Social Media 5. Oktober 2015

Wie Facebook Journalismus machen will…

by Christian Jakubetz

Erst die „Instant Articles“, jetzt auch noch „Notes“, „Mentions“ und „Signals“:  Facebook bietet mehr und mehr Tools an, mit denen Journalisten gut und kostenlos arbeiten können. Möglicherweise bezahlen sie aber dennoch einen hohen Preis dafür…

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Die Welt ein Facebook: Mehr und mehr Tools für journalistische Inhalte stehen zur Verfügung. (Foto: Facebook)

Es gehört mittlerweile zu den wenig überraschenden Dingen, die das Netz für Journalisten mit sich bringt: Soziale Netzwerke haben enorm an Bedeutung zugelegt. Nicht nur als Verbreitungskanal für eigene Inhalte, sondern auch als Recherche-Werkzeug. Vor allem in einer Hinsicht ist das Netz vermutlich unschlagbar: Themen und Trends lassen sich dort sehr viel schneller erkennen als sonstwo. Wenn etwas „trendet“, dann kann man das sehr schnell in den diversen Netzwerken erkennen. Jetzt hat sich auch Facebook mit einem neuen Tool als potentieller Trendmonitor für Journalisten drangehängt. Das Ding heißt „Signals“ und soll den Netzwerk-Riesen  auch als Trendtuch-Maschine für Journalisten auf Augenhöhe mit Twitter und Google heben. Denn so groß die Macht von Facebook im Netz auch sein mag – tatsächlich sind Twitter und Google mit ihren „Trending Topics“ und „Google Trends“ in diesem Bereich eindeutig erste Wahl.

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Ebenfalls neu im Angebot: Facebook Mentions. (Foto: Facebook)

Das Verfahren ist vergleichsweise einfach: Beim aktuellen „Rollout“ kann man sich als Journalist registrieren lassen, muss aber auch tatsächlich nachweisen, journalistisch tätig zu sein. Idealerweise geht das über eine Mauladresse, aus der die Tätigkeit für ein Medienunternehmen eindeutig hervorgeht. Aber auch Freiberufler, die eine solche Adresse meistens nicht vorweisen können, sind nicht per se ausgeschlossen, müssen aber dann einen anderweitigen Nachweis erbringen. Facebook weist zudem darauf hin, dass der Fokus der Inhalte momentan eher für englischsprachige Newsrooms geeignet ist.

Facebook will auch die Welt von Journalisten entscheidend mitprägen

Was an der Facebook-Taktik ins Auge sticht: Der Social-Media-Riese möchte mit „Signals“ explizit Journalisten ansprechen. Google und Twitter hingegen kennen diese Limitierung ihrer Trend-Werkzeuge dagegen nicht. Über die Beweggründe von Facebook ließe sich trefflich spekulieren, ohne dass man letztendlich zu einer Antwort kommt.

Dass sich Facebook allerdings sehr für Journalisten und ihre Bedeutung auch in einer neuen digitalen Welt interessiert, zeigt auch ein anderes jetzt gelaunchtes Tool: „Mentions“ ist eine App, die verifizierten Personen angeboten wird (was bei Journalisten ja recht häufig der Fall ist). Im Kern der App steht eine Livestreaming-Funktion, wie man sie ähnlich auch von Twitter-Ableger „Periscope“ oder „Meerkat“ kennt.  Allerdings bietet die App auch noch einige andere Features an, die sie letztendlich zu einer Art Mini-Multimedia-Tool macht. Immer vorausgesetzt natürlich, man erzählt diese ganzen multimedialen Geschichten auf Facebook…

Überhaupt will Facebook noch mehr Inhalte. Vermutlich auch aus dem Wissen heraus, dass man mit gegenseitigen Katzen-Postings dauerhaft nicht mehr so weit kommt. Als gefühlter Mittelpunkt der Netzwelt muss also auch Inhalt über das her, was gerade auf der Welt passiert und was sie bewegt. Dazu gehören nicht nur die potenziellen multimedialen „Menüions“-Geschichten, sondern auch Tools wie „Notes“, mit denen man Facebook mal eben auch in eine Art Blog umfunktionieren kann. Oder die umstrittenen „Instant Articles“, bei denen große Medienunternehmen große Geschichten exklusiv nur für Facebook produzieren.

Der Trend ist jedenfalls eindeutig: Facebook will mehr oder weniger die ganze Welt digital spiegeln. Dazu braucht man Inhalte und die wiederum will man nicht selber machen, sondern geliefert bekommen. Deshalb die Tools, die das Erstellen solcher Inhalte leicht machen. Es ist das übliche Dilemma für Medien und Journalisten: Man kommt an Facebook kaum vorbei, man bekommt interessante Tools zur Verfügung gestellt – und entfernt jeden Tag mit jedem gelieferten Inhalt die Nutzer möglicherweise ein Stück weiter weg vom eigenen Produkt.

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