Digitales Leben 12. Januar 2015

Gekaufter Journalismus: 15 Euro im Monat

by Christian Jakubetz

Immer mehr Nutzer geben Geld für Journalismus im Netz aus. Allerdings: Nach wie vor gehört die klare Mehrheit der Deutschen zu den digitalen Zahlungsmuffeln. Das hat eine Umfrage des Branchenverbands „Bitkom“ jetzt ergeben.

150107_journalistische_Angebote_ im_Netz KopieIst das Glas halbvoll oder halb leer? Wie bei so vielen Dingen, die mit Zahlen zu tun haben, ist das mal wieder eine Interpretationssache. Wenn es um die Zahlungsbereitschaft der Deutschen bei der Nutzung von Journalismus im Netz geht, gilt das ganz besonders. Die gute Nachricht also zuerst: Die Zahl derer, die schon mal für Journalismus im Netz bezahlt haben, ist auch im vergangenen Jahr angestiegen. Inzwischen sind es bereits 34 Prozent. Die nicht ganz so schöne Nachricht gleich hinterher: Weiterhin kann sich eine klare Mehrheit nicht vorstellen, jemals für Journalismus im Netz zu bezahlen. 60 Prozent schließen dies auch weiterhin kategorisch aus.

Zumindest aber fällt auf, dass sich die Idee, dass Journalismus auch im Netz nicht immer kostenlos zu haben ist, zunehmend mehr durchsetzt.  2013 war es immerhin erst rund ein Viertel der befragten Nutzer, die Geld für Netz-Journalismus ausgegeben hatten. Auch der Betrag, den User im Schnitt pro Monat ausgegeben, ist gestiegen. Zwar nur leicht, aber immerhin: Im Schnitt geben sie pro Monat 15,10 Euro für entsprechende Inhalte aus, nach 13,60 Euro im Jahr zuvor. Laut Umfrage verfügen 22 Prozent der Befragten über ein Monats-Abo, bei dem die digitale Nutzung eines Mediums pauschal abgerechnet wird. 20 Prozent haben für einzelne Beiträge oder Ausgaben bezahlt. Besonders intensiv werden kostenpflichtige Inhalte in der jüngeren Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren mit einem Anteil von 40 Prozent genutzt. In der Generation 65 Plus sind es dagegen nur 22 Prozent.

Wenig überraschend ist eine andere Erkenntnis aus der Studie: Die User legen bei Bezahlinhalten Wert auf Qualität und Exklusivität. Und: Für klassische Nachrichten und Meinungsstücke gibt es kaum Zahlungsbereitschaft. 46 Prozent der grundsätzlich zahlungsbereiten Internetnutzer würden vor allem für aufwändige journalistische Formate wie Reportagen, Hintergrundberichte und längere Interviews bezahlen. Ein Viertel (25 Prozent) wäre am ehesten bereit, für investigativ recherchierte Geschichten und Exklusivberichte Geld auszugeben und 12 Prozent für Fachinformationen. Dagegen würden nur 10 Prozent für Meinungsartikel oder Kommentare bezahlen und sogar nur 6 Prozent für tagesaktuelle Nachrichten. Bei letzterem Thema werden zwei entscheidende Trends der Finanzierung von Journalismus deutlich. Zum einen: Nachrichten im Netz lassen sich nur sehr schwer monetarisieren. U.a. auch deswegen, weil es schlichtweg zu viele davon gibt. Zum anderen: Der User bezahlt nach Aufwand und gefühlter Leistung. Nachrichten und Kommentare fallen in dessen Denkmuster nicht in die Kategorie der bezahlenswerten Leistung.

Das zeigt sich umgekehrt auch bei denen, die kein Geld für Journalismus im Netz ausgeben.  Davon geben zwei Drittel als Grund für ihre ablehnende Haltung an, dass es ausreichend kostenlose journalistische Inhalte im Internet gibt. 37 Prozent meinen, dass die Qualität der Inhalte keine Bezahlung rechtfertige. 31 Prozent halten die Angebote für zu teuer und immerhin fast ein Viertel (24 Prozent) sagen, dass ihnen das Bezahlen im Internet zu kompliziert ist.

Methodik: Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research in Zusammenarbeit mit Aris Umfrageforschung durchgeführt hat. Dabei wurden 1.019 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt.
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