Digitales Leben 6. Februar 2017

Paid Content: Hoffnung oder Enttäuschung?

by Christian Jakubetz

Die „Süddeutsche“ meldet Paid-Content-Erlöse in einer Höhe von rund 15 Millionen für das vergangene Jahr, die taz freut sich über spürbar gestiegene Paid-Content- Einnahmen – und über 100 Tageszeitungen in Deutschland haben mittlerweile eine wie auch immer gebaute Paywall vor ihren Online-Angeboten. Wird jetzt doch noch alles gut mit den Bezahlinhalten für Journalismus?

Paid Content

(Eine Auflistung aller Tageszeitungen mit Paid Content hat der BDZV zusammengestellt)

Stefan Plöchinger, Online-Chef der SZ, ist sich ziemlich sicher: Wenn man guten Inhalt, sprich Journalismus biete, dann würden die Menschen dafür auch bezahlen. Unterstützung für diese Theorie bekommt Plöchinger aktuell ausgerechnet aus den USA. Dort verzeichnet Donald Trumps Lieblingsfeind, die „New York Times“, seit dem Amtsantritt des Präsidenten sprunghafte Zuwächse bei den Digital-Abos. Rund 300.000 sollen es seit der Wahl im November sein. Die weitaus kleinere taz bringt es zwar 2016 nur auf rund 600.000 Euro Digital-Erlöse. Das aber ist immerhin eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr.

Paid Content wächst – aber langsam als zuvor

Wie immer ist bei diesem Thema alles relativ. Weil man die an sich ermutigenden Zahlen immer mit ein paar Einschränkungen sehen muss. So ist das Wachstum bei den Paid-Content-Inhalten im vergangenen Jahr nach Berechnungen des „Presse Vertriebs Digest“ 2016 etwas abgeflacht. Nach 36 und 27 Prozent in den beiden Jahren zuvor sind die Erlöse 2016 nur noch um 14 Prozent gestiegen. Viel oder wenig? „Eine Enttäuschung“, schreibt PV Digest. Auf der anderen Seite: Nach diesen Zahlen hat es Springers „Bild“ auf rund 25 Millionen Paid-Content-Erlöse im Jahr 2016 gebracht. Und: Neben der SZ liegen demnach auch die FAZ, die „Welt“ und das „Handelsblatt“ im zweistelligen Millionen-Bereich.

 Im Westen Deutschlands ist die Essener WAZ eine der letzten großen Zeitungen, die eine digitale Bezahlstrategie implementieren. Bei ihr zeigt sich die ganze Problematik dieses Themas: Zwar findet man noch älteres Publikum, das bereit sei, für Inhalte zu bezahlen. Aber die Jüngeren? Vor allem Medienwissenschaftler glauben nicht wirklich daran. (Beiträge dazu aus dem WDR: über die Paid-Content-Pläne der WAZ und die Frage, wer alles an Facebook mitverdienen kann).

Geht es also demnach tatsächlich nur darum, das Publikum zahlungswilliger zu machen? Und es mit gutem Journalismus davon zu überzeugen, dass es solchen Journalismus eben nicht einfach umsonst geben kann? Vermutlich nein, weil die Idee nach wie vor nur die ist, ein Verkaufsmodell aus der analogen in die neue, digitale Welt zu übertragen. Das aber sind noch keine neuen, innovativen Ideen.

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