Mobile 19. September 2015

App und hopp: Der komplexe Markt mit mobilen News

by Christian Jakubetz

In den meisten Redaktionen gilt diese Annahme als gesetzt: Eine App muss sein. Eine Vermutung, die wahrscheinlich auch von vielen Usern geteilt wird. Der User, das sprunghafte Wesen, macht die ganze Sache allerdings auch so komplex: Beim Thema Apps verhält er sch nämlich gerne wie ein Kleinkind…

Foto
Auf den Homescreen kommen ist das eine – dort zu bleiben das andere: Der App-Markt ist eine komplizierte Angelegenheit.

Bei Kindern kennt man das ja. Erst muss es unbedingt dieses eine Spielzeug sein. Und dann, nach der ersten Begeisterung, liegt es in der Ecke, längst schon wieder abgelöst von einem viel schöneren und neueren Spielzeug. Bei Apps für das Smartphone ist das ähnlich, wie eine neue Studie von Adobe belegt. Der Download und die Installation sind schnell gemacht und ab und an nutzt man das neue Ding auch. Aber danach geht es rasant bergab: innerhalb von sechs Monaten sinkt die Nutzung ganz erheblich.

Konkret ausgedrückt: Wenn man so etwas wie eine „Gesamt-Lebensdauer“ einer App unterstellen würde, dann entfällt ein ganz beträchlicher Teil ihrer Nutzung auf die ersten sechs Monate. Bereits in dieser Zeit geht es schon stetig bergab, nach sechs Monaten hat sich die Nutzung dann statistisch gesehen halbiert. Angesichts eines solchen Verlaufs kann man sich dann leicht vorstellen, wie schnell man vom Homescreen wieder verschwunden – genauso schnell nämlich, wie man auch draufgekommen war.

In Zahlen sieht das dann so aus:

screen-shot-2015-09-01-at-2-43-46-pm

 

Das sind Zahlen, die nicht ohne Konsequenzen bleiben. Weil man daraus zumindest eines sicher ablesen kann: User dazu zu bringen, sich eine App zu installieren, ist nicht so rasend schwer, bei kostenlosen Apps zumal. Deutlich anspruchsvoller ist es, aus dem neugierigen Nutzer einen Stamm-User zu machen.  Das zeigen auch andere Entwicklungen. In Deutschland beispielsweise ist die Zahl der regelmäßig genutzten Apps konstant, Potential nach oben besteht kaum mehr. Wer mit Nachrichten und Journalismus seine User locken will, hat es womöglich noch schwerer – weil die Mehrheit auf eine, maximal zwei Apps aus diesem Genre vertraut und die Entscheidung darüber, welche Apps genutzt werden, häufig schon gefallen ist.

Kurz gesagt: Apps sind zu einem sehr engen Markt geworden, den man nur vermeintlich leicht betritt. Dort bleiben zu können ist schon deutlich schwieriger. Die Frage, die man sich als App-Anbieter stellen muss, ist deshalb eine vergleichsweise einfache: Bin ich wichtig genug für einen Platz auf dem Homescreen?

Leave a comment

*

*