Digitales Leben 17. November 2015

Analog sind immer nur die anderen…

by Christian Jakubetz

Wie digital sind Medienunternehmen aufgestellt? Nach eigener Auffassung ziemlich gut – auch wenn nur eine kleine Minderheit eine eigene Digitalisierungsstrategie entwickelt hat. Und auch beim Einsatz neuer Technologien und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bestünde noch Luft nach oben…

 

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Ales digital? Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen immer noch ein paar Lücken…(Foto: Jakubetz)

Was waren das noch für Zeiten. Als Journalisten sich hinsetzen, einen Beitrag schreiben oder produzieren konnten und sich um den ganzen Rest nicht weiter kümmern mussten.  Die Digitalisierung hat diesem angenehmen Leben (neben vielen anderem) ein jähes Ende bereitet. Wer heute Medien macht, muss auch ein gewachsenes Verständnis für (digitale) Technologien mitbringen. Was für den einzelnen gilt, gilt erst recht für ganze Unternehmen.

Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es immer noch gewaltige Unterschiede. Der vor allem zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. Zu diesem Ergebnis ist eine gemeinsame Studie von KPMG und der LMU München gekommen. Quintessenz: Auf der einen Seite sind Medienunternehmen in ganz Deutschland gerade dabei, sich ganz erheblich zu technologisieren und bauen dabei sogar eigene spezialisierte Einheiten auf. Und: Immerhin rund zwei Drittel der befragten Unternemen nennen die Beherrschung digitale Technologien als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die Zukunft.

Auf der anderen Seite fehlt ihnen immer noch häufig eine „konsistente Technologie- und Digitalisierungsstrategie“, wie die Autoren der Studie schreiben. Einfacher gesagt: Den Bedarf hat man erkannt, man arbeitet vielerorts auch daran – nur wie genau das alles in allem funktionieren und in die Zukunft führen soll, ist häufig noch unklar. Lediglich 10 Prozent der in der Studie befragten Medienunternehmen haben tatsächlich eine übergreifende, stringente Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Neue Geschäftsfelder sind immer noch Mangelware

Sollen Medienunternehmen künftig auch Hundefutter verkaufen? Die Debatten darüber, wie sich Medienunternehmen künftig finanzieren, hat gerade erst begonnen. Und sie wird vermutlich weiterhin heftig geführt werden. Aber wie sieht es in der Praxis mit dem Aufbau neuer, digitaler Geschäftsfelder aus?

Eher bescheiden, so das Ergebnis der Studie. E-Learning, Datendienste oder Software-Entwicklung für Dritte – das sind immer noch eher exotische Betätigungsfelder für Medienunternehmen. Nur eine Minderheit setzt sich damit auseinander oder ist womöglich sogar schon in diesen Feldern unterwegs. Wenn Medienunternehmen neue digitale Geschäftsfelder entwickeln, dann handelt es sich dabei bisher meistens um klassischen E-Commerce oder Veranstaltungsdienste. Was umgekehrt bedeutet, dass viele Medienunternehmen immer noch sehr auf ihre bisherigen Geschäftsmodelle setzen.

Die IT ist immer noch eher Umsetzer als Entwickler

Eher klassisch ist momentan auch immer noch die aktuelle Aufgabenstellung an die hausinternen IT-Abteilungen. Zum größten Teil dienen sie immer noch in erster Linie zur technischen Umsetzung von beschlossenen Projekten. Als Ideengeber für innovative Projekte, so heißt es in der Studie, treten sie hingegen nur „selten“ auf.

Was aber nicht bedeutet, dass sich Medienunternehmen ihr digitales Knowhow von außen holen und die interne IT dann nur noch als Dienstleister begreift. Vielmehr ist es so, dass digitales Knowhow inzwischen häufig auch in anderen Abteilungen aufgebaut wird. Einziges Manko, wie schon erwähnt: Aus dem Verteilen der digitalen Expertise über mehrere Abteilungen hinweg entsteht noch keine konsistente Unternehmensstrategie.

Das Selbstbild der meisten Häuser ist (zu) positiv

Trotz aller Expertise: Neue Technologien sind immer noch eine ausgesprochen umstrittene Sache. Das lässt sich auch in Zahlen belegen. Social Media und Streamingdienste haben sich in vielen Häusern etabliert und sind dort mehr oder weniger unstrittig, Ganz anders ist das Bild dagegen, wenn es beispielsweise um Big-Data-Tools oder auch Cloud Computing geht. 40 Prozent setzen Cloud-Lösungen ein, für weitere 40 Prozent allerdings ist das kein Thema.

Trotzdem: Alles in allem sieht sich eine klare Mehrheit der Befragten auf einem guten Weg, wenn es um die Digitalisierung ihrer Unternehmen geht. Rund 60 Prozent sind dieser Auffassung. Sie sehen die meisten Hindernisse als überwindbar an und betrachten die weitere Digitalisierung weitgehend als eine Frage der Ressourcen.

Angesichts dessen, dass lediglich zehn Prozent der befragten Unternehmen eine klare Digitalisierung-Strategie entwickelt haben, ist das allerdings eine durchaus gewagte Selbsteinschätzung.

(Eine ausführliche Fassung der Studie zum kostenlosen Download gibt es hier).

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