Social Media 5. Februar 2014

Facebook macht künftig in Papier

by Christian Jakubetz

Ein gigantisches Netzwerk feiert Geburtstag: In gerade mal zehn Jahren ist der Einfluss von Facebook auf Journalismus und Medien so groß geworden wie wohl noch von keiner Webseite zuvor. Da mutet es so merkwürdig und ein Stück weit auch bedrohlich an, dass der Social-Media-Riese aus den USA seine Zukunft ausgerechnet auf Papier sucht…

Facebook-Paper-1

Über Facebook ist viel geschrieben worden in den letzten Wochen. Nicht nur wegen des 10. Geburtstages. Sondern auch, weil es eine ganze Reihe von Stimmen gab (und gibt), die den Zenit des Zuckerberg-Imperiums überschritten sahen. Die unlängst vorgelegten neuesten Zahlen des Unternehmens geben bisher allerdings noch keinen Beleg für diese These her. Im Gegenteil: Vor allem auf dem mobilen Markt, der allgemein als das nächste große Ding im Netz gesehen wird, verdient Facebook momentan richtig gutes Geld.

Unbestritten ist auch, dass Journalisten an Facebook aus vielerlei Gründen nicht mehr vorbei kommen – ob sie jetzt mögen oder nicht. Das Netzwerk ist ein ausgesprochen wichtiger Multiplikator und ein virtueller Treffpunkt mit potenziellen Nutzern zudem. Das ergibt sich schon alleine aus der schieren Masse: An über einer Milliarde Menschen weltweit und rund 40 Millionen in Deutschland kommt man schlichtweg nicht vorbei.

Allerdings ist genau das auch die Crux am momentan Facebook-Erfolg: Das Wachstum der Nutzerzahlen ist naturgemäß nicht unendlich, es flaut ab, an manchen Stellen und manchen Altersgruppen ist es bereits zum erliegen gekommen. Jetzt setzt Facebook auf eine Anwendung, die einen Namen trägt, der im digitalen Zeitalter erst einmal absurd wirkt: „Paper“.

Introducing Paper from Facebook on Vimeo.

Natürlich: Facebook geht jetzt nicht unter die Zeitungsverleger und wird auch ansonsten nichts auf Papier drucken. Paper ist eine Anwendung für Smartphones, das Gerät, in dem ohnehin viele das künftige Informationsmedium schlechthin sehen. Nicht einfach eine App, in der die mobile Version der Facebook-Seite aufgerufen werden kann (das gibt es ja ohnehin schon.)

Stattdessen ist „Facebook Paper“ eher ein Aggregator, so wie beispielsweise „Flipboard“. Und da beginnt es, für Medien interessant zu werden: Mit einem Aggregator werden zwar auch persönliche Geschichten von Freunden gesammelt bzw. kann man sie sich so konfiguren, dass Statusmeldungen von Freunden oder deren Beiträge angezeigt und in einer deutlich attraktiveren Form als der bisherigen Timeline präsentiert werden. Ein Aggregator und seine Darstellungsform ist aber auch wie gemacht für redaktionelle Inhalte. Man kann sich den Aggregator also vorstellen wie eine Mini-Tageszeitung auf dem Display einer Tageszeitung, eine ständig aktualisierte, die sich aus potentiell unendlich vielen Quellen speist. Was auf der einen Seite für Nutzer eine schöne Sache, für Medienunternehmen aber ich eine latente Bedrohung ist. Wenn es eine solche daueraktuelle „Tageszeitung“ gibt (deshalb eben auch der Name „Paper“), wird der Markt für andere redaktionelle Angebote enger. Zumal die sich kaum aus derart vielen Quellen speisen können wie die Facebook-App.

Seit Montag ist die App im US-Store von iTunes erhältlich. Ein Erscheinungsdatum in Deutschland ist noch nicht bekannt.

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