Software 16. Dezember 2013

Sag mir, wer du bist – und ich sag dir, was du liest

by Christian Jakubetz

Millionen Webseiten, soziale Netzwerke, Blogs, Videos: Das Netz ist in seiner Größe schlichtweg unübersichtlich. Deswegen spielen Aggregatoren eine immer größere Rolle, auch und vor allem für Journalisten. Ein Münchner Start-up hat jetzt einen neuen veröffentlicht. Was er kann und wie gut die anderen sind – in einer kleinen Übersicht…

Die Idee ist eine simple: Wenn man begeisterter Blogleser ist, dann wäre es doch ein einfaches, aus diesen Blogs eine Art Magazin zu machen. Was vor allem bei Blogs eine nachfliegende Geschichte ist. Schließlich gibt es viele Blogs, die nicht täglich gefüllt werden und bei denen man naturgemäß auch nicht jeden Tag vorbei schaut. Die „Blogbox“ bietet die Möglichkeit, aus Blogs eine Art Magazin zu machen. Für das iPad existiert die App schon länger, jetzt ist sie auch für das iPhone erhältlich. Ihre Erfinder bezeichnen die Blogbox als „Meta-Magazin für die mobile Infogesellschaft“.

Das Prinzip ist einleuchtend – die Umsetzung ist allerdings noch verbesserungswürdig: Zwar kann man mit der Blogbox die Ressorts auswählen, die den Nutzer interessieren. Nicht aber die einzelnen Blogs. Genauer gesagt: Es ist nicht jedes Blog über die Blogbox abonnierbar. Man hat Ressorts zur Verfügung und mit diesen Ressorts abonniert man dann bestimmte Blogs. Lediglich einige wenige sind zusätzlich noch abonnierbar. Das mildert den Reiz eines solchen Aggregators allerdings spürbar: Wenn die Auswahl von vornherein eingeschränkt ist, dann ist eine individuelle Nutzung eben nur sehr eingeschränkt machbar.  Und vor allem verliert der Aggregator seine eigentliche Funktion und nähert sich eher dem Prinzip eines redaktionell gestalteten Magazins an. Letzter Nachteil schließlich: Bei Abertausenden Blogs, die es alleine in Deutschland gibt, ist es ein bisschen schade, wenn die Auswahl auf ein paar Dutzend beschränkt wird, zumal einige sehr populäre und viel gelesene Blogs in der Auswahl gar nicht enthalten sind.

Aggregatoren in der Übersicht

rivva

Rivva.de: Die Mutter der deutschen Aggregatoren. Das Projekt des Programmierers Frank Westphal ging schon früh an den Start, machte dann mal eine längere Pause und wurde mit Unterstützung von BMW dann wieder reaktiviert. Bei Rivva gibt es einen Überblick über die meistdiskutierten und verlinkten Geschichten im Netz, man findet dort aber sehr häufig eben Geschichten, die nicht in den großen Nachrichtenseiten des Netzes stehen. Nach Einführung des Leistungsschutzrechts nahm Rivva einige Seiten aus dem Angebot, auch die Abstracts sind inzwischen so kurz gehalten, dass sich mit allen Eventualitäten des LSR kompatibel sind.

Tame: Kein klassischer Aggregator, eher eine Mischung aus Suchmaschine und Aggregator. Mit Tame lässt sich Twitter sehr gezielt durchsuchen und auswerten.

Flipboard: Geht nur auf mobilen Endgeräten, macht dort aber sehr schöne, stylishe Magazine. Flipboard greift auf die sozialen Netzwerke zu, die der Nutzer angibt. Aus den dort geposteten Links baut die App dann Seiten zusammen, die sehr an ein klassisches Online-Magazin erinnern. Sieht deutlich schöner aus, als bspw. die nicht wirklich schöne Facebook-Timeline. Was aber fehlt: Chronologie. Auf der anderen Seite: Wirklich chronologisch ist die Facebook-Timeline ja auch nicht gerade.

10.000 Flies: Heißen im Untertitel auch „Social-Media-Charts“. Man ahnt es: Hier geht es weder um inhaltliche Relevanz noch um Freunde und Netzwerke, sondern um die schiere Masse. Je mehr „Flies“ eine Geschichte hat, desto höher wird sie gelistet. Ist dann interessant, wenn man einfach nur wissen will, was eine sehr große Masse im sehr großen Netz gerade liest. Sagt nichts über Qualitäten oder Bedeutungen aus.

Zite: Englischsprachiger Aggregator, der ähnlich aussieht wie bspw. Flipboard. Der Unterschied: Zite ist lernfähiger. Je mehr und präziser man die App füttert, desto mehr passt sie sich an die Vorlieben und die Wünsche des Nutzers an. Macht dann auch sinnvolle Vorschläge für Seiten und Geschichten, die man bisher noch nicht entdeckt hatte.

Ebuzzing.de: Auch ein klassischer Aggregator – mit dem Unterschied allerdings, dass dort der Schwerpunkt auf Videos liegt. Wer also wissen will, welche Videos im Netz gerade so richtig viral gehen, der ist hier richtig.

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