Software 31. Dezember 2013

Mit ein paar Tools zum Audio-Alleskönner

by Christian Jakubetz

Jeder kann Audio machen.  Womöglich sollte jeder auch wissen, wie man Audio machen kann. Vor Jahren noch dem Thema Radio vorbehalten, ist das Audio inzwischen zu einer wichtigen journalistischen Darstellungsform geworden. Auch und vor allem dann, wenn man multimedial arbeiten will. Ein Überblick über die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten und Produktionsformen.

Ein Mikro, ein bisschen Equipment, manchmal reicht sogar schon ein Smartphone: Die Produktion von Audios ist im digitalen Zeitalter sehr viel einfacher geworden. (Foto: Thorsten Pahlke/pixelio.de)

Natürlich gibt es immer noch das gute, alte Radio. Daneben aber existiert unzähliges anderes, für das man mittlerweile Audios einsetzen kann. Podcasts beispielsweise, längst zu einer etablierten Form des Journalismus geworden.  Wer Webvideos produzieren will, sollte sich mit den Grundlagen von Audioproduktion ebenso auskennen wie jemand, der eine Audio-Slideshow macht.

Kurz gesagt: Audio ist schon lange nicht mehr eine singuläre, eine abgeschlossene Mediengattung, die von darauf spezialisierten Journalisten gemacht wird. Audio kann das zwar noch sein – aber immer öfter kommt es vor, dass Audios auch Bestandteil multimedialer Projekte sind. Was man wofür können und beachten muss:

Podcast

Was vor wenigen Jahren noch eine Sache für digitale Insider war, ist inzwischen zum geflügelten Wort geworden: Der Podcast ist fester Bestandteil des Themas “Audio”. Nahezu jeder Radiosender bietet nicht nur seine Sendungen zum Download an, sondern sehr häufig auch noch zusätzliches Material, das “on air” nicht zu hören war (beispielsweise vollständige Interviews, von denen es in der “normalen” Sendung nur ein paar Auszüge zu höfen gab).

Neben den etablierten Radiosendern gibt es inzwischen auch ein kaum mehr zu überschauendes Angebot von Podcasts von freien Journalisten, Verbänden, Organisationen – und manchmal auch nur von talentierten Laien. Der Grund dafür ist einfach: Es ist inzwischen denkbar simpel geworden, solche Podcasts zu produzieren. Neben ein bisschen Ausrüstung benötigt man etwas Webspace und ein kleines bisschen technisches Geschick, um den Podcast dann auch tatsächlich zum Hörer zu bringen.

Bei der Suche nach dem richtigen Webhoster Tipps zu geben, ist angesichts der riesigen Auswahl und der sich laufend ändernden Tarife fast unmöglich. Faustregel: Mindestens 100 MB Speicherplatz sollte es sein, daneben wäre es gut, wenn das gebuchte Paket die Skriptsprache PHP und die Einrichtung einer MySQL-Datenbank erlaubt. Tipp: Die Seite webhostlist.de bietet einen umfangreichen Überblick darüber, wer welche Angebote zu welchem Preis macht.

Die richtigen Formate

Wenn man sich mit dem Thema Audio beschäftigt, dann stellt sich immer auch die Frage nach dem richtigen Format. Die wichtigsten Formate mit ihren Vor- und Nachteilen im Überblick:

WAV:  (wave form audio *.wav)

WAV-Audios sind im Regelfall nicht komprimierte Dateien. Das bedeutet, dass sie in ihrer höchsten Qualität verfügbar sind. Allerdings erfordern diese Dateien auch eine großen Speicherbedarf. Das heißt, man wird zwar Dateien möglicherweise in diesem Format aufnehmen, sie aber speziell im Netz nicht als WAV ausgeben.

 

MP3: (MPEG-1 Audio Layer 3 *.mp3)

MP3 ist inzwischen das gebräuchlichste und wohl auch bekannteste Format im Netz. Sein entscheidender Vorteil ist die Möglichkeit, Dateien erheblich zu reduzieren, ohne dass sie spürbar an Qualität verlieren. Musikdateien beispielsweise werden dabei in der Größe um bis zu 90 Prozent reduziert. Deswegen wird mp3 auch sehr gerne von Journalisten für Wortbeiträge oder Podcasts verwendet.

 

WMA: (Windows Media Audio *.wma)

Audioformat für Windows Betriebssysteme. Hohe Kompression mit guter Qualität. Die Vorteile sind damit ähnlich wie beim mp3-Format, allerdings ist die Kopplung an das Windows-Betriebssystem ein potentieller Nachteil.

 

AAC: (Advanced Audio Coding *.aac)

AAC gilt als qualitativ verbesserter Nachfolger von MP3. Die Vorteile von AAC Audiodateien sind die vergleichsweise kleinen Dateien bei dennoch exzellenter Qualität. AAC wird beispielsweise von Apples iTunes als Standardformat verwendet. Auf breiter Ebene ist allerdings immer noch mp3 das gebräculichere Format.

