Aktuell 11. August 2017

Wie die Virtual Reality in den Journalismus kommt

by Christian Jakubetz

Journalismus findet immer öfter auch in 360 Grad oder in Virtual Reality statt.  Aber wie das meistens so ist mit Neuerungen: Auf einmal braucht man etliche Plug-Ins und Tools, um die Inhalte zusammenzubringen. Eine neue Software macht es deutlicher einfacher, virtuelle und reale Medienwelten zusammenzubringen…

Virtual Reality
Der Editor von Fader: Simpel im der Handhabung, vielfältig in den Möglichkeiten – und manchmal noch etwas holprig in der Anwendung. (Screenshot: Jakubetz)
Das Konzept

Virtual Reality und 360 Grad – das waren bisher buchstäblich neue und andere Welten. Es gibt zwar mittlerweile eine ganze Reihe von Software, mit denen man solche Inhalte erstellen und auch anschauen kann. Allerdings waren diese Inhalte dann wahlweise entweder ziemlich isoliert oder nur mit irgendwelchen zusätzlichen Plug-Ins in der bisherigen „normalen“ Medienwelt zu betrachten.

Fader ist jetzt zumindest schon mal einen guten Schritt weiter: Dort können 2D-Inhalte, Texte, Fotos und nahezu alle anderen gängigen Elemente mit 360-Grad-Videos bzw. Fotos kombiniert werden. Das ist für Journalisten eine ziemlich tolle Sache. Weil es bisher nach wie vor kaum Geschichten gibt, die man tatsächlich ausschließlich in 360 Grad erzählen will (oder kann). Selbst wenn man den größten Teil einer Geschichte in ein 360-Grad-Format packt – es ist dann eben doch sehr schön und hilfreich, wenn man ohne größere Umstände auch „normale“ Dateien hinzufügen kann.

360 Grad-Dateien kann man zudem innerhalb der Software mit Titel versehen und so dem ganzen einen Hauch von Virtual Reality geben. Das können Programme wie beispielsweise Adobe Premiere Pro zwar mittlerweile auch. Aber gerade dann, wenn man ein Video womöglich noch nachträglich betiteln will, ist diese Funktion sehr praktisch. Man müsste nämlich ansonsten wieder zurück in die Videosoftware.

Mit Fader ist es möglich, mehrere Szenen zu einem Thema zu bauen. Sinnvoll ist es also, mit mehreren kurzen Videosequenzen zu arbeiten. Davon abgesehen ist das technisch derzeit de facto auch nicht möglich: Fader beschränkt die Uploads auf 300 MB pro Datei. Speziell bei 360-Grad-Videos stößt man da schnell buchstäblich an seine Grenzen.

Bedienung

Man muss nicht sehr viel können, um den „Fader“ nutzen zu können. Die Benutzerführung ist intuitiv, da macht es nichts, dass die Software vorerst nur auf Englisch zu haben ist. Man muss lediglich ein paar Dateien uploaden und sie irgendwann zu einer Geschichte verknüpfen. Wichtiger also als irgendwelche technischen Fähigkeiten ist in der Tat die Idee für eine gute Story.

Das Publishing

Natürlich kann man sich sein Projekt sofort auf der Plattform anschauen. Spannender und für Journalisten interessanter ist allerdings die Embedding-Funktion, mit der das Projekt auf der eigenen Seite eingebunden werden kann.

Mobil/Auflösung

Die Medienwelt wird immer mobiler, weswegen die Frage danach, auf welchen mobilen Geräten die Inhalte zu sehen sind, immer wichtiger wird. Bei Fader sind sie einen eher ungewöhnlichen, aber naheliegenden Weg gegangen. Erstmal funktioniert Fader nur auf Android-Betriebssystemen. Eine Lösung für iOS soll noch in diesem Jahr kommen. Dann sollen auch Videos mit 4K-Auflösung unterstützt werden.

Haken an der Sache

Fader funktioniert ziemlich gut und flüssig. Damit das so bleibt, empfiehlt der Anbieter, die Seite vor allem mit Google Chrome oder Firefox zu verwenden. Tatsächlich macht Fader auf Safari deutlicher weniger Spaß; es empfiehlt sich also, der Empfehlung zu folgen. Vor allem die Macken, die Fader bei Safari aufweist, trüben bei Mac-Usern etwas den Spaß mit der Virtual Reality. Was insofern erstaunlich ist, weil bei solchen Projekten der Anteil von Mac-Nutzern ziemlich hoch sein dürfte. Zumal hier beim Selbstversuch Fader auf zwei verschiedenen Macs mehrfach fast den ganzen Rechner lahmgelegt hat. Unschön, das.

Auf der anderen Seite wird Fader von der Google News Initiative gefördert. Da kann man die Präferenz für Chrome natürlich schon fast wieder ein bisschen verstehen. Wobei: Auch auf Chrome funzt noch lange nicht alles so, wie es sein sollte. Auch wenn der unvermeidliche Jeff Jarvis Fader als Einstiegsdroge in das VR-Storytelling bezeichnet – da ist für das Startup noch eine ganze Menge Luft nach oben.

Kosten

Keine.

Machen oder nicht machen?

Wenn man eine 360-Grad-Kamera hat, ein Schnittprogramm, das mit solchen Videos fertig wird, einen Rechner mit entsprechenden Kapazitäten und Spaß am Experimentieren und Kreieren neuer Formate – unbedingt! Wenn man schnell genervt ist von Projekten, die sich noch in einer besseren Beta-Phase befinden, dann lieber noch ein bisschen warten.  Account anlegen: hier.

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