Print 6. April 2013

Sorge dich nicht – arbeite!

by Christian Jakubetz

Geht es mit der Stimmung in deutschen Tageszeitungsredaktionen wieder aufwärts? Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine neue Studie: „Auch wenn sich viele Redakteure Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, deuten sie die derzeitige Situation überwiegend als Normalzustand oder sogar als Aufbruchstimmung“, sagt Prof. Stephan Weichert.

Immer noch ein Ort der gelassenen Stimmung: der Arbeitsplatz eines Zeitungsredakteurs. (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)
Immer noch ein Ort der gelassenen Stimmung: der Arbeitsplatz eines Zeitungsredakteurs. (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

Weichert hat die Studie gemeinsam mit Leif Kramp und Martin Welker erstellt. Den Ergebnissen der Studie zufolge sehen 48 Prozent der befragten Redakteure die Stimmung in ihren Redaktion als „normal“, 32 Prozent erkennen sogar eine „Aufbruchstimmung“. Dagegen wollen nur 18 Prozent von einer „Krisenstimmung“ sprechen. Allerdings erkennt die Studie auch anderes: Immer dann, wenn Redakteure sich aktuell Sorgen um die weitere Finanzierung ihrer Zeitung machen, erwarten sie zudem einen spürbaren Bedeutungsverlust der Zeitung in den kommenden zehn Jahren. Diese Sorgen beziehen sich keineswegs nur auf die Zeitung – wobei es auch hier einen interessanten Zusammenhang gibt: Je größer die Sorgen um die Zeitung, desto ausgesprägter auch die Befürchtung, dass der Journalismus generell in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren wird.

Immerhin glauben die Zeitungsleute sehr stark an sich selbst, wenn es um die Weiterentwicklung ihrer Häuser geht.  Eine deutliche Mehrheit bezeichnet ihre Redaktion als die „wichtigste Innovationsumgebung“. Befragt nach den wichtigsten Innovationen aus ihrer Sicht, konzentrieren sich die Antworten eindeutig auf zwei Punkte: soziale Netzwerke und Datenjournalismus. Bei den jüngeren Redakteuren kommt zudem noch hinzu, dass für sie eine zunehmende Partizipation des Lesers eine größere Rolle spielt. Auch hier ergeben sich wieder interessante Zusammenhänge: Redakteure unterhalb der 40 verspüren demnach eine größere Nähe zum Leser. Und: Journalisten, die eine solche geringere Distanz wahrnehmen, glauben auch mehr an eine gute Zukunft des Journalismus.

Wie überhaupt die gute Laune (oder eben auch die schlechte) offenbar entscheidenden Einfluss auf die Grundhaltung zur Zukunft des Journalismus und seiner vielen neuen und digitalen Möglichkeiten nimmt:  Journalisten, die ein positives Arbeitsumfeld wahrnehmen, stehen auch dem Thema sozialen Medien aufgeschlossen gegenüber. Und wer zu denen gehört, die sogar eine Aufbruchstimmung verspüren, hält wachsende Partizipation von Lesern für eine gute Idee.

Die komplette Studie erscheint vermutlich im August 2013.

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