Allgemein, Medienwandel 13. Januar 2016

Kuration: Wenn Journalisten schreiben, was andere schreiben

by Christian Jakubetz

Als David Bowie am 10. Januar starb, konnte man für ein, zwei Tage im Netz den Eindruck haben, es gäbe kein anderes Thema mehr. Insbesondere im (sozialen) Netz gab es unzählige viele Posts. Vom kurzen Tweet über lange Nachrufe, Videos, Animationen. Von engen Weggefährten und einfach trauernden Fans. Kurz gesagt: Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie bedeutend Bowie für die Gegenwarts-Kultur war, musste man eben auch mal einen Überblick haben, welche Reaktionen sein Tod auslöst.

Das war früher (also in analogen Zeiten) eine vergleichsweise kurze und übersichtliche Sache. Journalisten stellten kurze Reaktionen zu einem Thema zusammen, warfen einen Blick auf anderen Medien („Presseschau“) – und schon war es das. Heute hingegen ist so etwas keineswegs mehr der Job für den Praktikanten und auch nicht mehr nur ein archivierendes Zusammenstellen eines Überblicks. Inzwischen ist das nämlich eine eigene journalistische Kunstform geworden, die immer mehr an Bedeuteung gewinnt: Kuration.

Im Falle Bowie (und nicht nur bei ihm) geht das Kuratieren über die reine Dokumentation der Stimmen anderer hinaus. Stattdessen entstehen mit diesen Erinnerungen kleine Nachrufe, digitale Gedenkstätten, bleibende Bilder. Kein Wunder also, dass zunehmend oft inzwischen solche kuratierten Geschichten bei gewichtigen Anlässen zum journalistischen Standard geworden sind. Zumal beispielsweise mit Storify ein Tool zur Verfügung steht, mit dem zumindest der technische Aspekt keine große Rolle mehr spielt. Die Geschichten werden einfach mit Drag and Drop zusammengestellt und über ein paar denkbar einfache Editoren zu einer stimmigen Geschichte gemacht. Und wie das im multimedialen Netz nun mal so ist: Selbstverständlich können mit einem solchen Tool alle Darstellungsformen abgebildet werden, vom simplen Tweet bis hin zum Video.

Ein ausgesprochen gutes Beispiel, wie eine kuratierte Geschichte ein Bestandteil eines umfangreichen Bowie-Nachrufs wird, hat der britische „Telegraph“ abgeliefert,

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