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Soziale Netzwerke bekommen eine immer größere Bedeutung für den Journalismus. Nicht nur als Traffic-Lieferanten, sondern auch als Plattformen für digitales Storytelling. Das bietet neue Chancen auch für Journalisten – die inzwischen weitaus mehr sein müssen als reine Social-Media-Manager…

Soziale Netzwerke gehören inzwischen zum Standard bei der Mediennutzung. Kein Wunder, dass man zwischenzeitlich deshalb auch Social-Media-Journalisten einen deutlich höheren Stellenwert gibt. (Foto: Tom Eversley/isorepublic.com)

Soziale Netzwerke gehören inzwischen zum Standard bei der Mediennutzung. Kein Wunder, dass man zwischenzeitlich deshalb auch Social-Media-Journalisten einen deutlich höheren Stellenwert gibt. (Foto: Tom Eversley/isorepublic.com)

Lars Wienand wechselt von der Rhein-Zeitung in Koblenz zur Funke-Zentralredaktion, Martin Giesler vom ZDF zu Spiegel Online. Das klingt zunächst erst einmal nach zwei Personalien, die man relativ schnell irgendwo vermerken könnte. Tatsächlich aber stehen diese beiden nahezu zeitgleich vermeldeten Wechsel für einen interessanten Trend in der Branche. Weil plötzlich Menschen, die sich mit Social Media auskennen, eine völlig neue Bedeutung bekommen. Kurz gesagt: Der noch vor Jahresfrist aktuelle “Social-Media-Manager” ist tot. Stattdessen gefragt sind jetzt Journalisten, die wissen, wie man eine Geschichte in den verschiedenen sozialen Netzwerken erzählt.

Zugegeben, der Name klang irgendwie blöd und uncool: Social-Media-Manager, da dachte man unwillkürlich  als Praktikanten und Studenten, die später mal was mit Medien machen wollten und noch keinen Platz in einer richtigen Redaktion gefunden hatten. An Leute, die eine Art bessere Leserbrief-Redaktion sind und die die Jobs machen, für die sich richtige Redakteure zu fein sind. Kurzum: keine richtigen Journalisten, eher eine Mischung aus Sekretärin und Platzhalter. Kein Wunder, dass man in Journalistenschulen oder Universitäten den Berufswunsch “Social Media Manager” eher selten hörte.

Das hatte – und hat natürlich auch mit dem Stellenwert zu tun, den viele Redaktionen ihren Social-Media-Aktivitäten zukommen lassen. Häufig handelt es sich dabei immer noch um eher lieblos gepflegte Linkschleudern. Af die Idee, dass man dort auch richtiges Storytelling betreiben könnte, kommt man noch immer nicht sofort. Doch tatsächlich dreht sich der Trend genau dort hin: Weg von den Plattformen, in denen man auch mal mehr oder weniger gepflegten Quatsch erzählen kann – und hin zu journalistischen Kanälen, die weitaus mehr sind als eine Linksammlung.

Netzwerke als Medien

Und tatsächlich: Zu beobachten ist momentan der eindeutige Trend, wie sich soziale Netzwerke immer mehr als klassische Medienanbieter positionieren. Facebook macht das sogar unverhohlen-offensiv: Mit den “Instant Articles” macht der Social-Media-Riese nichts anderes als das, was Medien auch tun; auch wenn die Inhalte dafür eingekauft und nicht selbst erstellt oder bearbeitet werden. Auch eine andere Zahl spricht eindeutig dafür, wie wichtig soziale Netzwerke inzwischen für klassische Medien geworden sind. Gemessen an den Zahlen des Dienstes “10000 Flies” hat sich die Verbreitung von journalistischen  Inhalten über soziale Netzwerke alleine in den vergangenen beiden Jahren nochmal erheblich gesteigert – so viel wie momentan wurde noch nie geliked und geshared. Eine andere Statistik besagt, dass mittlerweile durchschnittlich über ein Viertel des gesamtes Treffics auf Webseiten von Facebook kommt. Selbst bei Angeboten wie der “taz”, dessen Publikum einer übergroßen Nähe zu Facebook sicher unverdächtig ist, kommt man inzwischen auf einen solchen Anteil.

Lars Wienand soll übrigens sich in der Funke-Zentralredaktion um das Thema “Social Media” kümmern, Martin Giesler bei “Spiegel Online” sich an einem noch nicht näher bekannten Social-Media-Projekt beteiligen. Die Zeiten, in denen Social-Media-Manager Journalisten zweiter Wahl waren, sind endgültig vorbei.

Eine Reaktion auf “Social-Media-Journalisten: Der Beruf der Stunde”

  1. David Drenovak

    Trotzdem bleibt doch zumindest Facebook eine Link-Schleuder, die nur Traffic für die HP eines Mediums generiert. Der User, selbst wenn es sich um einen internetversierten Journalisten handelt, hat doch keine Handlungsfreiheit Storytelling direkt auf FB zu betreiben. Anders ist das natürlich beim sozialen Netzwerk Twitter, für den mittlerweile spezielle Publishing Apps gibt (Steller und Co.). Der Redakteur / Journalist bleibt zumindest bei FB meines Erachtens trotzdem der Content-Pusher, der versucht mit optimierten Beiträgen eine große Bandbreite zu erreichen und die User zum Klick auf die HP des eigenen Verlages zu ziehen. Die Frage ist dann ob der User es bei einer Paywall dann überhaupt zu sehen bekommt … Zudem finde ich die Aussage, dass das “taz”-Publikum (obwohl häufig jünger) keine Nähe zu Facebook hat (ich nehme an, das impliziert ist das Problem der Datensammeln und -schleuderns) finde ich aus der Luft gegriffen. Auch wenn die Datenverwendung des Social-Media-Riesen mehr als fraglich ist, gibt es doch kaum Menschen in der Generation der “Digital Natives”, die die Plattform nicht nutzen. Ich will nicht jede aussage des Textes schlechtreden. Der Blick der Verlage auf Journalisten, die sich in und mit sozialen Netzwerken bewegen, hat sich geändert. Meine Efahrung ist jedoch, dass eher gesagt wird wir brauchen das, sind aber trotzdem nicht bereit mehr zu zahlen. Und leider gilt auch hier: Zwei Schwalben machen noch keinen Sommer.

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