Foto, Software 22. Mai 2013

Yahoo: Neues Tumblr, neues Flickr, neues Image

by Christian Jakubetz

Yahoo galt lange Zeit als eingeschlafener Riese aus den Gründerzeiten des Webs. Doch die neue Chefin, die Ex-Google-Frau Marissa Mayer, sorgt gerade dafür, dass Yahoo in der Öffentlichkeit wieder wahrgenommen wird: Neues Image, neue Produkte. Mit Flickr und Tumblr gehören jetzt zwei Produkte zum Konzern, die auch für Journalisten spannende Werkzeuge sein können.

Für das meiste Aufsehen hat in den letzten Tagen die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr gesorgt. Für rund 1,1 Milliarden Dollar zog Yahoo damit ein Unternehmen an Land, das vor allem durch seine rasant wachsenden Nutzerzahlen aufgefallen war. Tumblr ist auch deshalb so beliebt bei den Nutzern, weil es sich im Gegensatz zum Konkurrenten WordPress immer an das Prinzip einer sehr einfachen Bedienbarkeit gehalten hat. Während WordPress zunehmend mehr zu einem ausgewachsenen Content Management System geworden ist, mit dem sich auch komplexe Webseiten bauen lassen, gilt bei Tumblr immer noch die Idee: so schnell und so einfach wie möglich. Zudem können innerhalb des Tumblr-Systems andere Blogs sehr einfach abonniert und geteilt werden. Generell verfügt Tumblr also über eine ausgeprägte Community-Komponente.

Die einfache Bedienbarkeit macht Tumblr vor allem für Journalisten interessant, die eine Webseite eher reduziert wie einen Notizblock oder eine Pinnwand nutzen wollen. Oder wie ein Tagebuch. Komplexere Seiten sind dagegen mit Tumblr nicht zu machen, für solche Projekte bleibt auch weiterhin WordPress die eindeutig bessere Option. Dennoch hat Tumblr in den letzten Jahren anscheinend wirklich den Nerv der Nutzer getroffen. Die Zahl der Postings ist insbesondere in den letzten Monaten explosionsartig gestiegen. 

Tumblr wurde 2007 gegründet und beheimatet mittlerweile 109 Millionen Blogs mit insgesamt 51 Milliarden Blog-Posts. Pro Sekunde kommen derzeit 900 Einträge hinzu und ist damit eines der am schnellsten wachsenden Medien-Netzwerke der Welt. Interessante Pointe am Rande: Am Tag der Bekanntgabe der Übernahme durch Yahoo vermeldete WordPress eine auffallend starke Migration von Tumblr-Beiträgen in das WordPress-System. Ob dies allerdings korrekt ist oder ob die Netzgemeinde tatsächlich verschnupft auf die Übernahme durch den Netzriesen reagiert, kann naturgemäß momentan nicht mit Gewissheit gesagt werden.

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Fast zeitgleich mit der Übernahme von Tumblr stellte Yahoo auch ein zweites neues Projekt vor: den Relaunch und die Neukonzeption des Fotodienstes Flickr. Zwischen Flickr und Yahoo gibt es, wenn man so will, einige Parallelen. Auch Flickr war vor seiner Übernahme durch Yahoo einmal ein innovatives Unternehmen, das neue Optionen im Netz eröffnete und auf seinem Gebiet einige Zeit lang Nummer eins war. Der Fotodienst verharrte dann aber lange Zeit auf seiner Idee, einfach nur eine gigantisch große Datenbank für Fotos sein zu wollen. In der Zwischenzeit hatten Unternehmen wie „Instagram“ schon lange den grassierenden Community-Gedanken im Netz aufgegriffen und aus den puren Datenbanken soziale Netzwerke gemacht. Bei vielen Nutzern kamen zudem Spielereien wie die zahlreichen Filter gut an.  Das hatte zur Folge, das sich das Publikum einigermaßen streng aufteilte: Bei Flickr finden sich viele richtig gute Fotografen, die ein wenig unter sich sein wollen und denen die Verwendung von automatisierten Filtern eher ein Graus ist. Bei Instagram und Co. fand sich dagegen die Masse.

Jetzt hat Flickr seine Ausrichtung geändert – und das sogar einigermaßen stark. Neben einem optischen und überfälligen Relaunch setzt Flickr jetzt ebenfalls stärker auf das Massenpublikum. Die bisherigen Pro-Accounts, mit denen man für einen Betrag von rund 20 Euro pro Jahr unbegrenzte Bildermengen hochladen konnten, sind abgeschafft worden. Die Mitgliedschaft ist jetzt generell kostenlos. Die Speicherkapazität ist auf 1 Terrabyte begrenzt, wobei das für den Normaluser ein eher theoretisches Konstrukt ist. Je nach Bildergröße entspricht das mehreren hunderttausend Bildern. Und wem das dann immer noch nicht reicht, der hat immer noch die Möglichkeit, ein zweites Terrabyte dazuzukaufen (wenn auch für stolze 455 Dollar im Jahr).

flickr

Für Journalisten, die mit Fotos (und sehr eingeschränkt) mit Videos arbeiten, ist Flickr nach der Neugestaltung allerdings wieder zu einer interessanten Option geworden. Bei einem TB Speicherplatz eignet sich Flickr zum einen sehr gut als Datenbank, die man zudem mit Sets, Alben und anderen Möglichkeiten sehr sauber strukturieren kann. Zudem ist die Möglichkeit des Geo-Taggings geblieben, ebenso die der Verschlagwortung und des Framings über einen Embedding-Code. Nach wie vor verzichtet Flickr auf Schnickschnack wie Filter und versammelt wohl auch weiterhin ein Publikum, das fotografiert – und nicht knipst. Insofern also wohl genau das richtige für Journalisten, die mit Fotos und Videos arbeiten.  Bei Videos sind die Möglichkeiten des Uploads allerdings immer noch sehr bescheiden. Mehr als ein 3-Minuten-Stück kann nicht hochgeladen werden. Das bleibt also weiterhin bestenfalls eine nette Zusatzoption.

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