Medienwandel 13. Mai 2014

Kommen 900.000 Euro für unabhängigen Journalismus?

by Christian Jakubetz

Es ist das größte und gewagteste Crowdfunding-Vorhaben, das es bisher im deutschen Journalismus gegeben hat: 15.000 Unterstützer werden gebraucht, die monatlich 5 Euro (respektive 60 Euro im Jahr) einzahlen, um das Magazin „krautreporter.de“ an den Start zu bringen. Das Projekt hat am Dienstag begonnen – in exakt vier Wochen wird man dann wissen, ob es erfolgreich war…

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Dabei ist Crowdfunding vielleicht ein etwas irritierender Begriff bei diesem Projekt. Denn im Prinzip handelt es sich dabei um nichts anderes ist als eine Vorbestellung. Die Unterstützer bekommen natürlich auch etwas für ihr Geld. Nämlich den Zugang zur Krautreporter-Community. Zahlende Nutzer werden dann die einzigen sein, die dort kommentieren können. Alle andere können das werbefreie Angebot „nur“ lesen. Herausgeber ist u.a. Krautreporter-Gründer Sebastian Esser, Chefredakteur wird Alexander von Streit, zuletzt Chefredakteur der deutschen „Wired“.

Die Redaktion besteht zu einem großen Teil aus bekannten Autoren und Journalisten. Quer durch alle Ressorts sind bekannte Namen vertreten, die meisten von ihnen haben sich speziellen Themenbereichen einen Namen gemacht, mit dem sie dann auch für die „Krautreporter“ stehen. Von jedem Autoren soll nach den bisherigen Planungen ein Text pro Woche erscheinen; bei rund 20 Beteiligten hieße das statistisch: Jeden Tag erscheinen drei neue Geschichten. Bei den „Krautreportern“ geht es allerdings eindeutig auch nicht um die Masse, nicht um das Mithalten mit Nachrichtenangeboten, die sich im Minutentakt aktualisieren. Sondern um ausgeruhten Journalismus, der außerhalb der üblichen Zwänge funktionieren soll.

Die Unterstützung funktioniert denkbar einfach: Ein Nutzer schließt eine Art Jahres-Abo für 60 Euro ab. Diese Mitgliedschaft gilt für exakt ein Jahr und verlängert sich nicht automatisch. Kommen die erforderlichen 15.000 Unterstützer nicht zusammen, wird das Geld auch nicht fällig, das Projekt kommt dann schlichtweg nicht zustande.

Ein wichtiger Aspekt bei der Idee der „Krautreporter“ ist allerdings nicht nur die ungewöhnliche Finanzierung. Sondern insbesondere der Inhalt. Die Redaktion stört sich an vielen Gepflogenheiten, die im Onlinejournalismus Einzug gehalten haben. Klickstrecken, versteckte Werbung, lauter solche Sachen. Deshalb will das Angebot auf Werbung ebenso verzichten wie auf maßlose Suchmaschinenoptimerung. Stattdessen setzt das Projekt auf seine (zahlenden) Mitglieder – die Community ist es, für die man Arbeit, nicht das große, weite und irgendwie undefinierte Netz…

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