob er viel oder wenig Wissen zu einem Thema hat. Diese Form der Personalisierung bei Resi ist aus meiner Sicht also alles andere als Standard.

    Ansonsten tausend Dank, für dein Feedback. Wir sind selber gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird – aber wir sind grundsätzlich total überzeugt, dass bei dieser dialogischen Art und Weise der News-Vermittlung am Ende mehr Informationen beim Nutzer hängenbleiben als, sagen wir, zum Beispiel bei Radionachrichten. Und darum geht es ja im News-Journalismus eigentlich. 😉

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