Software 28. September 2013

Streamen, filmen, hören: Journalismus von unterwegs

by Christian Jakubetz

Videostreaming von unterwegs, dazu Videos, Audios und Fotos: Journalismus wird immer mobiler und kann zunehmend auch in Beinahe-Echtzeit stattfinden. Alles, was man dazu braucht, sind ein Smartphone und/oder ein Tablet. Und ein paar Apps. Ein aktueller Überblick über die Software, die man als Journalist kennen sollte.

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Spätestens im kommenden Jahr soll die mobile Nutzung des Internets größer sein als die von stationären Geräten aus. Sagen zumindest Statistiker und Wissenschaftler. Das aber dürfte auch für den Journalismus einige Änderungen mit sich bringen. Beispielsweise die, dass demnach auch mobile Inhalte bzw. die mobile Produktion von journalistischen Inhalte eine deutlich größere Rolle spielen dürfte. Ein Thema, das immer noch viele Journalisten nicht auf dem Radar haben.

Dabei gibt es jetzt schon eine ganze Reihe guter Endgeräte und Apps, mit denen man das Smartphone bzw. das Tablet zum Studio in der Hosentasche verwandeln kann. Eine Übersicht über Programme, die man auf dem mobilen Endgerät haben sollte.

Video

iMovie: Einfach, handlich, überschaubar. Mit iMovie lassen sich schnell und einfach Videos aufnehmen und zumindest grob bearbeiten. Grob bedeutet: Clips können geteilt, getrimmt, gelöscht und verschoben werden. Daneben lassen sich weitere Medienelemente einfügen sowie eine eigene Tonspur quasi live aufnehmen. Mehrere Vorlagen sorgen dafür, dass man den Videos unterschiedliches Aussehen verpassen kann. Die Bedienung ist intuitiv; mit Hilfe einer „Hilfe“-Funktion lässt sich zudem permanent einblenden, wo man was machen kann bzw. wie sich ein gewünschter Effekt erreichen lässt. Ausspielen lassen sich Videos auf Kanäle wie YouTube oder Facebook, sofern man ein eigenes Konto besitzt. Man kann das Video aber auch einfach nur im eigenen Photostream ablegen. Anhand der Beschreibung zeigt sich aber auch schon der Nachteil des Programms: Es ist sehr stark an die Apple-Welt angelehnt, eine Version für Android existiert nicht. (3,95 € im Appstore, nur iOS).

Android Studio: Die Problematik bei Android: Richtig gute Videoprogramme sind für dieses Betriebssystem noch nicht auf dem Markt. „Android Studio“ wird von einem User im „Play Store“ folgerichtig auch als „best of the worst“ beschrieben. Das Programm beherrscht die nötigen Grundfunktionalitäten und kann als kleines Gimmick auch Spezialeffekte direkt im Video verbauen. Nachteil: Das Programm ist englischsprachig und manchen Stellen zumindest gewöhnungsbedürftig. (Lite-Version kostenlos im Playstore, Vollversion 4,95 €, nur Android)

 

Mobile Reporting im Praxistest

Am Medieninnovationszentrum Babelsberg ist ein vierwöchiges Media Camp zum Thema „Mobile Reporting“ zu Ende gegangen. Welche Erfahrungen die Teilnehmer mit welcher Soft- und Hardware gemacht haben und welcher Beitrag mit welchem Equipment erstellt wurde, ist hier ausführlich dokumentiert.

 

Audio

Hindenburg: Eine App, die eindeutig auf die Bedürfnisse von (Radio-)Journalisten ausgelegt ist. Mit ihr lassen sich auch aufwändigere Beiträge gut herstellen.  Die Möglichkeiten, die Audios auszuspielen, sind vielfältig, dafür gestaltet sich umgekehrt die Nachbearbeitung der Beiträge als etwas komplex. Vorteil: für eine mobile Plattform professionelle Möglichkeiten. Nachteil: sehr teuer. Die kostenlose Lite-Version beherrscht zwar alle Funktionalitäten, man kann aber dafür nur maximal 1 Minute lang aufnehmen. (Lite Version kostenlos, Vollversion 26,99 €, iOS und Android).

Foto

Snapseed: Wenn es um die Bildbearbeitung geht, dann wird das immer noch gerne mit „Photoshop“ gleichgesetzt. Tatsächlich gibt es den Adobe-Klassiker auch als kostenlose App für iOS und Android – und wer sein Photoshop auf dem Rechner mag, wird auch mit der mobilen Version durchaus zufrieden sein. Allerdings gibt es mit „Snapseed“ eine vergleichsweise neue Alternative, an deren Bedienung man sich zwar erst ein wenig gewöhnen muss, die aber dennoch mindestens so leistungsfähig ist wie „Photoshop“. Ähnlich wie bei Instagram lassen sich neben den üblichen Verarbeitungstools auch Filter und Effekte einsetzen. Fur Puristen eher ein Grauen, aber man muss das ja nicht tun. Alle anderen können mit der von Google entwickelten Software tatsächlich schöne Ergebnisse erzielen. (kostenlos, für iOS und Android).

Streaming

Bambuser: Möglicherweise erkennt man den rasanten Wandel der Branche bei keinem Thema so gut wie beim Thema Streaming. Videos von unterwegs aus ins Netz zu streamen, das war angesichts der häufig (und leider manchmal immer noch) mangelnden Bandbreiten schlichtweg keine Option. Das hat sich mittlerweile geändert; in den Großstädten, in denen inzwischen häufig der superschnelle Standard LTE angeboten wird, ist das schon gleich gar kein Thema mehr. Bambuser macht als einfach zu bedienende App das Streaming von unterwegs zum Kinderspiel; daneben bietet die App einige Interaktionsmöglichkeiten, wenn man sich andere Zuschauer dazu nehmen will. Das bietet für mobile Journalisten bisher ungeahnte Möglichkeiten der Echtzeitberichterstattung im bewegten Bild. (kostenlos, für iOS und Android).