 

OGG (*.ogg)

Ursprünglich als Alternative zum  MP3 Format entwickelt, hat sich OGG kaum durchgesetzt. Bietet keine entscheidenden Vorteile gegenüber mp3, hat aber auch keine gravierenden Nachteile.

Das Produzieren und auch das Veröffentlichen von Audiofiles auf der eigenen Webseite oder bei Anbietern wie Soundcloud ist weitgehend unproblematisch. Etwas schwieriger wird es dagegen, wenn man seinen Podcast bei iTunes einstellen will. Aufgrund der enormen Reichweite wäre das allerdings ein empfehlenswerter Schritt. Für iTunes sind neben der Angabe des obligatorischen und für ein “Abo” notwendigen RSS-Feeds zusätzliche Angaben nötig. Diese Spezifizierungen werden auf der Seite www.apple.com/itunes/podcasts/specs/html genau beschrieben. Auch alle weiteren Schritte werden auf der iTunes-Seite angegeben. Zu beachten ist zudem zweierlei: Jeder Podcast wird vor der Veröffentlichung von Apple geprüft. Es kann also schon mal mehrere Tage dauern, bis er dann online ist. Und zweitens: Apple verlangt bei der Anmeldung eines eigenen Podcasts die Angabe einer Kreditkarte. Diese wird aber nicht belastet, sie dient lediglich zur eindeutigen Zuweisung von Nutzeraccounts. Das Publizieren von Podcasts bei iTunes ist generell kostenlos.

Tipp: Wenn ein Podcast-Abo technisch nicht so läuft wie gewünscht, dann ist häufig der RSS-Feed die Fehlerquelle. Auf der Seite feedvalidator.org kann man schnell und kostenlos überprüfen, oder Feed “valid”, als noch gültig und in Ordnung ist.

Übrigens, wenn hier zumeist von Audio-Podcasts die Rede ist: Die hier beschriebenen Prozedere insbesondere zur Anmeldung und Veröffentlichungen von Feeds gelten auch für Video-Podcasts!

Die richtige Software

Um ein Audio zu produzieren, benötigt man zweierlei. Zum einen Equipment für die Aufnahme (Link zum entsprechenden Kapitel). Zum anderen Software, mit der diese Aufnahmen dann “in Form” gebracht werden. Im Gegensatz zu den Aufnahmegeräten kommt an solche Schnittprogramme aber kostenlos bzw. für verhältnismäßig wenig Geld.

Das bekannteste kostenlose Schnittprogramm ist “Audacity”. Das Programm ist sowohl für Windows als auch Mac als Freeware erhältlich. Mit “Audacity” lassen sich auch aufwändigere Audiobeiträge gut produzieren. Wer nicht gerade etwas speziellere Anwendungen benötigt, kommt mit diesem Programm ausgezeichnet über die Runden. Es beherrscht alle gängigen Funktionen und exportiert die bearbeiteten Files auch in nahezu alle gewünschten Formate (hier Link zum Video-Tutorial).

Beliebt auf dem Mac ist vor allem “Soundstudio”. Auf dem Mac spielt es ein paar Stärken aus. Es arbeitet problemlos mit einer ganzen Reihe von Formaten: Apple AIFF mit Marker-Unterstützung, CD Audio Track, WAV, System 7 Sound, Sound Designer II, Dual-mono Import/Export, QuickTime Import/Export (importiert MP3) und QuickTime-Formate. Kosten: rund 80 Euro für die Vollversion.

Wer Programme von Audobe nutzt bzw. möglicherweise sogar die komplette CS in seinem Besitz hat, wird dort auf “Audition” stoßen. Es lässt sich integriert sehr gut mit den anderen Programmen von Adobe verwenden und ist vor allem dann von Vorteil, wenn man schnell mal eine Tonspur für ein mit Premiere zu schneidendes Video anlegen will. Die Benutzerführung orientiert sich an den von Adobe gewohnten Standards. Audition richtet sich vor allem an Nutzer, die professionell auch Dinge wie Abmischen oder Restaurieren von Audiodateien vornehmen wollen. Die CS von Adobe gibt es inzwischen in einer Art Leasing-Modell, bei der man die Software quasi mietet und nicht mehr für einen vergleichsweise hohen Anschaffungspreis kaufen muss.

Ebenfalls gebräuchlich und eine Alternative zu den Adobe-Programmen ist “Wavelab”. Bei einem Preis von rund 500 Euro lohnt sich die Investition allerdings nur für Journalisten, die das Thema Audio wirklich professionell angehen wollen.

Mobil produzieren

Noch sehr viel mehr als beim Thema Video ist das mobile Produzieren von Inhalten bei Audios inzwischen zum Thema geworden. Für einfache Audios benötigt man de facto mittlerweile nur noch ein ordentliches Smartphone. Wer dann noch ein paar Euro für entsprechende Apps ausgibt, der hat ein kleines Studio in der Hosentasche. Eine Übersicht der wichtigsten Tools gibt es hier.

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