Medienwandel 11. Juli 2016

Der Journalist 2020…

by Christian Jakubetz

Wie sieht Journalismus im Jahr 2020 aus? Wie verändern sich der Job, die Branche? Eine neue Studie gibt darüber Auskunft – und ein neues Buch. Zusammengefasst: Man weiß noch nicht viel. Nur, dass ungefähr alles anders wird…

Das Unternehmen „My Newsdesk“ hat 2200 Journalisten auf der ganzen Welt befragt. Nach ihren persönlichen Perspektiven genauso wie nach ihrer Meinung nach der medialen Zukunft. Die meisten von ihnen spüren den Wandel schon jetzt in ihrer täglichen Arbeit, können aber kaum einschätzen, wohin die Reise am Ende gehen wird.

Neue Fähigkeiten – aber welche?

In einem sind sich die meisten der Befragten sicher: Journalisten werden in den kommenden Jahren „neue Fähigkeiten“ brauchen. Was allerdings noch nicht sehr viel darüber sagt, wie genau diese neuen Fähigkeiten aussehen sollen. Vermutlich wäre es auch zuviel verlangt, wenn man eine solche Definition zum heutigen Zeitpunkt verlangen würde. Schließlich ändern sich die Dinge nach wie vor derartig rasant, dass es kaum zu prognostizieren ist, was genau Journalisten in Zukunft am besten können sollen. Sicher ist eben nur: Irgendwas Neues wird es wohl sein. Die Zukunft wird zeigen, was genau.

Was ihre eigene wirtschaftliche Situation angeht, zeigen sich Journalisten inzwischen nur noch gemäßigt optimistisch. Ein beträchtlicher Teil geht davon aus, dass Medien in Zukunft noch mehr als bisher mit Freiberuflern arbeite werden. Dass dies nicht so sein wird, das glauben inzwischen nur noch 6 Prozent. 5 Prozent sind sich nicht sicher, wie die künftige Entwicklung aussehen wird.

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Was umgekehrt auch bedeutet, dass Journalisten zunehmend mehr zu Unternehmern in eigener Sache werden müssen. Rund drei Viertel der Befragten stimmen der Vermutung zu, dass Journalisten zu Medienunternehmen werden, gerade mal 11 Prozent glauben das nicht.

Eher konservativ zeigen sich Journalisten, wenn es um die Themen „Native Content“ bzw. Roboterjournalismus geht. Dass Roboter Journalisten ersetzen werden, ist für beinahe alle Befragten unvorstellbar: An diese Entwicklung glauben lediglich 2 Prozent,  weitere 27 Prozent halten das wenigstens für „teilweise“ denkbar.  Dass „Native Content“ die klassische Werbung ablöst, ist nur für 5 Prozent ein denkbares Szenario.

Mehr Videos, mehr Tempo, mehr alles

Selbst wenn man sich nicht wirklich mit der Digitalisierung beschäftigt: Journalisten merken schon alleine an ihrem Alltag, dass sich die Dinge gerade massiv verändern. Fragt man sie nach ihrer Tätigkeit, dann ließe sich die Antwort spöttisch mit einem: „mehr von allem“ zusammenfassen.

 

Im Detail sieht das aber natürlich etwas differenzierter aus. Mit dem „mehr“ meinen sie vor allem: Mehr Videos, mehr visuelle Elemente, mehr Geschwindigkeit. Dass Journalismus visueller und schneller geworden ist, dürfte keine wirklich neue Erkenntnis sein. Aber es ist dennoch interessant, wenn man sieht, wie sich diese Veränderungen auch in der täglichen Arbeit niederschlagen. Zumal es sehr große Mehrheiten sind, die diese Veränderungen spüren: 85 Prozent stimmen der Beobachtung mit dem visuellen Inhalten zu, immerhin noch 75 Prozent sagen, es werde inzwischen mehr Content von ihnen verlangt.

Neuer Universalcode

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Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Praktische Anleitungen und theoretische Überlegungen gibt es im neuen „Universalcode2020“, den es ab sofort gedruckt und als E-Book überall gibt.

Vom Halbwissenden zum Spezialisten

Die etwas älteren unter den Journalisten erinnern sich an das, was man ihnen früher mit auf den Weg gegeben hat: Man müsse kein Experte für irgendwas sein, sondern stattdessen ein solides Halbwissen mitbringen. Heute sehen Journalisten ihre Zukunft auf genau umgekehrtem Weg: „Nischenwissen“ wird von ihnen auf Platz 1 gesetzt, fragt man sie nach den Kriterien für eine erfolgreiche Zukunft in diesem Beruf. Was vermutlich aber auch damit zu tun hat, dass sich der Journalismus radikal verändert. Angesichts kaum mehr überschaubarer Mengen an Angeboten ist es wenig erfolgversprechend, wenn man versucht, mit Halbwissen jeden ein bisschen zu beglücken. Stattdessen suchen Nutzer zunehmend mehr nach Angeboten, die ihren speziellen Interessen entgegenkommen. Kein Wunder also, wenn solches Spezial- und Expertenwissen inzwischen als wichtiger Faktor für beruflichen Erfolg gesehen wird.

faktorenDass man Flexibilität, Schnelligkeit und Networking als weitere wichtige Voraussetzungen betrachtet, ist nicht so sonderlich erstaunlich. Dafür gibt es noch einen Punkt, der zeigt, wie sehr die Digitalisierung auch unser Berufsbild verändert: „Eigenwerbung“ wird inzwischen als selbstverständlich betrachtet. Das wäre früher vermutlich undenkbar gewesen, erscheint aber ganz normal, wenn inzwischen jeder überall publizieren kann – und Nutzer viel eher mal auf den Namen von Autoren schauen als früher, als man sagte, irgend etwas sei „in der Zeitung“ gestanden.

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