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Ob man nun will oder nicht: Die Palette an Dingen, mit denen sich (digitale) Journalisten inzwischen beschäftigen müssen, ist so breit wie noch nie. Die wichtigsten Trends für 2015, was sie für Journalisten bedeuten – und was sie deshalb können müssen im Überblick.

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Mobil als Reporter, in Echtzeit berichten, Daten verarbeiten – die Anforderungen an Journalisten werden nicht weiter, wenn man mal einen Blick auf die Trends 2015 wirft. (Foto: Jakubetz)

Kein Zweifel:Noch nie mussten Journalisten so viel können, wenn sie in ihrem Beruf bestehen wollen. Dass sie irgendwie multimedial sein müssen, ist eigentlich schon seit einigen Jahren common sense. Was neu hinzukommt: mobil als Reporter unterwegs sein, Daten aufarbeiten, in Echtzeit berichten, bewegte Bilder drehen. Ein Überblick über das, was im Jahr 2015 noch wichtiger wird zeigt: Der digitale Journalist der Neuzeit ist mit “vielseitig” nur unzureichend beschrieben…

Bewegtbild

Fernsehen verliert zunehmend an Bedeutung – und trotzdem ist Bewegbild so richtig wie noch nie. Was zunächst nach einem unauflösbaren Widerspruch klingt, ist in Wirklichkeit eine ganz einfache Geschichte: das Interesse an Bewegtbild ist so groß wie noch nie, die Nutzer konsumieren es nur anders. Das hat eine ganze Reihe von Gründen. Zu viele, um sie mal eben in einem einzigen Beitrag unterzubringen. Aber die Trends sind eindeutig. Schon jetzt werden die größten Datenmengen im Netz durch die Nutzung von Videos erzeugt. Keine neue, aber dennoch wichtige Erkenntnis: Wer Videos auf einer Seite anbietet, erhöht die Verweildauer ganz erheblich. Videos sind also nicht einfach nur ein hübsches Gimmick, sondern inzwischen ein wichtiger journalistischer Inhalt. Zumal die Nutzung von Videos immer selbstverständlicher wird. Im Zeitalter der Breitbandverbindunngen schaut sich mittlerweile jeder zweite Deutsche mindestens einmal in der Woche ein Video im Netz an. Bei den 14- bis 29jährigen ist die Quote noch sehr viel höher – in dieser Altersgruppe sind es fast 80 Prozent, die laut ARD-ZDF-Onlinestudie 2014 mindestens einmal pro Woche Bewegtbild im Netz nutzen.

Infografik: Diese Online-Videoangebote nutzen die Deutschen | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Für Journalisten ist das Chance und Herausforderung zugleich. Chance vor allem deshalb, weil man (wenn man nicht gerade beim TV arbeitet) eine neue journalistische Darstellungsform hinzubekommt. Eine, die vom Publikum gerne und viel genutzt wird. Und zudem eine, die zumindest aus technischer Sicht noch nie so vergleichsweise einfach zu produzieren war, wie das heute der Fall ist. Theoretisch reichen schon ein gutes Smartphone und ein wenig Zubehör, um gute Videos zu bauen. Mit einer ordentlichen DLSR-Kamera und entsprechenden Mikros und Schnittprogrammen lässt sich mittlerweile auch in einer Qualität produzieren, die vom TV nicht mehr weit entfernt ist.

Da beginnt allerdings auch das Risiko. Wenn man sein Handwerk nicht richtig beherrscht, dann können gerade Videobeiträge schnell mal unfreiwillig komisch werden. Oder, was auch nicht sehr viel besser ist, langweilig. Zwar folgen Online-Videos inzwischen ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als noch der gute, alte TV-Beitrag. Trotzdem: Ein bisschen Handwerk muss schon sein. da aber hakt es im journalistischen Alltag gerne mal noch ein bisschen. Und: Ein Selbstläufer sind Videos für Journalisten natürlich nicht. Gerade durch Video-Plattformen wie YouTube gibt es eine derart große Konkurrenz guter Videomacher, dass man sich mit dem Thema intensiv befassen sollte, wenn man nicht völlig untergehen will. Dazu ist auch der Aufwand zu groß. Denn: Auch wenn die Technik inzwischen vergleichsweise simpel geworden ist – die Produktion eines Videos erfordert immer noch einen vergleichsweise hohen Aufwand.

Trotzdem, an dem Thema kommt spätestens 2015 niemand mehr vorbei. Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch eine neue Studie. Sie prognostiziert, dass 2015 das Jahr sein wird, in dem das Streaming erstmals populäres als lineares TV sein wird.

