Aktuell 6. Juli 2018

Videos im Netz – so tot und lebendig wie nie

by Christian Jakubetz

Videos im Netz? Das Muss schlechthin für alle Medienmacher! Videos im Netz? Braucht kein Mensch! Zwei Aussagen, die man immer wieder hört. So spannend wie paradox dabei: Beide Aussagen sind irgendwie richtig. Interessant könnten ein paar dieser Erkenntnisse auch für den bevorstehenden Umbau der Tagesschau-App werden.

Videos (Photo by veeterzy on Unsplash)
Video ja oder nein? Sowohl als auch, könnte die Antwort lauten. Zumindest als bevorzugte Nachrichtenquelle dürften sie sich vorerst aber nicht durchsetzen. (Photo by veeterzy on Unsplash)

Der neue Reuters Digital News Report spricht da anscheinend eine sehr deutliche Sprache:  60 Prozent der Studienteilnehmer sagen, dass sie News zumeist in schriftlicher Form lesen und sich nur gelegentlich ein Video online ansehen. Ist das nicht deutlich? Noch dazu, wenn auch im Umkehrschluss gerade mal 8 Prozent angeben, Video als bevorzugte Nachrichtenquelle zu nutzen und eindeutig dem Text vorzuziehen.

Die ARD-ZDF-Onlinestudie zeigt wiederum, warum auch die Anhänger von Videos im Recht sind. Demnach nämlich hat 2017 statistisch gesehen jeder zweite Deutsche mindestens einmal in der Woche ein Video im Netz angesehen. Ein Widerspruch? Nein, keineswegs. Weil Video natürlich viel bedeutet kann, zumindest in dieser sehr allgemeinen Definition. Das kann demnach auch Katzenvideo bei YouTube gewesen sein.

Umgekehrt darf man allerdings auch das Ergebnis der Reuters-Studie nicht überbewerten. Sie sagt lediglich aus, dass User beim Thema Nachrichten im Netz den Text bevorzugen. Was ja keineswegs bedeutet, dass man deshalb Videos als Nachrichtenquelle ablehnen muss. Dass Videos auch ein gutes Zusatzmaterial sein können, wird bei dieser rigorosen Fragestellung naturgemäß ausgeblendet. Müsste man also den Status Quo von Bewegtbild im Netz zusammenfassen, es kämen einige interessante Trends dabei heraus:

Als Nachrichtenquelle sind sie auf unabsehbare Zeit eher Ergänzungsmaterial. Videos im Netz werden primär immer noch über Videoplattformen – und hier natürlich vor allem YouTube – genutzt. Soziale Netzwerke wie beispielsweise Facebook holen zwar auf, sind aber von der YouTube-Popularität noch ein gutes Stück entfernt.

Der grundsätzliche Bedarf ist gedeckt, auch und vor allem bei der Frage danach, ob man nicht mehr Nachrichten-Videos bräuchte. Fast 90 Prozent der Befragten verneinen das.

Den größten Sprung beim Thema Bewegtbild machen aktuell Videostreaming-Dienste wie Amazon oder Netflix. Hier gibt es nach wie vor das Potential für hohe Zuwachsraten. Alle anderen Video-Themen haben ihr Potential dagegen eher in Nischen.

Spannend könnte dieses Thema allerdings im Zug der jüngst vom BDZV erzwungenen Änderung der öffentlich-rechtlichen Angebote sein. Nachdem die App insbesondere der „Tagesschau“ als zu „presseähnlich“ empfunden wurde, soll sie nie Zuge eines baldigen Umbaus insbesondere auf Bewegtbild als Nachrichtenquelle setzen.

 

 

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