Digitales Leben, Interview 28. Dezember 2017

Lokaljournalismus: Ungebliebter Traumjob

by Christian Jakubetz

Wie geht es weiter mit Lokaljournalismus und regionalen Tageszeitungen? Geht es nach Benjamin Piel, dann muss man sich nicht übertrieben viele Sorgen machen. Zumindest dann nicht, wenn Lokalredaktionen buchstäblich ihren Job machen, sagt Piel in der neuen Ausgabe des „Universalcast“. Dass hochwertiger Journalismus auch in kleinen Einheiten und in sehr ländlich strukturierten Räumen möglich ist, beweist Piel aktuell in seinem Job als Redaktionsleiter der „Elbe-Jeetzel-Zeitung“.

Lokaljournalismus
Bald am Ende oder unverwüstlich? Die Zukunft von Lokalzeitungen kann man sehr unterschiedlich einschätzen…(Foto; Jakubetz)

Nichts ist so einfach wie ein kleiner Rant über den Lokaljournalismus: dröge, langweilige Geschichten, angestaubter Terminjournalismus, Hofberichterstattung. Umgekehrt ist nichts so einfach wie das Hohelied auf den Lokaljournalismus. Schließlich ist er die Basis von immer noch rund 300 Tageszeitungen in Deutschland, von Dutzenden Lokalradios und Fernsehsendern. Rechnet man es zusammen – man kommt auf mindestens genauso viele Lokaljournalisten wie solche, die jeden Tag die große weite Welt erklären.

Doch obwohl man das alles weiß – Lokaljournalismus und seine Protagonisten haben nach wie vor ein Imageproblem.  Alle finden ihn wichtig, nicht mehr ganz so viele wollen ihn denn auch machen.

Unterhält man sich mit Benjamin Piel, dem designierten Chefredakteur des „Mindener Tageblatts“, dann bekommt man schnell den Eindruck: Eigentlich gibt es nichts Geileres als Lokaljournalismus. Die Begeisterung von Piel, wenn er von seinem Job spricht, die ist nicht nur glaubwürdig – sondern auch ansteckend.

Benjamin Piel. (Foto: Stephan Röhl, Lizenz CC BY-SA 4.0)

Dabei setzt er während des Gesprächs für den Universalcode-Podcast auf lauter Dinge, die eigentlich zum kleinen Einmaleins des Journalismus gehören müssten: Recherche, Mut, Interaktion und Dialog mit den Lesern. Das würde wahrscheinlich als ernstgemeinter Ratschlag bei niemanden große Begeisterung auslösen. Dass es dennoch so wichtig ist, immer wieder auf solche vermeintlichen Selbstverständlichkeiten hinzuweisen, zeigt wiederum, wie wenig selbstverständlich solche Selbstverständlichkeiten sind.

Was Piel ebenfalls wundert: dass in schwierigen Zeiten an vielen Stellen an Journalismus nicht in Journalismus investiert wird. Im Gegenteil: Personalabbau und Budgetkürzungen sind allgegenwärtig. Was zu nichts führen wird, sagt der designierte Chefredakteur. Trotzdem sieht er die Digitalisierung nicht das Allheilmittel. Was in an der seit Jahren währenden Debatte besonders stört: Zunehmend mehr wird über die äußere Form und die Kanäle und viel zu selten über journalistischen Inhalt gesprochen. Dabei sind Äußerlichkeiten für Benjamin Piel das Letzte, was im Journalismus zählt. Im Gegenteil: Wenn eine Geschichte gut ist, dann „kann sie auch 400 Zeilen lang sein“.

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