Menschen 18. Februar 2014

Konrad Weber: Total digital normal

by Christian Jakubetz

Texten, fotografieren, filmen, Audios produzieren: Journalisten im digitalem Zeitalter verlangt man oft ab, das alles zu können. Nicht selten, dass sie sich davon überfordert fühlen. Einer, der das alles kann und macht, ist gerade zum „Newcomer des Jahres“ in der Schweiz gewählt worden. Und das, obwohl er seine Arbeit gar nicht mal sonderlich außergewöhnlich findet…

Konrad Weber im multimedialen Dienst - hier bei einer interaktiven Live-Reportage von der Landsgemeinde Glarus im Mai 2013 für SRF. (Foto: SRF)
Konrad Weber im multimedialen Dienst – hier bei einer interaktiven Live-Reportage von der Landsgemeinde Glarus im Mai 2013 für SRF. (Foto: SRF)

Wenn man Konrad Weber fragt, welcher Art des Journalisten er sich am ehesten zugehörig fühlt, kommt die Antwort schnell: „Ein Journalist, der die neuen, digitalen Möglichkeiten ausschöpft“. Sonst aber mache er auch nichts anderes als das, was Journalisten sonst so tun. Eine Antwort, die gleicheren erstaunt wie selbstverständlich erscheint. Selbstverständlich deshalb, weil der Umgang mit digitalem Handwerkszeug im Jahr 2014 eigentlich nichts ungewöhnliches mehr sein sollte. Erstaunlich deshalb, weil Konrad Weber in der Schweiz gerade erst zum „Newcomer des Jahres“ bei der Wahl der „Journalisten des Jahres“ gewählt wurde. Was wiederum darauf hindeutet, dass der Umgang mit der digitalen Welt vielleicht doch noch nicht so selbstverständlich ist.

Zur Person: Konrad Weber

Konrad Weber arbeitet als Redakteur bei Schweizer Radio und Fernsehen und
ist dort Teil der News-Onlineredaktion. Zur einen Hälfte arbeitet er als
Journalist am Newsdesk, zur anderen Hälfte konzipiert er interaktive
Sendungen für die Informationsabteilung von SRF und ist dort oft auch Teil
der Umsetzung dieser multimedialen Formate.

Im Netz ist er zu finden unter:

Eigene Website: http://www.konradweber.ch
Konrad Webers Arbeiten bei SRF:
http://www.srf.ch/suche?q=%22konrad+weber%22&rubric=
Twitter: http://www.twitter.com/konradweber
#Mustreads
http://konradweber.tumblr.com/

Zumindest nicht so selbstverständlich, wie es bei dem Schweizer „Newcomer des Jahres“ der Fall ist: Weber kann Radio, kann TV, kann Multimedia. Dass er quasi nebenher noch bloggt und auf den verschiedenen sozialen Netzwerken aktiv ist, versteht sich beinahe von selbst. Aber wo kommt dieses Können her? Die Antwort ist simpel und trotzdem kompliziert: Weber ist ein klassischer Autodidakt, eine multimediale Ausbildung hat er nicht genossen. Stattdessen greift auch bei Weber das Prinzip, das man jungen Journalisten immer wieder gerne ans Herz legt: ausprobieren, machen – und wenn es nicht funktioniert, dann nochmal neu versuchen. Die Problematik, dass multimediale Journalisten irgendwann mal alles ein bisschen und nichts richtig gut können, sieht er dennoch. Die Lösung: Journalisten müssen mehr und mehr in Teams arbeiten, gute, multimediale Produktionen funktionieren nicht mehr anders. Bis zu einem gewisse Grad, so seine Überzeugung, können Journalisten auch als Allrounder und Einzelkämpfer relativ weit kommen. Aber bei großen, onlinejournalistischen Projekten, die multimedial und über mehrere Plattformen hinweg funktionieren sollen, sei Teamwork unverzichtbar.

Trotz alledem: Nach wie vor ist das Ressort „Online“ nicht gerade das, in das der journalistische Nachwuchs mit Begeisterung strebt. Das weiß auch Weber; nicht nur aus diversen Studien und Umfragen, sondern auch aus eigener Erfahrung. Nach seiner Einschätzung ist trotz alledem Print immer noch das Metier, das der Journalisten-Nachwuchs bevorzugt wählt. Gleichwohl hat aber auch der Schweizer Multimediamann eines erkannt – nämlich dass die immer noch skeptische Haltung zu digitalen Medien keine Frage des Alters, als vielmehr eine Frage der Einstellung ist.

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