Aktuell 17. Februar 2017

Das Twitter-Paradox-Phänomen

by Christian Jakubetz

Vielleicht handelt es sich bei Twitter ja um eines der größten Phänomene der Social-Media-Welt. Möglicherweise ist das Phänomen Twitter aber auch einfach nur bezeichnend dafür, wie diese Sache mit den sozialen Netzwerken funktioniert. Weil sich zumindest eines gerade mal wieder zeigt: Die Wahrnehmung von Twitter und die nackten Zahlen stehen in einem Missverhältnis, das mit grotesk eher vorsichtig umschrieben ist.

Für Journalisten, zumindest wenn sie etwas mit Politik zu tun haben, ist Twitter aktuell der wichtigste Kanal der Welt. Donald Trump veröffentlicht dort jeden Tag seine Mini-Regierungserklärungen. Und wenn nicht das, dann beleidigt er jemanden. Ist beides nicht der Fall, dürfte vieles auf einen Serverausfall hindeuten. Der Blick auf Twitter ist selbstverständlich und unverzichtbar geworden – und das nicht erst seit Trump. Wie selbstverständlich versuchen auch klassische Medien immer wieder Twitter einzubinden, vor allem bei Live-Events.

Trotzdem: Das Netzwerk kommt einfach nicht wirklich vorwärts. Zumindest dann, wenn man ausschließlich auf die wirtschaftliche Lage und die Nutzerzahlen schaut. Bei Letzterem zeigt sich nämlich vor allem eines: Gemessen an den Verhältnissen in der Social-Media-Welt stagniert Twitter nach wie vor:
Infografik: Twitter kommt nicht vom Fleck | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ein Userplus von 30 Millionen in den vergangenen zwei Jahren: geschenkt, wenn man sich die Konkurrenz anschaut. Ein gesättigter Markt? Demnach dürfte Facebook schon lange keine neuen Nutzer mehr dazu gewinnen.

Trotzdem müssen die stagnierenden Userzahlen nicht sehr viel über die Akzeptanz und die Rolle von Twitter aussagen. Weil Twitter dafür einen Markt und eine Zielgruppe besonders gut erwischt (und vermutlich ausschließlich aus diesem Grund noch nicht untergegangen ist): Bei Live-Events ist Twitter immer noch gesetzt. Und bei Multiplikatoren, Medienleuten und anderen Kommunikatoren auch. Was zeigt, dass es nicht immer ein Massenmarkt sein muss, auf den man setzt. Manchmal reicht es auch, wenn man sich in der richtigen Nische bewegt.

Fürs Erste darf man also davon ausgehen, dann die Nutzerzahlen bei Twitter nicht sonderlich steigen werden. Daran dürfte auch ein hardcoretwitternder Präsident nichts ändern.

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