Mobile

Journalismus wird komplett mobil – eine Erkenntnis, die inzwischen in immer mehr Medienhäusern reift. Das bedeutet nicht einfach nur, dass immer mehr Nutzer nicht mehr an einem großen Bildschirm eines PC oder eines Laptops Geschichten konsumieren. Sondern auf den Screens eines Smartphones oder eines Tablets. Was wiederum bedeutet, dass sich Journalisten Gedanken über ein neues Storytelling machen müssen. Wie lässt sich eine komplexe Geschichte so erzählen, ass sie auch auf den kleineren Bildschirmen eines mobilen Geräts funktioniert? Die Frage ist naturgemäß noch nicht endgültig beantwortet – und es ist auch nicht anzunehmen, dass dies in den nächsten zwei oder drei Jahren der Fall sein wird. Trotzdem: Den Umgang mit mobilem Storytelling zu beherrschen, gehört schon jetzt zu den wichtigsten Fähigkeiten, die Journalisten mitbringen sollten.

Neben dem inhaltlichen Storytelling benötigt man auch gute Hard- und Software. Auch hier gilt: Eine Übersicht über die potentiellen Tools ist zum einen immer subjektiv und zum anderen immer auch nur eine Bestandsaufnahme. Gut möglich, dass es auch hier schon bald wieder Dinge und Möglichkeiten geben wird, von denen wir heute noch nicht einmal etwas ahnen.

Eine gute Übersicht an Ausrüstung findet sich hier:

 

Gute Apps sind in dieser Übersicht zusammengestellt:

 

Daten

 

Daten sind Informationen. Diese Erkenntnis setzt sich mehr und mehr durch, seit der Datenjournalismus zunehmend professionalisiert worden ist. Guter Datenjournalismus geht inzwischen weit über das hinaus, was in analogen Zeiten durch Infografiken möglich gemacht wurde. Inzwischen hat sich der #ddj auf breiter Ebene durchgesetzt, auch in kleineren Redaktionen beispielsweise von Regionalzeitungen gehören gute DDJ-Projekte zunehmend zum journalistischen Standard. Dazu braucht es eine ganze Reihe von Fähigkeiten – angefangen von der richtigen Recherche der Zahlen bis hin zu ihrer Aufarbeitung. Die ABZV hat nicht nur den Datawrapper als sehr praktisches Tool entwickelt, sondern 2014 auch eine komplette App zum Thema veröffentlicht. Was DDJ ist, wie er funktioniert, was man dazu können muss – und welche Perspektiven er womöglich hat – eine Übersicht im Video:

 

 

Multimedia-Reportagen

Die Logik ergibt sich schnell: Wenn tatsächlich jedes Medium irgendwann mal seine typische Erzählform entwickelt und die Besonderheit des digitalen Journalismus vor allem seine Multimedialität ist – ist es dann nicht zwangsläufig, dass sich multimediale Erzählformen mehr und mehr durchsetzen? 2014 jedenfalls war das Jahr, in dem so viele und vor allem herausragende Stücke gemacht wurden wie noch nie. Kaum anzunehmen, dass sich an diesem Trend im Jahr 2015 etwas wesentliches ändern wird. Im Gegenteil: Nachdem auch hier die Entwicklung der Technik so rasant fortgeschritten ist, kann man inzwischen mit vergleichsweise einfachen Mitteln hochwertige Stücke herstellen. Die Herausforderung für Journalisten: die Prinzipien des multimedialen Storytellings verinnerlichen. Sich mit Audio, Video, Daten intensiv beschäftigen. Und vor allem: sich mit der Frage zu beschäftigen, wann eine Multimedia-Reportage Sinn macht und wann nicht.

Eine Übersicht mit den wichtigsten Fragen: hier.

Echtzeit

Zugegeben, der Echtzeit-Journalismus hat nicht immer und überall den besten Ruf. Nicht jeder der inzwischen gängigen Lireticker hat wirklich Erkenntniswert gebracht und nicht jeder Tweet macht unbedingt Sinn. Trotzdem: Die journalistische Welt ist schneller geworden, weil die ganze Welt schneller geworden ist. Davon abgesehen ist es ja prinzipiell auch nichts schlechtes, wenn man seine Nutzer bei entsprechenden Ereignissen in Echtzeit auf dem Laufenden hält. Mittlerweile gibt es in Großbritannien und den USA auch schon erste Redaktionen, die an ihren Newsweeks nochmal die explizite Unterscheidung vornehmen: zwischen denen, die sich um Aktualität und Echtzeit kümmern – und denen, die die anschließende Long-Form-Aufbereitung vornehmen.

Man kommt als Journalist also nicht daran vorbei, sich wenigstens mit dem wichtigsten Echtzeit-Tools zu befassen.  Eine gute Übersicht gibt es bei Torial.

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