Meinung 8. Januar 2013

5 erste Schritte ins Journalistenleben

by Christian Jakubetz

Journalist im digitalen Zeitalter – wie wird man das eigentlich? Muss jetzt jeder alles können und muss man bloggen und muss man bei Facebook sein? Fünf Thesen und Antworten auf Fragen, die sowieso immer wieder gestellt werden. Für Einsteiger, aber auch für Fortgeschrittene. Von Christian Jakubetz.

(Foto: Iwona Golczyk_pixelio.de)
(Foto: Iwona Golczyk_pixelio.de)

1. Vergesst Online!

Bitte, was? Da redet alle Welt von diesem Internet – und dann steht hier, man sollte das wieder vergessen? Natürlich ist damit nicht gemeint, sich nicht für das Internet zu interessieren. Eher im Gegenteil: Das Netz und der sichere Umgang damit sollte für Journalisten inzwischen so selbstverständlich sein wie das Schreiben von Texten. Würde man irgendjemanden empfehlen, sich besonders um das Texten zu kümmern, wenn man Journalist werden will? Selbstverständlichkeiten sind kein Ratschlag. Und deswegen steht hier bewusst nicht der Ratschlag, Netzkompetenz zu entwickeln. Weil es selbstverständlich ist, dass man sie hat. Unter dem Strich bleibt also bestenfalls der Ratschlag, den Beruf des Journalisten nicht mehr mit einem Präfix zu versehen. Nicht Zeitungsjournalist, nicht TV-Journalist. Einfach nur: Journalist.

2. Anfänger – und Spaß dabei!

„You will always be a beginner. Get good at it“ – selten war dieser Satz treffender als momentan. Wenn in kürzesten Zeitabständen ständig neue Techniken, Erzählformen, Plattformen und Geräte auf den Markt kommen, wie wollte man da von Routine sprechen? Zur Verdeutlichung: Das erste iPad kam vor rund drei Jahren auf den Markt. Damals noch als nettes Spielzeug belächelt, hat es den Markt stärker beeinflusst, als man das damals selbst als Technikoptimist für möglich gehalten hätte. Aber trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen): Niemand von uns kann aktuell von sich behaupten, Routinen entwickelt zu haben. Deswegen: Anfänger sein, Spaß dabei haben – und sich selbst gestatten, dass beim Experimentieren auch mal etwas schief geht. Doch halt, dazu müsste man ja erst – ja genau, experimentieren. Womöglich stößt man dabei auch auf Dinge, die man am Anfang des Experiments gar nicht im Sinn hatte. Siehe iPad.

3. Lernt von den anderen!

Vorsicht, nach dem Lesen des folgenden Absatzes ist es gut möglich, dass Sie an eierlegende Wollmilchsäue denken. Denken Sie also bitte jetzt nicht an eierlegende Wollmilchsäue,  auch wenn diese Aufforderung natürlich zum Scheitern verurteilt ist. Aber es geht jetzt nicht um solche, sondern eher um eine Geisteshaltung. Niemand sagt, dass Sie alles perfekt können und machen müssen, schon gleich gar nicht gleichzeitig und alles zusammen. Trotzdem: Natürlich ist es von Vorteil, sich mit den Grundlagen beispielsweise von Webdesign wenigstens mal beschäftigt zu haben. Klar wäre es toll, wenn man sich ein wenig mit Programmieren auskennt (eine wunderbare Anleitung dazu findet sich übrigens hier!). Eine Videokamera bedienen? Liegt nahe, wenn man jeden Tag ohnehin eine dabei hat. Oder haben Sie etwa kein Smartphone? Sollten Sie aber haben, nicht weil es jetzt so chic und modisch ist, sondern weil man damit von unterwegs aus ganz großartig Dinge produzieren kann (auch dafür gibt es eine schöne Übersicht). Software kann man sich in den meisten Fällen gratis besorgen; es gibt also keine wirklich guten Ausreden dafür, digitales Arbeiten nicht zu probieren. Und zwar jetzt, auf der Stelle. Übrigens, am Rande bemerkt: Von allen „Großen“ aus der digitalen Szene weiß ich, dass sie es selbst auch nicht anders gemacht haben. Thematisch sollte man übrigens eher den umgekehrten Weg gehen, also weg vom Generalistentum.  Als ich vor 25 Jahren volontiert habe, war es ein Zeichen besonderer Qualitäten, alles so ein bisschen zu können. Einen Tag bei den Kaninchenzüchtern, am nächsten Tag im klassischen Konzert, am übernächsten Tag Reporter bei einem Fußballspiel. Sowas braucht heute fast kein Mensch mehr. Lernen Sie was Gescheites und lernen Sie es gut!

4. Redet miteinander, übereinander, gegeneinander!

Sie sind bei Facebook, weil man das jetzt so hat? Oder, noch schlimmer: Sie sind gar nicht bei Facebook? Dann machen Sie was falsch. Nein, nicht wegen Facebook. Den Laden kann man kritisieren und man kann ihn sogar nicht mögen, das ist ok. Sie sollten trotzdem in sozialen Netzwerken sein. Egal, in welchem, das ist nicht der Punkt. Posten Sie dort keine Katzenbilder und stehen Sie nicht stumm in der Ecke, nerven Sie die Leute aber auch nicht durch vorlautes Dauergeplapper. Kurz gesagt: Machen Sie keine Dinge, die Sie auf einer Party im echten Leben auch nicht machen würden. Aber reden Sie mit den Menschen, das machen Sie im echten Leben doch auch. Ach, machen Sie nicht? Und Sie wollen ernsthaft Journalist werden?

5. Zeigt euch!

Eine der meist gestellten Fragen der Neuzeit: MUSS man bloggen? Nein, muss man nicht. Aber es ist ganz und gar kein Fehler, es zu tun. Blogs sind eine großartige Fingerübung, verleihen so etwas wie ein eigenes Profil, man kann sich als irgendwie kompetent für ein Thema erweisen. Ach ja, und Spaß machen die Bloggerei nebenher auch noch.

 

Comments 2
  • Oh ja, alles sehr, sehr wahr. Und alles nicht neu. Vieles davon wurde schon zu meinen Anfängerzeiten vor 30 Jahren gepredigt, war damals richtig und ist es noch heute, auch wenn sich technisch viel verändert hat. Ich habe drei große Technik-Revolutionen mitgemacht – Lichtsatz, Digitalfotografie, Internet – und war natürlich jedes Mal Anfänger. Aber es hat Spaß gemacht. Die Ratschläge 3 bis 5 müssten zudem jedem Journalisten liegen. Bei jeder neuen Recherche lernen wir jedes Mal etwas von anderen, auch wenn wir uns spezialisiert haben. Wir reden gern mit anderen und sind im Grunde unseres Herzens alle kleine Selbstdarsteller. Dass der eine oder andere diese Ratschläge nicht befolgen will, ist übrigens nicht wie so oft von den Jungen behauptet eine Alters-, sondern eine Typfrage. Und da helfen alle guten Ratschläge nicht.

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