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Nichts ist im digitalen Journalismus in diesem Jahr so gehypt worden wie das Thema “Multimediale Reportagen”. Was noch vor Jahresfrist als ein Privileg großer und überregionaler Redaktionen galt, ist inzwischen im Alltag angekommen. Aber wie geht das am besten? Ein Leitfaden, der sich ganz klassisch an den “fünf W´s” orientiert…

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Was?

Muss man jetzt jede Reportage zu einem multimedialen Feature machen? Die Frage taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Beantworten lässt sie sich vergleichsweise einfach: nein, muss man nicht. Im Gegenteil, man sollte sich im Vorfeld sehr genau überlegen, ob eine Geschichte wirklich für eine multimediale Aufbereitung trägt. Da stellt sich beispielsweise schon früh die Frage, welche Videos man benötigt. Sicherer Indikator: Wenn man dann in den eigenen Planungen eher halbherzig beschließt, man könnte ja den einen oder anderen Protagonisten noch in einem Video interviewen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man womöglich ein Video um des Videos willens macht. Klarer Grundsatz also: Multimedia nicht um Multimedia willen machen. Wenn sich für eine Geschichte keine multimedialen Elemente wirklich anbieten, dann ist die klassische Kombination von Text und Bild vermutlich die bessere Lösung. Zudem gilt: Man muss für eine solche Geschichte nicht zwingend eine multimediale Agenda abarbeiten, nach der unbedingt jede Form eines multimedialen Elements in die Geschichte packen. Gut arbeiten lässt sich nach dem folgenden Prinzip: bei jedem geplanten Element sich selbst zu fragen, ob es dafür einen zwingenden Grund gibt. Wenn man sich selbst die Frage, warum ein Video oder ein Audio sein muss, nicht richtig beantworten kann, dann sollte man es besser bleiben lassen.

Warum?

Das Argument hört man immer wieder mal: Wenn man eine lange, gute Geschichte lesen will, dann stören zusätzliche multimediale Elemente nur. Weil sie den Lesefluss unterbrechen. Und weil sie in vielen Fällen nichts Essentielles zu der Geschichte beitragen. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen – und wenn es denn wirklich so ist, dann lässt man es besser bleiben und schreibt einfach nur einen guten Text (siehe oben). Tatsächlich stellt also die Frage “Warum Multimedia?” über allem, bevor man sich hinsetzt und produziert. Tatsächlich gibt es ja auch eine ganze Reihe von potentiellen guten Gründen, eine Geschichte multimedial aufzubereiten. Der Wichtigste ist so banal wie zwingend. Es gibt hinreichend viele Dinge, die sich mit Worten sehr viel schlechter darstellen lassen als beispielsweise mit Videos, Audios oder auch Daten.

Wie?

Multimediales Storytelling hat seine Tücken, potentielle Stolpersteine gibt es viele. Die vermutlich größte Gefahr: ein Stück zu produzieren, das leider nur eine Ansammlung vieler Einzelteile ist. Und die Summe aller Einzelteile ergibt leider nicht zwingend ein großes Ganzes. Man kommt also an einer gleichzeitig simplen wie komplexen Aufgabe nicht vorbei: Die Dinge müssen in einem Kontext stehen. Und: Sie dürfen nicht redundant sein. Wenn ein Protagonist in einem Video exakt das erzählt, was er auch im Text sagt, dann macht eines dieser beiden Elemente keinen großen Sinn. Auf der anderen Seite steht allerdings auch die Anforderung, dass man jedes einzelne Element gut verstehen können muss, ohne ein anderes Element zuvor wahrgenommen zu haben. Etwas weniger komplex ausgedrückt: Wenn der Nutzer ein Video nur kapieren kann, er vorher den Text gelesen hat, dann ist auch wieder etwas schief gelaufen. Am besten macht man sich bei der Konzeption eines solchen Stückes vorher den entscheidenden Unterschied zwischen einer getexteten und einer multimedialen Reportage klar. Der Text setzt voraus, dass man ihn komplett lesen muss, um ih zu verstehen. Bei der multimedialen Reportage ist im Regelfall schon alleine wegen ihres potenziell enormen Umfangs eher zu erwarten, dass kaum jemand jede Zeile Text, jedes Video, jedes Audio, jede Infografik nutzt. Eine multimediale Reportage erlaubt dem Nutzer also im Regelfall ein selektives Leseverhalten.

Gerade weil diese Anforderungen so verwirrend komplex sind, kommen Autoren solcher Stücke an einem Storyboard nicht vorbei. So banal wie es klingt – aber bei einer multimedialen Reportage ist Planung zwar noch nicht alles, aber trotzdem unentbehrlich. Einer nicht geplanten Reportage sieht man das sofort an: weil sie dann eben doch nur eine Ansammlung vieler Einzelstücke ist.

Wer?

Es mag auf den ersten Blick verwirrend klingen, wenn man beim Thema “Multimedia-Reportagen” die Frage nach dem “wer” stellt. Trotzdem: sie ist entscheidend. Weil die beschriebenen hohen Anforderungen, sowohl quantitativ als auch qualitativ, zumindest eines klar machen: Einer alleine wird es nicht schaffen, solche Stücke auf die Beine zu stellen. Die Praxis zeigt, dass es keine Seltenheit ist, wenn vier, fünf oder noch mehr Kollegen mehrere Wochen brauchen, bis sie ein großes Multimedia-Feature auf die Beine gestellt haben. Die Frage nach dem “wer” ergibt sich auch aus den sehr unterschiedlichen Anforderungen an ein multimediales Stück. Es kommt eher selten bis gar nicht vor, dass jemand jede Darstellungsform gleich gut beherrscht und gleichermaßen gute Videos dreht wie er Texte schreibt. Es macht also Sinn, sich vorher konkrete Gedanken zu machen: Wer kümmert sich um die Texte, wer macht Fotos, wer dreht Videos, wer analysiert ein paar Daten und bereitet sie auf? Multimediales Storytelling hat also sehr viel mit Teamwork zu tun.

Wo (und womit)?
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Natürlich: Multimedia-Stücke kann man selbst programmieren. Wenn man denn zum einen überhaupt coden kann und man zweitens die Zeit und Lust dazu hat. Einfacher ist es, sich bestehender Programme zu bedienen. Von denen gibt es inzwischen einige, mit allen Vor- und Nachteilen. Am gängigsten sind derzeit wohl viagra vs cialis daily und “Creatavist”. Während Pageflow vor allem dann sehr geeignet ist, wenn man mit viel (gutem) Bewegbildmaterial arbeiten will, entfaltet “Creatavist” seine Stärken vor allem dann, wenn man längere Textstücke in den Mittelpunkt stellen und durch multimediale Elemente eher ergänzen will. Bei Pageflow ist es genau umgekehrt; Das Bewegbild steht im Mittelpunkt, der Text ergänzt eher. Beide Programme sind webbasiert erhältlich, eine Installation auf dem eigenen Server ist nicht nötig. Zudem bieten beide eigene Trial-Accounts an, mit denen man erst einmal ausprobieren kann, ob das Programm auch das ist, was man sucht. Danach wird es dann kostenpflichtig und unterschiedlich teuer; je nach dem, was und wie viel man damit machen will.

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