Social Media 26. April 2015

Journalismus wird instagramt…

by Christian Jakubetz

Auch wenn Facebook immer noch die unangefochtene Nummer eins ist: In den sozialen Netzwerken setzen sich zunehmend Fotos und Videos als Erzählform durch. Vor allem „Instagram“ befeuert diese Entwicklung.

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Zunehmend populär: Instagram gewinnt gerade auch für Journalisten an Bedeutung.

Wie cool ist Facebook noch? Und damit verbunden: wie wichtig noch? Die Prognose über einen schleichenden Abstieg von natürlich extrem hohen Niveau hält sich seit längerer Zeit. Die Vermutung, Facebook werde gerade für Medienschaffende in Zukunft der alles entscheidende Kanal, gibt es aber genau so. Nicht ganz umsonst führen schließlich Häuser wie die „New York Times“ konkrete Verhandlungen darüber, Inhalte künftig auch exklusiv für den Social-Media-Riesen herzustellen.

Eine Debatte – und zwei Antworten. Weil beide recht haben. Sowohl diejenigen, die weiterhin darauf setzen, dass Facebook schon alleine wegen seiner schieren Größe und der damit verbundenen Reichweite unverzichtbar ist. Als auch diejenigen, die sich Gedanken darum machen, was neben oder nach Facebook kommen wird.

Erstere liegen schon deshalb richtig, weil Facebook natürlich Mainstream ist. Absolute Masse. Mit einer Milliarde Mitgliedern weltweit und etlichen Millionen in Deutschland ist es so groß, dass niemand in seinen Überlegungen daran vorbei kommt. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Auf der anderen Seite ist aber auch unverkennbar, dass Facebook vor allem beim jüngeren Publikum ein Problem bekommt. Eines, das gewissermaßen hausgemacht ist: Konkurrent Instagram gewinnt zunehmend an Bedeutung. In den USA ist Instagram nunmehr schon zum zweiten Mal in Folge als das populärste soziale Netzwerk bei Jugendlichen ermittelt worden. Wie gut, dass der Konkurrent aus dem eigenen Haus kommt.

Neue Plattform, neues Format

Dabei geht es für Journalisten bei der Frage „Facebook oder Instagram“ nicht unbedingt darum, einfach nur den Kanal zu wechseln bzw. einen anderen Kanal zusätzlich zu bespielen. Wichtiger ist: den richtigen Inhalt, die passende Erzählweise finden. Natürlich kann man den Instagram-Accout mit Facebook verknüpfen und die dortigen Inhalte auch in den Facebook-Stream einfließen lassen. Wer aber schon mal ein Instagram-Foto mit seinen dort üblichen unzähligen Hashtags auf Facebook gesehen hat, der weiß, wie unpassend es ist, die Inhalte einfach zu duplizieren.

Tatsächlich liegt es Hand, über was Instagram-Journalisten nachdenken müssen: Die Platform ist de facto ein ein visueller Kanal. Geschichten werden dort nahezu ausschließlich über Fotos und Videos erzählt. Längere Textbeiträge sind zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber die Ausnahme. Der Kern der journalistischen Aussage liegt im Foto oder im Video. Konsequent ist es also, Instagram-Beiträge auch ausschließlich als solche zu sehen (dass man sie ggf. auch bei Facebook teilt, ist der Bequemlichkeit geschuldet).

Allerdings: Bei Instagram hat sich eine neue visuelle Kultur entwickelt. Eine, die mit dem, was Journalisten bisher unter Foto und Video verstanden haben, nur eingeschränkt zu tun hat. Fotos und Videos dort sind wie bildgewordene Statusmeldungen. Momente, die authentisch sind. Momente, die nicht mehr lange nachbearbeitet oder gar geschnitten werden. Insbesondere bei Videos entwickelt sich da gerade eine neue journalistische Darstellungsform: Mini-Filme, die nicht geschnitten und trotzdem keine unsinnigen Wackelbildchen sind. In 15 Sekunden etwas zu erzählen, ist nicht ganz so einfach, wie es sich anhört.

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